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Norddeutschland Mit dem Rad von Neustadt nach Oldenburg
Nachrichten Norddeutschland Mit dem Rad von Neustadt nach Oldenburg
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12:03 02.08.2019
In einem kleinen Waldstück versteckt liegt das Highlight des Mönchswegs – das Kloster Cismar. Eine Pause im idyllischen Klostergarten lohnt sich allemal. Quelle: Fabian Boerger
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Neustadt i.H./Oldenburg i.H.

Diese Fahrradtour führt durch das Herz Ostholsteins. Von Neustadt bis nach Oldenburg in Holstein führt eine der letzten Etappen des Mönchsweg: ein Radfernweg quer durch Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Er folgt den Spuren Mönche, die das Christentum in den Norden brachten. Kein Wunder, dass die Radstrecke an Jahrhunderte alten, aus Feld- und Backstein errichteten Kirchen vorbeiführt, deren Türme bis heute die norddeutsche Landschaft prägen.

Der Mönchsweg: Die Etappe durch Ostholstein Quelle: Jochen Wenzel

Die rund 42 Kilometer lange Strecke nach Oldenburg startet am Neustädter Bahnhof. Von dort erblickt man den Turm der kleinen Hospitalkapelle, die in unmittelbarer Nähe zum Neustädter Hafen liegt. Die 1408 errichtete Backsteinkapelle bot den entkräfteten Pilgern, die von Lübeck auf dem Weg zum Kloster Cismar waren, ein Dach über dem Kopf. In Form eines „L“ wurden 1853 Wohnungen um das historische Gebäude errichtet. Eine der Unterkünfte, die dem Hafen am nächsten liegt, kann noch heute besichtigt werden.

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Von Neustadt entlang eines Sees nach Altenkrempe

Von der Hafenstadt geht es am Neustädter Binnenwasser entlang in Richtung Altenkrempe. Der nordwestliche Teil des 162 Hektar großen Sees und das angrenzende Salzgrünland stehen seit 1984 unter Naturschutz. Es umfasst eine der größten Salzgrünlandkomplexe der schleswig-holsteinischen Ostseeküste und ist bei zahlreichen Vogelarten ein beliebtes Brut-, Rast-, und Nahrungsgebiet.

Ein Radfernweg quer durch Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein – Eine der letzten Etappen des Mönchsweg führt von Neustadt nach Oldenburg quer durch Ostholstein.

Schon vom Ufer des Sees ist die nicht weit entfernte Basilika in Altenkrempe zu sehen. Im Inneren der spätromanischen, dreischiffigen Backsteinkirche finden sich viele unterschiedliche Baustile und Details wieder. Das liegt unter anderem an der langen Bauzeit des Gebäudes.

Grömitz: Schon im 19. Jahrhundert tummeln sich hier Badegäste

Auf einem kleinen Pfad geht es an ihr vorbei durch Felder und Dörfer, über Stock und Stein, in Richtung Grömitz. In den traditionsreichen Badeort wollen auch Julian Keil und Ole Pfannenschmidt. Schwer bepackt mit Zelt, Rucksack und Planen nutzen die beiden 16-Jährigen die Sommerferien, um mit ihrem Fahrrad aus ihrer Heimat Braunschweig bis nach Fehmarn zu fahren – und wieder zurück. Sie schätzen die Vielfalt der Ostholsteiner Landschaft. Doch haben die schönen Aussichten auch einen Haken. „Es ist deutlich hügeliger, als wir das erwartet haben“, sagt Pfannenschmidt.

Angekommen in Grömitz geht es direkt an den Strand. Schon im frühen 19. Jahrhundert tummelten sich dort im Sommer zahlreiche Badegäste. Bei sommerlichen Temperaturen lohnt es sich, das Fahrrad gegen Badesachen zu tauschen und in die kühlen Fluten zu springen. Radelnde Landratten, die das Wasser scheuen, können mit einer Tauchgondel am Ende der Seebrücke in einem 45-minütigen Tauchgang die Unterwasserwelt der Ostsee aber auch trockenen Fußes erleben.

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Das Highlight der Tour: Kloster Cismar

Hinter Grömitz verlässt der Radweg die Küstenlinie. In Lenste, der nächsten Ortschaft, geht es nach rechts auf einen landwirtschaftlich genutzten Feldweg. Immer kleiner wird die sonst so breite Schotterpiste, bis kurz vor Cismar lediglich ein kleiner Pfad mit sandigem Untergrund übrig bleibt. Dieser führt zu dem Highlight der Tour – dem Kloster Cismar. Versteckt in einem Waldstück ist das Kloster-Areal idyllisch von einem Graben umgeben. Im Innenhof seht eine mächtige, über die Jahrhunderte gewachsene Kastanie. Stockrosen wachsen an den historischen Mauern.

Die erhabene Backstein-Kirche war der Mittelpunkt der einst zweitgrößten Klosteranlage in Schleswig-Holstein. Hierhin wurden im Jahre 1245 Lübecker Mönche des Benediktinerordens verbannt, da es in der Hansestadt zu Auseinandersetzungen über Zucht und Moral gekommen war. Achtmal am Tag riefen die Glocken der 60 Meter langen und 15 Meter breiten Kirche zur Messe und dem Stundengebet. Noch heute steht in der einen Hälfte des Kirchenschiffs einer der ältesten Flügelaltare. Die westliche Hälfte des Kirchenschiffs wurde 1767 bis 1769 umgebaut – dort entstanden auf mehreren Etagen Amtswohnungen der damaligen Verwaltung.

Ein hilfreicher Begleiter

Für die gesamte Strecke des Mönchswegs gibt es eine gleichnamige App. Sie ist der ideale Reisebegleiter: Mit der Anwendung sind alle Infos rund um die Tour stets zur Hand. Video- und Audiomaterial machen den Weg für Besucher auch online erlebbar.

Die App ist kostenlos und kann im App-Store oder Googleplay-Store runtergeladen werden. Die Funktionen der App können Sie auch über den Browser, unter www.moenchsweg.de abrufen. Über diese Internetseite kommen sie auch direkt zur App im Store.

Weitere Radtouren gibt es online auf unserer Themenseite.

Südlich des Kirchentrakts befindet sich das Brunnenhaus, in dessen Keller Besucher das Gewölbe und den alten Quell-Brunnen besichtigen können. Und noch heute strömt der Duft nach Essen durch das alte Mauerwerk. Selbstgebackener Kuchen, frisch zubereitete Suppen, Eintöpfe und Flammkuchen locken hungrige Radfahrer und Urlauber in das Klostercafé von Grit Reibe.„Wir werden oft auf das historische Gebäude angesprochen oder nach dem Alter der Kastanie gefragt. Für die Besucher sind wir nicht nur Café sondern auch ein Auskunftsbüro“, sagt Griebe.

Der Oldenburger Bruch ist ein wertvolles Ökotop

Über Cismarfelde, Gosdorf und Riepsdorf fährt man weiter entlang einer Landstraße oder auf geschotterten Feldwegen. Nördlich der Ortschaft Koslau biegt man ein in das Naturschutzgebiet Oldenburger Bruch. Die Niedermoorlandschaft ist ein wertvolles Ökotop und der Lebensraum zahlreicher bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Auch neugierige Kühe grasen auf den saftigen Wiesen entlang des Naturschutzgebietes.

Durch diesen Naturerlebnisraum führt der Radweg etwa fünf weitere Kilometer, bis man das Ortseingangsschild Oldenburg erreicht. Von dort sind es wenige Minuten zum Bahnhof – das Ziel der Mönchswegetappe. Von hier fährt die Regionalbahn in regelmäßigen Abständen zurück in die Hansestadt. Der eigentliche Mönchsweg geht aber weiter und führt über Heiligenhafen bis nach Puttgarden, quer über die Insel Fehmarn.

Fabian Boerger

01.08.2019
01.08.2019