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Norddeutschland Pippi Langstrumpf im Interview: Warum das stärkste Mädchen auch ein bisschen Punk ist
Nachrichten Norddeutschland Pippi Langstrumpf im Interview: Warum das stärkste Mädchen auch ein bisschen Punk ist
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09:10 31.07.2019
Maren Meyer alias Pippi Langstrumpf auf der Freilichtbühne.
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Lübeck

Es ist ein kleines Fleckchen Småland, dass dort auf der Freilichtbühne in den Wallanlagen aufgebaut ist. Unübersehbar steht ein kunterbuntes Haus im Schatten der Bäume. Ganz klar: Das ist die Villa Kunterbunt, das Zuhause von Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf. Rote Zöpfe, Flicken-Kleid, bunte Strümpfe: Maren Meyer schlüpft jedes Wochenende in die Haut des Kinderstars und begibt sich in spannende Abenteuer.

Frau Meyer, Sie sind im idyllischen Sauerland aufgewachsen. Was nehmen Sie aus Ihrer Heimat mit nach Småland in die Rolle von Pippi?

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Viele Freunde meiner Eltern bezeichneten das Haus, in dem ich aufgewachsen bin, als Villa Kunterbunt. Und genauso war es: Eine alte Villa mit riesigem Garten und einem Stück Wald. Tiere umgaben uns als Kinder, die Kühe standen unweit vom Haus entfernt auf einer Weide. So frei wie Pippi, so bin ich aufgewachsen. Ich durfte alles ausprobieren. Diese Mischung aus Freiheit und Idylle – das verbinde ich noch heute mit meiner Heimat und den Geschichten von Astrid Lindgren.

Pippi live erleben

Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf ist noch bis zum 1. September auf der Freilichtbühne in den Lübecker Wallanlagen zu sehen. Die Vorstellungen starten immer freitags, sonnabends und sonntags um 15 Uhr.

Neben Pippi läuft zur Zeit noch ein zweites Stück auf der Freilichtbühne – „Das Geheimnis der blauen Hand“, ein Krimi des Schriftstellers Edgar Wallace. Die Vorführungen laufen noch bis zum 31. August und finden jeden Freitag und Samstag ab 20.30 Uhr statt.

Je nach der aktuellen Wetterlage vor Ort und bei Vorstellungsbeginn wird entschieden, ob ein Stück wegen schlechten Wetters abgesagt wird.

Tickets und weitere Informationen finden Sie unter www.freilichtbuehne-luebeck.de oder an den Vorverkaufsstellen.

Sie wurden 1988 geboren, sind eine erwachsene Frau. Wie schwer fällt es Ihnen, sich in die ewig neunjährige Pippi Langstrumpf hineinzuversetzen?

Irgendwie fällt es mir gar nicht so schwer. Ich mag bei Pippi diesen nicht-wertenden Ton und die Wahrheit in ihren Worten. Direkt raus sagt sie manchmal so geile Sachen, die dann auch zutreffend sind. Außerdem habe ich vor sieben Jahren schon einmal ihre Rolle gespielt. 2012 war mein Debüt hier auf der Freilichtbühne – ich kenne die Rolle bereits.

Aber Pippis bunte Erscheinung hilft mir dabei natürlich auch – die roten Zöpfe, die farbigen Kniestrümpfe. Mit den großen Schuhen hat man zum Beispiel direkt einen anderen Gang. Das hilft sehr, mich wie Pippi zu fühlen.

So richtig zeitgemäß ist ihre Kleidung aber nicht?

Ehrlich gesagt, finde ich ihre Kleidung geradezu zeitlos. Für mich ist Pippi damit auch ein bisschen Punk. Ob früher oder heute – das macht keinen Unterschied. Sie macht es sich eben, wie es ihr gefällt. Außerdem hat sich ihr Bild über die Jahrzehnte jedem eingeprägt. In den Vorstellungen sitzen immer wieder Mädchen, die wie sie verkleidet sind. Das zeigt doch, wie zeitlos ihre Kleidung ist, oder nicht?

Pippi erzählt gerne unglaubwürdige Geschichten. Im aktuellen Stück sagt sie, dass Kinder, die in Amerika zur Schule gehen, nichts anderes als Bonbons essen. Ist es nicht falsch, Kindern Unwahrheiten zu vermitteln?

Ja, vielleicht ein bisschen. Ich, aus der Sicht von Pippi, habe mit meinem Papa auf hoher See schon viel erlebt. Außerdem habe ich eine Mama, die ein Engel ist. Da kann man nicht erwarten, dass das stimmt. Wenn Pippi es schafft mit ihren Geschichten Kinder zu erfreuen, dann ist es doch eine gute Sache!

Vita: Maren Meyer

Die gebürtige Nordrhein-Westfälin, aufgewachsen im Sauerland, wohnt mittlerweile in Hamburg. Dort besuchte sie die Schule für Schauspiel.

Die 31-Jährige ist nicht nur auf den Bühnen in Lübeck und Hamburg zu Hause. Mit dem Musical „Der Froschkönig“ ging sie dieses Jahr auf China-Tournee und spielte 2010 im Stadttheater Salzburg. Zudem lieh sie ihre Stimme Charakteren in NDR-Hörspiel-Produktionen und wirkte in Kurzfilmen mit.

2012 spielte sie zum ersten Mal Pippi Langstrumpf auf der Freilichtbühne in Lübeck. Außerdem ist sie zur Zeit in einer anderen Rolle zu sehen. In dem Krimi „Die blaue Hand“ von Edgar Wallace spielt sie die Sekretärin „Molly Liskern“.

Hätten Sie gerne eine Tochter, die genau wie Pippi Langstrumpf ist?

Also, ich fände das toll. Ich finde, Astrid Lindgren hat mit Pippi einen tollen Charakter geschaffen. Sie ist ein ehrliches Kind, das Dinge hinterfragt. Gerade heutzutage ist das wichtig, dass die Jungen die Alten aufmischen.

In dem Stück sitzen in der Regel Kinder – das Durchschnittsalter liegt vielleicht bei acht Jahren. Als Schauspielerin dieses junge Publikum zu überzeugen ist gewiss nicht leicht, oder?

Jedes Publikum ist irgendwie anders. Oft kommen Eltern oder Großeltern mit ihren Kindern. Der Altersunterschied ist aber nicht schlimm, da das Stück Passagen hat, die für Zuschauer von Null bis 99 sind. Zum Beispiel sagt Pippi in einer Szene zum feinen Herr: ‚Am besten wäre es, wenn es gar keine Kinder gäbe’. Das ist natürlich Ironie, die die ganz kleinen Kinder gar nicht verstehen. Die Eltern schon. Die Kleinen werden aber wieder abgeholt, wenn Pippi dem feinen Herr einen Schubser verpasst. Ein weiterer Punkt: Die Sprache Astrid Lindgrens ist einfach, da die Geschichten für Kinder geschrieben wurden. Bei allem Weiteren vertraue ich auf die Erfahrung des Regisseurs.

Ist es denn schwieriger vor Kindern oder vor Erwachsenen zu spielen?

Ich finde es spannender vor Kindern aufzutreten. Wenn die sagen, dass es toll war, dann meinen sie das auch so. Auch wenn ihnen etwas nicht gefällt, dann sagen sie es unmittelbar und direkt heraus. Das mag ich. Intensiv ist es natürlich bei den Schulveranstaltungen, wenn hunderte Kinder auf den Rängen sitzen. Die Verbrecher können da nur drei Sätzen sagen, denn die Kinder sind damit beschäftigt ‚Vorsicht Pippi, Hinter dir’ und ‚Neben dir’ zu rufen. Aber da merkt man, wie man das junge Publikum mitnehmen und innerlich berühren kann.

Was hat Pippi, das sie anderen Kindern mit auf den Weg geben kann?

Pippi ist tolerant, sie bewertet andere nicht. Sie selber zieht sich an, wie sie will. Urteilt aber auch nicht über andere, wie zum Beispiel über den Hut des Fräuleins Prysällius. Äußerlichkeiten sind ihr – und mir – total unwichtig. Sie spricht Sachen an, die ihr nicht gefallen. Das ist durchaus mutig von ihr.

Eine Charaktereigenschaft die Sie mit Pippi Langstrumpf teilen?

Mut und Warmherzigkeit.

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Fabian Boerger