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Norddeutschland Private Gleisanschlüsse: Förderprogramm floppt in Schleswig-Holstein
Nachrichten Norddeutschland Private Gleisanschlüsse: Förderprogramm floppt in Schleswig-Holstein
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11:42 29.04.2019
Von der Straße auf die Schiene: 31 000 Lkw-Fahrten will der Bund je eine Million Euro Fördermittel einsparen. Die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) hat zwar einen Gleisanschluss, der gehört allerdings der Stadt. Quelle: Olaf Malzahn
Lübeck/Berlin

Drei der Anträge aus dem Norden wurden bewilligt. Der Bund stellte dafür 2,3 Millionen Euro zur Verfügung. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor.

Zum Vergleich: Bundesweit bearbeitete das Bundesverkehrsministerium seit dem Start im Jahr 2004 insgesamt 264 Anträge und bewilligte 171 davon. Die meisten Zusagen bekam Bayern (33) vor Niedersachsen (26) und Nordrhein-Westfalen (23). 130,7 Millionen Euro wurden insgesamt bislang verteilt.

Enttäuscht von der Bahn

Dass das Interesse aus Schleswig-Holstein an dem Projekt so gering ist, überrascht Michael Thomas Fröhlich, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände in Hamburg und Schleswig-Holstein (UV Nord), nicht: „Die Deutsche Bahn hat den Norden genau wie im Personenverkehr auch im Güterverkehr in Sachen Service, Freundlichkeit und Pünktlichkeit bislang nicht verwöhnt.“ Er wisse von einige Unternehmen, die überlegt hätten, einen Antrag auf Gleisanbindung zu stellen – sich dann aber doch umentschieden hätten.

Auf dem Abstellgleis

Im Jahr 1994, das Jahr der Bahnreform, gab es noch 11 742 private Gleisanschlüsse in Deutschland. 2018 waren es nach Angaben der DB Netzt AG nur noch 2351. Hintergrund: In vielen Fällen sollten durch die Stilllegung die Kosten für den Betrieb der zugehörigen Weichen eingespart werden.

Die Bahn hat in den vergangenen Jahren auch etliche ihrer Güterbahnhöfe stillgelegt. Hintergrund waren Milliardenverluste in Folge des kriselnden Güterverkehrs. Vor allem kleine Bahnhöfe waren für die Bahn nicht rentabel genug.

Wirtschaftlich noch nicht attraktiv

Hinzu komme, dass der Transport über die Straße trotz Maut und zahlreicher Staus in den meisten Fällen immer noch günstiger für die meisten Firmen sei, als wenn sie die Schiene nutzen würden. „Das liegt auch am Preiskampf in der Logistikbranche“, sagt Fröhlich. Außerdem sei das Förderprogramm des Bundes nicht sonderlich bekannt.

„Wir würden uns dabei wünschen, wenn mehr Ladung auf der Schiene transportiert werden würde“, betont der UV-Nord-Hauptgeschäftsführer. „Dass wird aber nur passieren, wenn die Bahn schnellstmöglich in Infrastruktur und Personal investiert und so verloren gegangenes Vertrauen der Wirtschaft wieder zurückgewinnt.“

Bundesregierung hält an Programm fest

Die Bundesregierung bewertet den Erfolg des Förderprogramms in Bezug auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen als „angemessen“. Sie sieht die finanzielle Förderung privater Gleisanschlüsse als Anschubfinanzierung, um privaten Unternehmen die Entscheidung über eine Verlagerung ihres Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene zu erleichtern.

Allerdings: Im Rahmen der in diesem Jahr anstehenden Evaluierung der Förderrichtlinie lässt der Bund prüfen, ob und inwieweit der Kreis der möglichen Zuwendungsempfänger auch erweitert werden kann. Dann könnten eventuell auch Städte oder Kreise die Fördermittel beantragen. Das konkrete Ziel bleibt: Mit durchschnittlich einer Million Euro Fördermittel sollen 31 000 Lkw-Fahrten vermieden werden.

Das ist in Schleswig-Holstein geplant

Schienenanbindung für Unternehmen, das beschäftigt aktuell auch ganz konkret die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schleswig-Holstein. „Es hilft unseren Unternehmen, wenn sie Transportalternativen haben“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Rüdiger Schacht.

Das ehe geringe Interesse an dem Förderprogramm führt er auch darauf zurück, dass der Norden eher klein- und mittelständisch orientiert ist – und dennoch sollen in naher Zukunft einige Schienen-Projekte starten. So baut die Firma ATR Landhandel in Ratzeburg zurzeit ein eigenes Gleis, in Blumdorf bei Bad Oldesloe sollen Gleise reaktiviert werden und auch die Stadt Wahlstedt will ihr Gewerbegebiet wieder über die Schiene anbinden lassen.

Und in Neumünster baut die Norddeutsche Eisenbahngesellschaft Niebüll GmbH (NEG) ein großes Kombiverkehrs-Terminal, wo Lkw-Container aus dem ganzen Norden auf Züge gehoben werden können und von dort aus gen Süd transportiert werden – am 2. Mai ist Grundsteinlegung.

Jan Wulf

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