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Norddeutschland Chef belohnt umweltbewusstes Handeln
Nachrichten Norddeutschland Chef belohnt umweltbewusstes Handeln
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09:15 08.04.2019
Anthony Cremer (35) will im Lübecker Erzkontor mehr für die Umwelt tun. Er selbst kommt mit dem Rad zur Arbeit. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

„Mir ist wichtig, dass wir uns umweltfreundlicher verhalten“, sagt Anthony Cremer in seinem Büro in der Lübecker Beckergrube. Seit drei Jahren ist der 35-Jährige Geschäftsführer der Possehl Erzkontor GmbH in Lübeck – und arbeitet mit seinen Angestellten daran, im Alltag Papier, Plastik und CO2 einzusparen und für aktiven Umweltschutz auch zu belohnen. „Wenn jeder seinen Beitrag leistet, kann es deutlich besser werden. Es geht mir um Schritte in die richtige Richtung.“

Handel mit Mineralien

Das Possehl Erzkontor hat eine lange Tradition und handelt mit Mineralien und anderen industriellen Rohstoffen, unter anderem für feuerfeste Produkte, die in der Stahlproduktion in Hochofenbetrieben gebraucht werden. „Die meisten unserer Rohstoffe stammen aus China“, sagt Cremer. Bauxit werde dort abgebaut und weiterverarbeitet, das Erzkontor transportiere und verschiffe die Produkte dann weltweit an die Kunden. Das Unternehmen stehe „historisch eher auf der Sünderseite“ , sagt er. „Aber wir wollen jetzt einen Beitrag zu mehr Umweltschutz leisten.“

Staubentwicklung eindämmen

Den größten und direktesten Beitrag leiste man dadurch, vor Ort beim Abbau der Mineralien die Umweltstandards hochzuhalten. Die Staubentwicklung einzudämmen sei dabei das wichtigste Ziel. Umweltschutz sei auch in China immer wichtiger bei der Produktion und im Handel mit Produkten. „Da sind wir sehr erfolgreich in den letzten Jahren. Unsere Partner sind führend im Vergleich zur chinesischen Konkurrenz“, sagt Anthony Cremer. Er stammt aus der Hamburger Unternehmerfamilie Cremer, hat in Australien studiert und danach bei Hamburg-Süd gearbeitet hat, bevor er zum Erzkontor kam.

Bahn statt Taxi

180 Mitarbeiter hat das Erzkontor, das noch den Namen Possehl trägt, aber seit 2014 zur Hamburger Peter Cremer Holding gehört. 70 Mitarbeiter sitzen in der Zentrale in der Lübecker Beckergrube, von hier aus koordinieren sie die weltweiten Handelsströme. Hier will Anthony Cremer an mehreren Stellen ansetzen. In erster Linie gehe es darum, bei Reisen umweltfreundlicher zu werden. Wer mit der Bahn statt dem Sammeltaxi zum Flughafen fährt, der bekommt 50 Prozent des gesparten Betrages mit der nächsten Gehaltsabrechnung gutgeschrieben, erklärt der Geschäftsführer. Durch eine Umstellung der Prozesse habe man erreicht, mit extrem weniger Papier auszukommen, auch Plastik werde überall dort eingespart, wo es möglich sei. Ende vergangenen Jahres habe er angefangen, seine Ideen bei seinen Mitarbeitern publik zu machen.

Unternehmen mit langer Tradition

Das Possehl Erzkontor wurde 1915 in Lübeck gegründet. Ursprünglich lag der Geschäftszweck im Handel mit schwedischen Eisenerzen. Seit den 1960er Jahren rückten Mangan- und Chromerze zunehmend in den Fokus. In den Folgejahren wurden Sortimente und Geschäftsfelder immer wieder erweitert, neue Handelsbeziehungen geknüpft und bestehende Verbindungen ausgebaut. Das Unternehmen expandierte auch international. Heute umfasst das Handelsspektrum der Erzkontor Gruppe fast alle irdischen und künstlichen Industrie-Rohstoffe. Beliefert werden traditionelle wie aufstrebende Absatzmärkte rund um den Globus. Branchenschwerpunkte bilden unter anderem die Feuerfestindustrie, die metallurgische und die chemische Industrie. Seit 2014 ist die Possehl Erzkontor GmbH ein Unternehmen der Peter Cremer Holding GmbH & Co. KG. Das weltweit organisierte Traditionshaus mit Hauptsitz in Hamburg ist spezialisiert auf den internationalen Handel mit landwirtschaftlichen und industriellen Rohstoffen sowie auf deren Weiterverarbeitung und Veredlung. Zudem ist Cremer in der Produktion und Distribution oleochemischer Grundstoffe aktiv.

Spenden für Baumprojekte

Das Erzkontor spende für Baumprojekte, auch die Nutzung des Browsers „Ecosia“, einer ökologisch inspirierten Suchmaschine, diene der Aufforstung von Wäldern. Zwei Auszubildende werden zu „Energiescouts“ ausgebildet und können ihre Erkenntnisse und ihr Wissen anschließend in den Firmenalltag einspeisen. Cremer leistet auch bei seinen Mitarbeitern auch Überzeugungsarbeit für alternative Energien. „Ich habe meine Stromanbieter gewechselt, bekomme jetzt Strom von einem Kuhstalldach“, erzählt Personalleiterin Tanja Dräger.

Mit dem Rad zur Arbeit

Anthony Cremer geht mit gutem Beispiel voran. Er wohnt in Hamburg-Winterhude, fährt von dort jeden Tag mit seinem Klappfahrrad zum Bahnhof und mit dem Zug nach Lübeck, wo er die kurze Strecke vom Hauptbahnhof in die Beckergrube zurücklegt. Als vor kurzem die „Schüler bei den „Fridays for Future“ durch die Beckergrube zogen und für mehr Klimaschutz demonstrierten, habe er sich dem Zug spontan angeschlossen. „Es war ein gutes Gefühl, Teil der Bewegung zu sein.“ Als großes, alteingesessenes Unternehmen sollte man mehr für saubere Luft tun, ist er überzeugt. Und noch ein anderer Grund treibt ihn an. „Im Oktober bin ich Vater geworden, da fängt man an, anders nachzudenken“, sagt Cremer. Für seinen Sohn wünscht er sich, dass er in einer intakten Natur mit einer Vielfalt an Tieren und Pflanzen leben kann – so wie er es selbst als Kind auch erlebt habe.

Christian Risch

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