Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Polizei testet Blitzer-Anhänger auf Autobahnen im Norden
Nachrichten Norddeutschland Polizei testet Blitzer-Anhänger auf Autobahnen im Norden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:57 01.02.2019
Ein mobiler Blitzer-Anhänger in der Straße Dronbreite in Lübeck. Quelle: Holger Kröger
Kiel

Bekannt sind die mobilen Geschwindigkeits-Messer, die durch Stahlplatten und Einbruch-Meldetechnik gegen Beschädigungen geschützt sind, schon aus dem städtischen Bereich. Auch in Lübeck waren sie in den vergangenen Monaten zu sehen.

„Die Erprobung dient dazu festzustellen, ob durch diese Art der Geschwindigkeitsüberwachung die Unfallbelastung auf den Autobahnen reduziert werden kann“, teilt der Pressesprecher des Landespolizeiamts, Torge Stelck, mit. Der erste sogenannte „Enforcement-Trailer“ werde für zunächst drei Monate testweise eingesetzt. Seit Freitag steht er an der A 7 bei Neumünster. Der Anhänger werde insbesondere in Baustellenbereichen und an Unfallschwerpunkten stehen. Das sind laut Polizei vor allem die A 1 rund um Lübeck sowie die A 23 und A 24 vor Hamburg.

„Nicht angepasste und überhöhte Geschwindigkeit ist eine der Hauptunfallursachen“, erklärt Stelck. Wo der Anhänger am sichersten steht, will die Polizei noch herausfinden. Der Standstreifen komme nicht in Frage. Vorstellbar seien an die Fahrbahn angrenzende Wirtschaftswege und dergleichen.

Die Bildergalerie zeigt Attacken auf Lübecker Blitzer in den letzten Monaten, chronologisch sortiert.

Trotz Test: Alle Verstöße werden geahndet

Bei Autofahrer-Organisationen im Norden stößt die neue Überwachungs-Idee auf ein positives Echo. Bei Blitzern müsse die Verkehrssicherheit im Vordergrund stehen, meint Hans Pieper vom ADAC Hansa. „Sie sollten nicht aufgestellt werden, um damit Geld zu machen.“ Wichtig sei zudem, dass bei Überschreitungen erwischte Autofahrer schnell mit einem Bescheid konfrontiert würden. „Er sollte mit Begründung innerhalb von ein bis zwei Wochen zugestellt sein.“ Werde der Blitzer vorher durch ein entsprechendes Schild angekündigt, sei der positive Einfluss auf den Verkehr am größten. Bei mobilen Blitzern dürfe der Autofahrer eine exakte Vorab-Standortinformation aber nicht erwarten.

Die Blitzer anzukündigen mache Sinn, meint auch Thomas Rackow, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Logistik Schleswig-Holstein. Auch er befürwortet die Testaktion. „Jede Maßnahme, die zur Verkehrssicherheit beiträgt, ist eine gute Maßnahme.“

Negative Auswirkungen auf das Image des Tourismuslandes durch zu viele Blitzer seien ebenfalls nicht zu erwarten, ist bei der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) zu hören. Die Landespolizei jedenfalls meint es ernst. Stelck: „Auch wenn es sich zunächst nur um einen Testbetrieb handelt, werden alle Verstöße, die das Gerät registriert, auch verfolgt.“

Unfälle: Tempo als Hauptursache

5559 registrierte Unfälle gab es Im Jahr 2017 auf den Autobahnen in Schleswig-Holstein – eine Steigerung von 13,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 1207 Menschen wurden laut Polizei verletzt und zwölf getötet. Allein auf der A 7 wurden 2017 zusammen 1814 Unfälle registriert, die Autobahn zwischen Hamburg und Flensburg weist laut Polizei auch die größte Zunahme der Unfallzahlen in den letzten Jahren auf. Viele Unfälle ereigneten sich in Baustellen, zu hohes Tempo und zu dichtes Auffahren seien die häufigsten Ursachen.

Egal ob auf dem Bobby-Car, oder im Galopp: Geht es um die richtige Geschwindigkeit, kennt die Radarfalle keine Gnade. Dabei entsteht so manche schräge Aufnahme.

Marcus Stöcklin