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Norddeutschland Psychologin: „Ich hatte ein anderes Bild von Detlef H.“
Nachrichten Norddeutschland Psychologin: „Ich hatte ein anderes Bild von Detlef H.“
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20:26 21.06.2019
Zweiter Tag des Prozesses gegen Detlef H., den Ex-Außenstellenleiter des Weißen Rings in Lübeck. H. passiert am Morgen die Sicherheitskontrollen. Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Dora M. beschuldigt den 74-jährigen H., während eines Beratungsgesprächs am 12. April 2016 plötzlich sein Glied vor ihr entblößt zu haben. Sie sollte ihm dafür ihre Brüste und ihre Scham zeigen. Detlef H. bestreitet die Vorwürfe. Die 41-Jährige hatte kurz zuvor, im fünften Monat schwanger, beim Weißen Ring Hilfe gesucht. Ihr Mann habe sie geschlagen und verlassen und das Geld mitgenommen. Ihre Wohnung habe der Vermieter gekündigt.

H. hatte ihr schon beim Treffen zuvor einen „Beratungs-Scheck“ gegeben. Am 28. April habe sie Dora M. dann zum ersten Mal getroffen, berichtet die Psychotherapeutin dem Gericht. Man habe über den Wohnungswechsel gesprochen und Möglichkeiten, finanzielle Hilfe zu bekommen, sagt die 56-Jährige. Weitere Treffen folgten. Bei einem der Treffen „Ende Mai oder Anfang Juni“ in einer Lübecker Bäckerei sei es dann aus Dora M. herausgeplatzt. Da habe sie ihr erzählt, was im Büro von H. geschehen sei. Ganz schockiert sei Dora M. gewesen. Und ganz ängstlich.

Psychologin kannte ihn als zupackenden Helfer

Sie selber sei vor allem sprachlos gewesen, sagt die Psychotherapeutin. Da sei ihr ein Bild von Detlef H. dargestellt worden, das so gar nicht zu ihrem bisherigen passen wollte: H., der zupackende Helfer, mit dem sie schon viele Projekte gestemmt hatte. Dora M. habe gefragt, ob sie ihr nun helfen könne. Eine Anzeige bei der Polizei? Sie habe ihr schließlich geraten, sich zunächst an den Frauennotruf zu wenden, der könne sie dabei unterstützen, sagt die 56-Jährige. Sie selber habe versucht, diese Information über Detlef H. irgendwie ganz sachlich aufzunehmen, obwohl es in ihr gebrodelt habe.

Allerdings: Als die Psychotherapeutin nach dem letzten vom Beratungsscheck gedeckten Treffen am 16. Juni ihren Bericht an die Bundeszentrale des Weißen Rings formuliert und nach Mainz schickt, erwähnt sie die Vorwürfe von Dora M. gegen Detlef H. mit keinem Wort. Dabei habe sie „den Leidensdruck“ gemerkt, der wegen der Sache auf Dora M. lastete. Mit ihr habe es dann aber nur noch gelegentlichen WhatsApp-Kontakt und im September oder Oktober ein Treffen wegen eines Miet-Streits gegeben. „Dann ebbte der Kontakt ab.“

„Die Spatzen pfeifen es vom Dach“

Ende November oder Anfang Dezember 2016 sei dann ein Bekannter zum Adventskaffee vorbeigekommen. Ein „Rathaus-Mitarbeiter“, sagt die Psychotherapeutin. Und der habe ihr erzählt, dass es dort „die Spatzen vom Dach pfeifen“ würden, „dass Herr H. übergriffig ist“ und seine Position beim Weißen Ring ausnutzen würde. Da habe sich ihre selektive Wahrnehmung geändert: „Da ist was dran, nicht nur ein bisschen“, habe sie sofort gedacht. Erst als sie ein Jahr später, Ende November 2017, erfahren habe, dass H. als Außenstellenleiter des Weißen Rings gehen muss, habe sie aber Dora M. in der Sache wieder kontaktiert. Doch die habe das schon gewusst.

Mittlerweile wurde bekannt, dass es beim Weißen Ring, beim Frauennotruf und auch bei der Polizei über Jahre hinweg immer wieder Hinweise von Frauen auf übergriffiges Verhalten von Detlef H. gegeben hatte. Ohne echte Konsequenzen. Erst Anfang 2018 erstatteten zwei Frauen tatsächlich Anzeige, darunter Dora M. Nach Berichten von „Spiegel“ und „Lübecker Nachrichten“ darüber lagen der Staatsanwaltschaft binnen weniger Wochen 29 Vorgänge vor. Es wurden 20 Ermittlungsverfahren eingeleitet. 16 wurden eingestellt, teilweise auch wegen Verjährung, heißt es von der Staatsanwaltschaft. Die Vorwürfe von Dora M. sind die einzigen, die vor Gericht kamen.

Wolfram Hammer

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