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Norddeutschland Ministerium will Gewehre einziehen: Polizisten wollen G3 nicht abgeben
Nachrichten Norddeutschland Ministerium will Gewehre einziehen: Polizisten wollen G3 nicht abgeben
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15:03 22.08.2019
Das G3 ist bei der Polizei beliebt, weil es sich auch dafür eignet, gefährliche Tiere zu stoppen. Quelle: Edmont Huet
Kiel

Beide großen Polizeigewerkschaften schlagen Alarm. Es gehe um Leib und Leben, wenn aggressive, verletzte Stiere oder Rinder beispielsweise auf der Autobahn umherliefen. „Für diese Fälle wurde das Gewehr G3 angeschafft“, erklärt Marco Hecht-Hinz von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Lauenburg-Stormarn. Dienstpistole oder Maschinenpistole hälfen da nicht weiter, und selbst das neue, für Zwecke der Terrorabwehr angeschaffte Sturmgewehr MCX reiche nicht. „Das Kaliber ist zu klein.“

Während das – früher auch von der Bundeswehr verwendete – G3 mit dem vergleichsweise großen Kaliber 7,62x51 aufwarte, biete das MCX lediglich das kleinere Kaliber 5,56x45. „Das ist zu wenig, um Tiere weidgerecht zu töten“, führt GdP-Landesvorsitzender Torsten Jäger aus.

„Gefahr für Einsatzkräfte und Bevölkerung“

Auch Thomas Nommensen, stellvertretender Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), ist besorgt. Immer wieder komme es zu Begegnungen mit Großwild, wie etwa Wildschweinen oder von Schlachthöfen ausgebrochenen Bullen. „Ein voreiliger Abzug der alten G3-Gewehre könnte unter Umständen zu einer Gefährdung der Einsatzkräfte und der Bevölkerung führen.“

Tatsächlich verbietet auch das Bundesjagdgesetz, auf größeres Wild als Rehe mit einem Kaliber unter 6,5 Millimeter zu schießen. Die Auftreffenergie auf 100 Meter müsse dann mindestens 2000 Joule betragen. Das MCX-Geschoss bringt indes es nur auf 1239 Joule.

Dennoch, so Wulf-Heiner Kummetz, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Lübeck und beim Landesjagdverband für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, werde das kleinere Kaliber in den meisten Fällen reichen. „Bei solchen Polizeieinsätzen wird meist aus kürzesten Entfernungen geschossen. da spielt das Kaliber keine Rolle mehr.“

Ministerium: Trainingsaufwand zu hoch

Damit aber wollen sich viele Polizisten nicht zufrieden geben. „Kürzlich mussten Kollegen in Bayern einen Stier erlegen, der zuvor zwei Landwirte tödlich verletzt hatte“, gibt Hecht-Hinz zu Bedenken.

Das Kieler Innenministerium bleibt dennoch bei seinem Entschluss. 140 G3-Gewehre seien im Landesbestand. Bis auf 20, die mit Zielfernrohren aufgerüstet würden, sollen alle eingezogen werden. Man wolle nicht vier verschiedene Waffensysteme vorhalten, sagt Ministeriumssprecher Tim Radtke. „Pflege und Training der G3-Waffen sei „mit erheblichem Aufwand verbunden“. Zudem komme es vergleichsweise selten zur Erlegung von Tieren durch Polizisten. Das Beste sei immer das Herbeiholen eines Jägers mit einem echten Jagdgewehr und entsprechender Munition.

Darauf zu warten, könne im Zweifel aber zu lange dauern, wendet Thorsten Jäger ein. Belastbare Untersuchungen, ob mit einem kleinen Kaliber wie dem des MCX ein ausgebrochener Bulle gestoppt werden könne, gebe es jedenfalls nicht, stellt Thomas Nommensen fest. „Bevor die G3 abgezogen werden, müsste dies aber nachweisbar gewährleistet sein.“

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