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Norddeutschland Rätselhafte Hundekrankheit: Fall in Schleswig-Holstein
Nachrichten Norddeutschland Rätselhafte Hundekrankheit: Fall in Schleswig-Holstein
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17:05 12.09.2019
Ein Wissenschaftler untersucht Gewebeproben eines an der noch unbekannten Krankheit verstorbenen Hundes. In Norwegen sind bislang mehr als 25 Hunde an den Folgen einer mysteriösen Darminfektion gestorben. Quelle: NTB SCANPIX/DPA
Lübeck/Bad Oldesloe

Bei dem Tier aus Bad Oldesloe fand das untersuchende Labor laut der behandelnden Tierarztpraxis unter anderem Providencia alcalifaciens – jene Bakteriengattung, die möglicherweise Erbrechen und blutigen Durchfall bei mehreren Hunden in Skandinavien ausgelöst hat. Dort leiden zurzeit geschätzt rund 200 Tiere unter einer mysteriösen Krankheit, mehr als 25 Hunde sind nach jüngsten Angaben an der Infektion bereits gestorben.

Kein Kontakt nach Norwegen

Laut der Bad Oldesloer Praxis seien in den vergangenen Tagen dort vermehrt Tiere mit ähnlichen Symptomen behandelt worden. Nur bei dem verstorbenen Hund, der auch noch unter einer Darmverdrehung litt, sei allerdings Providencia alcalifaciens vom Labor bestätigt worden. Die Besitzerin des gestorbenen Hundes gab in einem öffentlichen Facebook-Post an, dass sie weder Urlaub in Norwegen gemacht noch direkten Besuch aus der Region gehabt habe.

Veterinäramt: Keine meldepflichtige Tierkrankheit

Das Veterinäramt Stormarn wurde von der Tierarztpraxis nach deren Angaben über den Fall informiert. Amtstierarzt Dr. Karlheinz Reisewitz verwies auf LN-Anfrage darauf, dass das Amt für anzeigepflichtige Tierseuchen und meldepflichtigen Tierkrankheiten zuständig sei. Beides sei hier nicht der Fall. Aus Datenschutzgründen wollte er sich zu dem Fall nicht weiter äußern.

Veterinäre rätseln

Für Veterinäre ist die Infektion der Tiere unterdessen noch ein Rätsel. Die Experten in Norwegen wissen nicht, wodurch sie ausgelöst wird und ob sie ansteckend ist. Sie arbeiten mit Hochdruck daran, dem Erreger der Krankheit auf die Spur zu kommen. Das könnten Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten und Algen sein – oder die Folgen von Regen, Temperatur oder schlechter Wasserqualität. Auch frühere Fälle im In- und Ausland würden untersucht. Erste Obduktionen weisen darauf hin, dass alle Hunde eine kräftige, blutige Darmentzündung hatten. Zwei Bakterien wurden bei einigen von ihnen bislang nachgewiesen: Providencia alcalifaciens und Clostridium perfringens. Besonders perfide: Innerhalb von 24 Stunden kann ein gesundes Tier plötzlich tot sein. Doch nicht alle sterben daran. Die meisten, so versicherte Asle Haukaas vom Veterinärinstitut in Oslo, könnten bei rechtzeitiger Behandlung wieder auf die Beine kommen.

Umweltministerium beobachtet Lage

Das schleswig-holsteinische Umweltministerium beobachtet nach eigenen Angaben die Situation in Norwegen genau. Aktuell sei in Schleswig-Holstein aber kein vergleichbares Geschehen feststellbar. „Grundsätzlich sollten erkrankte Tiere einem Tierarzt vorgestellt werden“, betont Sprecher Joschka Touré, der darauf hinweist, dass es sich bei Providencia alcalifaciens um ein weit verbreitetes Bakterium handelt, welches auch in der Umwelt vorkommt und ursächlich an Durchfallerkrankungen beteiligt sein kann.

Fall ist „nicht normal“

„Bakterienerkrankungen spielen bei Hunden normalerweise aber nicht so die große Rolle“, meint die deutsche Tierärztin Johanna Rieder von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover. Zwar seien Durchfallerkrankungen bei diesen Tieren relativ häufig. Doch dass so viele Hunde in einer Region so schnell sterben wie jetzt in Norwegen, sei nicht normal.

Tierhalter verunsichert

Weil viele Hundehalter in Stormarn verunsichert sind, hat eine Tierarztpraxis in Bad Oldesloe die Vorsichtsmaßnahmen, die die norwegischen Behörden nun empfehlen, auch auf ihrer Internetseite veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem, dass die Tiere beim Spazierengehen angeleint werden sollen, enger Kontakt mit anderen Hunden gemieden werden soll und dass bei dem Auftritt von ähnlichen Symptomen der Tierarzt zunächst angerufen werden soll, bevor das Tier in die Praxis oder Klinik gebracht wird.

Von Jan Wulf

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