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Norddeutschland Problemwolf: Tierrechtler drohen Land mit Anzeige
Nachrichten Norddeutschland Problemwolf: Tierrechtler drohen Land mit Anzeige
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21:08 25.09.2019
Schleswig-Holstein hat den Problemwolf GW924m zum Abschuss freigegeben. Tierschutzrechtler haben Bedenken. Hier ein Tier im Wildpark Eekholt. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Lübeck/Kiel

Die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrechte (DjGT) hat sich die Liste der Tierrisse im Land angesehen. Daraus geht hervor, dass der Problemwolf mit der Kennung GW924m zuletzt am 8. Mai in Ellerhoop (Kreis Pinneberg) Nutztiere hinter einem vermeintlich wolfssicheren Zaun erlegt hat.

„Auf dieser Basis ist die Ausnahmegenehmigung zum Abschuss nicht länger zu rechtfertigen. Sie muss widerrufen werden“, sagt Rechtsanwältin Christina Patt von der DjGT. Denn die zu Jahresbeginn erstellte Schadensprognose, dass der Wolf weiterhin in geschützte Schafherden eindringen werde, habe sich nicht bestätigt.

Mehr Recht für Tiere

Die Deutsche Juristische Gesellschaft für Tierschutzrecht (DjGT) ist eine Vereinigung, deren Mitglieder – vor allem Juristen – sich mit dem deutschen, europäischen und internationalen Tierschutzrecht befassen. Ziel ist die Förderung des Tierschutzes. Auf der Homepage des Vereins heißt es: Die Aufnahme des Tierschutzes als Staatsziel in das Grundgesetz im Jahr 2002 hat den Tierschutz zum verfassungsrechtlich geschützten Rechtsgut erhoben.

Die Ausnahmegenehmigung sei nur möglich, wenn etwa erheblicher landwirtschaftlicher Schaden drohe. „Aber daran scheitert es aus unserer Sicht schon“, erklärt Patt. In einem Schreiben an Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) kündigt der bundesweit tätige Verein mit Sitz in Berlin an, Strafanzeige zu erstatten – sollte der Wolf GW924m erschossen werden.

Ausnahmen nur im Einzelfall

Das Bundesnaturschutzgesetz verbietet es, wildlebende Tiere einer besonders geschützten Art, zu der auch der Wolf gehört, zu töten. Allerdings können im Einzelfall Ausnahmen zugelassen werden – beispielsweise zur Abwendung „erheblicher landwirtschaftlicher Schäden“. Zuvor müssten aber „zumutbare Alternativen“ wie etwa Vergrämung oder höhere Zäune geprüft werden. Auch dürfe sich der Erhaltungszustand der Population nicht verschlechtern.

Ministerium will Kurs nicht ändern

Im Ministerium in Kiel sieht man indes keinen Anlass, die Abschussgenehmigung zurückzuziehen. „Unsere Beurteilungsgrundlage hat sich nicht geändert“, betont Sprecher Joschka Touré. Nach seinen Angaben hat der Wolf GW924m, der sich seit Monaten in den Kreisen Pinneberg und Steinburg aufhält, inzwischen in 14 Fällen hinter Herdenschutzzäunen Schafe gerissen. Insgesamt sei er für 56 Übergriffe verantwortlich. Dabei seien 90 Tiere getötet worden.

„Dieser Wolf hat sich ein Verhalten zu eigen gemacht, das ihn befähigt, in bestimmten Situationen wolfsabweisende Zäune zu überwinden, um die hinter diesen Zäunen gehaltenen Nutztiere zu erbeuten.“ Auch wenn es zuletzt keine Nutztierrisse hinter Zäunen gegeben hat, so geht man im Ministerium davon aus, dass die von dem Wolf ausgehende Gefährdung der Weidetierhaltung in der betroffenen Region weiterhin und dauerhaft bestehen wird. Es sei sehr unwahrscheinlich, dass ein einmal in dieser Form erworbenes Verhalten wieder gänzlich aus dem Verhaltensrepertoire verschwindet, sagt Touré.

150 Jäger dürfen bald auf den Wolf schießen

Nachdem die Jagd auf den Wolfsrüden seit einem halben Jahr erfolglos blieb, sollen nun mehr Jäger eingesetzt werden. Vermutlich ab Mitte Oktober dürfen Jäger, deren Revier im Streifgebiet des Wolfes liegt, auf das Tier schießen. „Damit sind mehr als 150 Jäger ermächtigt“, sagt Touré. Die Erlaubnis gilt aber erst mit der Veröffentlichung im Amtsblatt, zunächst müssen noch die Ergebnisse der Anhörung der Naturschutzverbände ausgewertet werden.

Erneuter Schafsriss bei Kellinghusen

„Wir halten es nach wie vor für sinnvoll, den Wolf GW924m zu schießen“, erklärt Ingo Ludwichowski, Landesgeschäftsführer des Naturschutzbundes. Der Sprung über den Zaun sei ein Verhalten, dass das Tier nicht aufgeben werde. „Es besteht die Gefahr, dass andere Wölfe und vor allem auch Jungtiere vom Rüden lernen, Schutzzäune zu überspringen. Dann wird das Problem noch viel größer.“ Westlich des Segeberger Forstes ist schon seit einiger Zeit eine Wolfsfähe unterwegs, die bald geschlechtsreif sein könnte. Bisher erbeutet sie ausschließlich Wildtiere wie beispielsweise Rehe.

Erst zu Beginn dieser Woche war in Auufer nahe Kellinghusen (Kreis Steinburg) wieder ein Schaf innerhalb eines 1,20 Meter hohen Schutzzaunes gerissen worden. Das Ergebnis der DNA-Untersuchung steht noch aus.

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