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Norddeutschland Rauchen auf Spielplätzen, Ballons am Himmel: Wie viele Verbote brauchen wir?
Nachrichten Norddeutschland Rauchen auf Spielplätzen, Ballons am Himmel: Wie viele Verbote brauchen wir?
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17:55 13.09.2019
LN-Redakteurin Christina Schönfeld. Quelle: Grit Petersen
Lübeck

Mit Ideen und Initiativen zu neuen Verboten ist das ja immer so eine Sache. Vor allem, wenn sie (liebgewonnene) Gewohnheiten und Selbstverständlichkeiten unseres bisherigen Lebens betreffen. Manchmal führen sie gar zu Aufruhr, Widerstand, wenigstens aber zu ausgiebigem Kopfschütteln, gern über „die Leute da oben“. Wie in dieser Woche im Norden.

Luftballon-Verbot? Empörung im Netz

Die Grünen in Niedersachsen wünschen sich nämlich, dass mit Gas gefüllte Luftballons auf Hochzeiten und Co. künftig nicht mehr in den Himmel geschickt werden dürfen. Denn am Ende der schönen Reise Richtung Horizont landen die luftleeren Reste in der Natur und werden im schlimmsten Fall von Vögeln und Tieren gefressen. „Bald wird uns noch verboten zu atmen! Willkommen in der modernen Diktatur“, empörten sich sogleich viele im Netz. Und sogar die Politik stimmte mit ein: Ein Ballonverbot rette die Welt bestimmt nicht, meinte zum Beispiel Niedersachsens SPD-Umweltminister Olaf Lies. Und CDU und FDP im Land warfen den Grünen Spielverderberei und Bevormundung der Bürger vor.

Längst überfällig: Rauchverbot auf Spielplätzen

Begeisterte Reaktionen hatte einen Tag zuvor hingegen die Ankündigung des schleswig-holsteinischen Landtags ausgelöst, ein Rauchverbot auf allen Kinderspielplätzen im Land auf den Weg bringen zu wollen. Die Kommentatoren in den sozialen Netzwerken überschlugen sich. „Ist ja wohl längst überfällig! Dass es so etwas überhaupt noch nicht gibt!“ Ungläubiges Raunen und kollektives Kopfschütteln ging durch den virtuellen Raum. Und unglaublich und absurd ist es ja irgendwie auch, dass man auf Kinderspielplätzen rauchen darf.

Aber Moment mal! Wie war das noch gleich im Jahr 2007? Kurz vor der Einführung erster Rauchverbote in Gaststätten und öffentlichen Einrichtungen? Empörte Raucher redeten sich die Köpfe heiß, dass es nur so qualmte, Gastwirte befürchteten leere Tische, es war das reine Grauen, die Apokalypse stand kurz bevor. Und jetzt? Die Menschen freuen sich über rauchfreie Gasträume, Passivrauchen ist – jedenfalls was den Aufenthalt im öffentlichen Raum betrifft – ein vom Aussterben bedrohtes Wort.

Rauchen vor Kindern – heute fühlt sich das falsch an

Die wichtigste Erkenntnis dabei: Die Verschärfung des Nichtrauchergesetzes hat auch unser Bewusstsein geschärft. Für viele, die trotz allem noch rauchen, endet es nicht an der Stelle, an der der Qualm aus den eigenen Lungen drängt. Für viele, die sich damals noch in ihren Rechten als freier Mensch beschnitten fühlten, die sich bedroht fühlten von „militanten Nichtrauchern“, fühlt es sich plötzlich völlig falsch an, in der Gegenwart von Kindern oder in einer sonst qualmfreien Runde zu rauchen. Es ist ein neues Gewissen entstanden. Ein riesiger Erfolg. Für alle.

Warum nicht mal hinter den eigenen Horizont blicken?

Und so ist es wohl mit vielen dieser Initiativen: Auch wenn sie am Ende nicht zu einem Verbot führen, so lenken sie unseren Blick doch auf ein Thema und im besten Fall noch ein Stückchen weiter. Plötzlich sehen wir die Dinge, wie wir sie so noch gar nicht betrachtet haben. Beim früher so selbstverständlichen Griff zur Plastiktüte zucken wir jetzt zusammen, und beim Betrachten eines Feuerwerks mischt sich zwischen die Ahs und Ohs auch mal ein Hm. Das rettet natürlich nicht die Welt, aber es ist ein Schritt nach vorn. Und wenn wir das nächste Mal am Himmel einem bunten Schwarm Luftballons hinterherschauen, wagen wir vielleicht einen Blick über unseren Horizont hinaus.

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