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Norddeutschland Ralf Stegner gibt Macht ab – ein bisschen
Nachrichten Norddeutschland Ralf Stegner gibt Macht ab – ein bisschen
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17:53 30.03.2019
Ralf Stegner bekam minutenlangen Applaus – und wischte sich eine Träne beiseite. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Norderstedt

Nach zwölf Jahren hatte sich Stegner durchgerungen, nicht mehr für den Landesvorsitz zu kandidieren. Innerparteilich gab es in der Nord-SPD zuletzt ein wachsendes Bedürfnis nach der personellen Erneuerung, auch wenn offene Kritik an Stegner selten war. Die Wahlniederlagen – bei der Landtagswahl im Mai 2017, bei der Bundestagswahl im Oktober 2017 und bei der Kommunalwahl im Mai 2018 – schmerzten die Genossen.

„Ich weiß sehr wohl, manche von euch haben mir persönlich ein große Verantwortung gerade für die Niederlagen zugeschrieben“, sagte Stegner vor den mehr als 200 Delegierten in Neumünster. „Ich habe mich nie vor Verantwortung gedrückt – und das schließt Erfolge wie Misserfolge ein.“

Das gehöre zum Amt des Landesvorsitzenden dazu: „Wenn es gut läuft, waren es wir alle, wenn es schlecht läuft, war es der Vorsitzende.“ Je drei Kommunal-, Landtags- und Bundestagswahlen und drei Europawahlkämpfe fielen in Stegners Zeit. Es gab Niederlagen, aber auch den Erfolg der SPD-geführten Küstenkoalition von SPD, Grünen und dem SSW 2012.

Stegner sieht sich als einen programmatischen Erneuerer

In seiner Leistungsbilanz zeichnete Stegner von sich selbst das Bild eines linken programmatischen Erneuerers, eines Verfechters von mehr innerparteilicher Mitbestimmung – und das eines verantwortungsvollen „Zuchtmeisters“ in der Tradition des legendären SPD-Bundestagsfraktionschefs Herbert Wehner.

„Ich wollte führen und habe geführt“, sagte Stegner. Er habe mit Herzblut und Leidenschaft Parteiarbeit gemacht. „Mir gefällt der Herber Wehner zugesprochene Ausspruch, der bei seinem Abschied zu seinen Gegnern im Bundestag gesagt haben soll: ,Verzeiht mir meine Leidenschaft, ich hätte euch die eure auch gern verziehen’.“

Schock nach gescheiterter Simonis-Wahl

Nach dem Schock der gescheiterten Wiederwahl von Ministerpräsidentin Heide Simonis im Jahr 2005 – mutmaßlich durch eine fehlende Stimme aus den eigenen Reihen – habe er die Partei zusammenhalten müssen in der ungeliebten Großen Koalition mit der CDU unter Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Und dafür habe er auch seinen persönlichen Preis gezahlt, „was die öffentliche Kritik an meinem ausgeprägten Konfliktstil betraf“. Stegner trat als Innenminister zurück.

Jetzt richtet Stegner den Blick nach vorn. Er will als Oppositionsführer mit die Grundlagen dafür legen, dass die SPD bei den Landtagswahlen 2022 wieder aussichtsreich um Platz eins und um die Regierungsverantwortung kämpfen kann. In seiner Rede bot er eine „Tour d’Horizon“ zu wichtigen Politikfeldern.

Für den Ruhestand mit 59 Jahren zu jung

Als SPD-Bundesvize will Stegner die SPD „deutlich stärker als linke Volkspartei profilieren“ und sich dafür einsetzen, dass die SPD aus den schlechten Umfragewerten herauskommt. Für den Ruhestand sei er mit 59 Jahren „ein ganzes Stück zu jung. Und glaubt mir, da ist auch noch genug Feuer da.“

Die ebenfalls aus dem Amt geschiedene stellvertretende Landesvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn verteidigte Stegner gegen manche Vorurteile: Ihm werde oft Unnahbarkeit und eine gewisse Grimmigkeit unterstellt – „sobald er irgendwo zu Gast war und redete, hingen ihm die Zuhörer an den Lippen. Vor allem die sozialdemokratische Seele sprach er mit den richtigen Themen, mit den großen Linien und mit viel Überzeugungskraft an“. Und Hagedorn äußerte ihre Bewunderung für Stegners Qualitäten als „Stehaufmännchen“.

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Matthias Hoenig