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Norddeutschland Problemwolf „GW924m“ hat in Ostholstein zwei Schafe gerissen
Nachrichten Norddeutschland Problemwolf „GW924m“ hat in Ostholstein zwei Schafe gerissen
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17:43 13.11.2019
Problemwolf „GW924m“, aufgenommen von einer Wildkamera in Moordiek am 26.11.2018. Quelle: Wolfsmanagement SH
Lübeck/Kiel

Es war am 21. Oktober, als ein Tierhalter in Schwochel bei Ahrensbök (Kreis Ostholstein) zwei tote Schafe auf der Weide fand. Offensichtlich von einem Wolf gerissen. Die Kadaver wurden untersucht. Jetzt steht das Ergebnis fest: Es war Problemwolf „GW924m“, der schon seit Jahresbeginn im Auftrag des Kieler Umweltministeriums gejagt wird.

„Ja, das ist inzwischen amtlich“, bestätigt am Mittwoch Ministeriumssprecher Joschka Touré. Auf die Ausnahmegenehmigung für den Abschuss des Wolfes, dessen Kerngebiet an sich das Grenzgebiet der Kreise Pinneberg, Steinburg und Segeberg ist, habe das aber keinen Einfluss. „Der Wolf ist schon einige Male in verschiedene Richtungen ausgewichen. Wir gehen davon aus, dass er wieder zurückkommt. Das war bisher immer so.“

Laut Landes-Wolfsbetreuer Jens Matzen wird derzeit überprüft, ob GW924m auch für weitere Risse in Mecklenburg-Vorpommern verantwortlich ist. „Das Rissbild könnte passen“, so Matzen. Offenbar geht es um Risse bei Güstrow. Jagden, Pilzsammler und abgeerntete Felder könnten GW924m zu seiner Wanderschaft gen Osten veranlasst haben, mutmaßt Matzen. Auch er geht jedoch davon aus, dass das Tier in sein Kerngebiet zurückkehren wird.

Wolf-Video kursiert im Internet

Unterdessen kursiert im Internet ein Video, dass den Wolf unterwegs auf einem Acker in Ostholstein zeigt – aufgenommen offenbar aus einem Traktor heraus. Landwirte in der Region sind besorgt. „Man kann sich Gedanken und Sorgen machen“, sagt Thorsten Heide vom Arche-Hof Steindamm in Ahrensbök. Zumal der Problemwolf selbst angeblich wolfssichere Zäune überwinde.Trotzdem: „Fast jedes Jahr haben wir zwei tote Tiere. Einmal ist sogar ein Wasserbüffel gebissen worden – wir wissen nicht, ob es ein Wolf war oder ein Hund.“

Das Kieler Umweltministerium hatte die Jagdgenehmigung für den Problemwolf, die sich ursprünglich auf eine „Task-Force“ aus besonders geschulten Jägern beschränkte, Ende Oktober ausgeweitet. Jäger, die in Revieren im Kerngebiet des Problemwolfes ohnehin jagen, dürfen nun ebenfalls auf ihn schießen. Die Jäger müssten keine Sorge haben, den falschen Wolf zu schießen, so Touré. „GW924m ist der einzige Wolf, der dort nachgewiesen ist.“ Trotzdem bestehen seitens der dortigen Kreisjägerschaften Bedenken: Sie raten den Jägern vom Abschuss ab. Das Thema sei emotional zu stark besetzt, viele haben Angst vor militanten Tierschützern.

Jäger in Ostholstein wollen beteiligt werden

„Eine problematische Situation“, urteilt Jürgen Schlüter von der Kreisjägerschaft Eutin, in deren Bereich die neuen Risse liegen. Seine persönliche Meinung sei, dass die Jäger in Ostholstein nun auch zur Wolfsjagd berechtigt sein müssten: „Wenn er in Nutztierbestände einfällt, muss er entnommen werden. Dann sollte das auch den Jägern in unserer Region möglich sein.“

Der Landesjagdverband fordere nach wie vor die Einbeziehung aller örtlichen Jagdscheininhaber im Kerngebiet des Problemwolfs, bekräftigte Geschäftsführer Marcus Börner. Außerdem müsse für diese Rechtssicherheit und Anonymität gewährleistet sein.

„Wenn die Jagd bisher erfolglos war, dann also vielleicht deshalb, weil der Wolf gar nicht da war“, folgert Hans-Heinrich von Maydell vom Landesbauernverband aus den jüngsten Wanderbewegungen. Tatsächlich müsse darüber nachgedacht werden, weitere Jäger auch in Ostholstein einzubeziehen, falls GW924m wiederholt dort zuschlagen sollte. „Die Unzufriedenheit der Schafhalter in der Region wächst“, meint von Maydell.

Insgesamt steigt die Wolfspopulation im Nordosten. Die Raubtiere haben 2019 in zehn Monaten schon mehr Nutztiere gerissen als im gesamten Vorjahr.

Für das Kieler Ministerium ist indes nur wichtig, dass im Kern-Streifgebiet von „GW924m“ kein zweiter Wolf nachgewiesen wird. „Dann würde die Ausnahmegenehmigung sofort widerrufen“, sagt Touré.

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Von Marcus Stöcklin

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