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Norddeutschland Schleswig-Holstein plant mehr Hochwasserschutz: Helfen höhere Deiche, wenn das Polareis schmilzt?
Nachrichten Norddeutschland Schleswig-Holstein plant mehr Hochwasserschutz: Helfen höhere Deiche, wenn das Polareis schmilzt?
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19:42 10.11.2019
Der Forschungseisbrecher „Polarstern“ des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung bei einer früheren Expedition im ewigen Eis der Antarktis. Quelle: AWI/DPA
Berlin

Seit rund einem Monat driftet das deutsche Forschungsschiff „Polarstern“, eingefroren im Packeis und in der Dunkelheit der Polarnacht, über das arktische Meer und die Polkappe. So wie das 125 Jahre zuvor der legendäre norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen mit dem Segelschiff „Fram“ getan hatte. „Die Arktis ist die Schlüsselregion globaler Klimaveränderungen. Sie hat sich in den vergangenen Jahren von allen Regionen der Erde am stärksten erwärmt. Wir verstehen die Prozesse, die dazu beitragen, aber nicht besonders gut“, meinte der Leiter der Expedition „Mosaic“ im offenbar nicht mehr „ewigen Eis“, Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung.

Forscher schützen sich vor Eisbären

Das internationale Forschungsprojekt soll wichtige neue Erkenntnisse über die Physik des Meereises, die Schneeauflage, die Prozesse in der Atmosphäre und im Ozean sowie die chemischen, biologischen und physikalischen Kreisläufe und das Ökosystem liefern. Die Forscher messen in 4000 Metern Tiefe, im Eis und in 35 Kilometern Höhe in der Atmosphäre. Der Schutz vor Eisbären gehört übrigens ebenso zu den Fähigkeiten, die von den Wissenschaftler beim Arbeiten auf dem Eis verlangt werden. Während brandneue Erkenntnisse von der „Polarstern“ von der Wissenschaft dringend erwartet werden, wurde jetzt in der dicht gefüllten schleswig-holsteinischen Landesvertretung der 6. Band des Ozeanreports (World Ocean Review – WOR) vorgestellt. Die darin enthaltenen wissenschaftlichen Erkenntnisse über die für das Weltklima so wichtigen Polregionen sind aufrüttelnd.

Meersspiegel klettert doppelt so schnell

So sind die bisherigen Prognosen über den Anstieg des Meeresspiegels von etwa einem Meter bis zum Ende des Jahrhunderts möglicherweise überholt. Derzeit klettert er mit 3,6 Millimetern pro Jahr bereits doppelt so schnell wie im Schnitt des vorigen Jahrhunderts. Es könnte noch dramatischer werden. Die Arktis erwärmt sich doppelt so schnell wie die restliche Welt und zeigt mittlerweile ein völlig neues Gesicht. Allein im zurück liegenden Sommer gab es großflächige Brände in ausgetrockneten Tundrengebieten Kanadas und Sibiriens. Der mächtige Eisschild über Grünland schmolz nahezu flächendeckend an der Oberfläche. Und die Meereisdecke des Arktischen Ozeans schrumpfte auf die zweitkleinste Restfläche seit Beginn der Satellitenmessungen.

Ozean dampft Wärme aus

In der Arktis kommt die Wärme vor allem aus dem Meer. Warme Strömungen gelangten immer häufiger unter die schwimmenden Eiszungen der West- und Ostarktis und schmelzen die sogenannten Schelfeise von unten ab. „Wenn der Eisdeckel weg ist, dann dampft der arktische Ozean Wärme aus“, erklärte Ulrich Bathmann, Direktor des Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW). Bislang wirken die riesigen Schnee- und Eisflächen von Arktis und Antarktis wie gigantische Spiegel, die das einfallende Sonnenlicht zurück in den Weltraum strahlen. Diese Eis-Spiegel werden beängstigend rasch immer kleiner. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel an, schneller als bislang angenommen.

Buch zu Arktis und Antarktis

Den informative 6. Band des World Ocean Review zum Thema „Arktis und Antarktis – extrem, klimarelevant, gefährdet“ gibt die Hamburger maribus GmbH heraus (ISBN 978-3-86648-634-8). Die 20 000 Exemplare mit 332 Seiten und zahlreichen Grafiken und Fotos werden kostenlos abgegeben. Ein Team von Wissenschaftlern des Kieler Netzwerks Future Ocean, des Konsortiums Deutsche Meeresforschung und des International Ocean Institute verdeutlicht darin nicht nur die dramatische Bedrohung der sensiblen Ökosysteme im Norden und Süden des Globus, sondern veranschaulicht auch, welche maßgebliche Rolle, die sie für die Lebensfähigkeit unseres Planeten in der Zukunft spielen.

Küsten stärker bedroht

Der Kieler Umweltminister Jan Philipp Albrecht befürchtet ebenfalls einen rascheren Anstieg. Und damit sind auch die schleswig-holsteinischen Küsten stärker bedroht, als bislang gedacht. Darauf müsse bereits heute reagiert werden, sagte er. So alarmierend das Szenario sei, wäre der Norden mit seiner Küstenschutzstrategie grundsätzlich darauf vorbereitet. Allerdings werde für den Küstenschutz künftig mehr Geld und Personal benötigt. Bislang stellt das Land 77 Millionen Euro etwa für die Verstärkung, Erhöhung und Pflege von Deichen oder Sandvorspülungen bereit. Derzeit wird beim Küstenschutz mit einem „Klimazuschlag“ geplant. Das bedeutet, die Deiche werden so ausgebaut, dass Sturmflutsicherheit auch bei einem Anstieg des Meeresspiegels von bis zu zwei Metern gewährleistet werden kann. Vorsorge tut Not, denn rund ein Viertel Schleswig-Holsteins, 3900 Quadratkilometer, gehören zu den überflutungsgefährdeten Gebieten an Nord- und Ostsee sowie entlang der Elbe.

Von Reinhard Zweigler

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