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Norddeutschland Quarantäne – was bedeutet das für mich?
Nachrichten Norddeutschland Quarantäne – was bedeutet das für mich?
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17:47 02.03.2020
Händewaschen mit Seife beugt einer Infektion vor. Quelle: Inga Kjer/dpa-tmn
Lübeck

Wer kommt in Quarantäne und wie lange?

Personen, bei denen im Labor eine Infektion mit dem Corona-Virus nachgewiesen wurden und Personen, die Kontakt zu ihnen hatten. Zwischen Ansteckung und Auftreten von Krankheitszeichen liegen 14 Tage, informiert Marius Livschütz vom Kieler Gesundheitsministerium.

Warum komme ich in Quarantäne?

Um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, ist es notwendig, den Gesundheitszustand während der 14 Tage in häuslicher Quarantäne zu beobachten. Livschütz: „In dieser Zeit ist das Gesundheitsamt mit den Betroffenen täglich in Kontakt, um den Gesundheitszustand zu beobachten und rasch zu handeln, falls Krankheitszeichen auftreten sollten.“

Wer stellt mich unter Quarantäne?

Anordnung und Organisation einer Quarantäne erfolgen nach dem Infektionsschutzgesetz durch die örtlich zuständigen Landesgesundheitsbehörden. Das sind in Schleswig-Holstein die Kreis-Gesundheitsämter und die Gesundheitsämter der kreisfreien Städte gegebenenfalls nach Rücksprache oder Meldung durch den Hausarzt.

Werden auch Familienangehörige unter Quarantäne gestellt?

Ja. „Wichtig ist, dass die Regeln, vor allem die Isolierung, auch eingehalten werden“, teilt Nicole Dorel, Sprecherin der Stadt Lübeck und deren Gesundheitsamtes, mit. „Dies gilt sowohl für die Kontaktpersonen als auch für die Haushaltsmitglieder. Das heißt: Alle Personen eines Haushalts (gleiche Wohnung, gleiches Haus) sollten sich getrennt voneinander aufhalten.“ Das Gesundheitsamt gibt dazu praktische Tipps zur Umsetzung. Beispielsweise: Essen zu unterschiedlichen Zeiten, getrennte Schlafräume, möglichst ein eigenes Bad. Falls man sich begegnet sollte man im Haus zwei Meter Abstand voneinander halten, Hygieneregeln beachten (Händewaschen, Hustenetikette) und keine Haushaltsgegenstände, Geschirr und Wäsche miteinander teilen, ohne dass diese gewaschen sind.

Darf ich während der Quarantäne Besuch empfangen?

Die Kontakte der Betroffenen werden auf ein Minimum reduziert, erläutert Robert Tschuschke vom Kreis Segeberg. Damit das Virus im Zweifelsfall nicht weiterverbreitet werden kann.

Wer versorgt mich?

Angehörige können die Kontaktperson im Alltag zum Bespiel durch Einkäufe unterstützen, sagt Livschütz. Enger Körperkontakt sollte dabei vermieden werden.

Was ist mit Haustieren?

Bisher ist nur eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung nachgewiesen, so dass Hunde und Katzen sich weiterhin draußen aufhalten können, erklärt Nicole Dorel. „Für Hunde ist dann ein ,Gassi-Service’ durch Freunde oder eine Agentur zu organisieren.“ Die Übergabe solle dann ohne persönlichen Kontakt von Mensch zu Mensch stattfinden.

Darf ich mich selbst oder meine Kinder unter Quarantäne stellen?

„Bei Krankheit ist es immer ratsam, eher zu Hause zu bleiben statt zur Arbeit oder in die Schule zu gehen“, sagt Marius Livschütz. Von Quarantäne spreche man dann aber nicht. Falls das Kind wegen Schließung der Kita oder aus anderen Gründen zu Hause bleiben muss, ist ein Elternteil jedoch verpflichtet, sich um das Kind zu kümmern, bis eine andere Betreuungsmöglichkeit gefunden ist.

Darf ich aus Angst vor Ansteckung einfach zu Hause bleiben?

Nein, das geht nur, wenn tatsächlich Arbeitsunfähigkeit vorliegt.

Kann mein Arbeitgeber mir verbieten zur Arbeit zu erscheinen und mich im Home Office arbeiten lassen?

Grundsätzlich gilt, dass der Arbeitgeber allein wegen seiner Fürsorgepflicht gegenüber der Arbeitnehmer diese im Krankheitsfall nach Hause schicken sollte, weiß Livschütz. Arbeitnehmer sollten, wie bei allen Krankheiten bei Symptomen verantwortungsvoll reagieren und telefonisch Rat beim Hausarzt suchen. Hier gehe es nicht nur um Selbstschutz, sondern auch um den Schutz der Kolleginnen und Kollegen vor möglicher Ansteckung.

Wird mein Gehalt in der Quarantäne weitergezahlt?

Laut Alexander Zollondz von der Gewerkschaft IG-Metall Küste haben Beschäftigte keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber. Dies gilt nur bei Arbeitsunfähigkeit. Die Betroffenen haben aber einen Anspruch auf Entschädigung gegen die Behörde, die die Quarantäne angeordnet hat. Um Verzögerungen zu vermeiden, ist der Arbeitgeber verpflichtet, in Vorleistung zu gehen.

Weitere Informationen zur häuslichen Isolation und dem Umgang mit Kontaktpersonen sind auf den Seiten des Robert-Koch-Instituts zu finden (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Kontaktperson/Management.html#doc13516162bodyText3).

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