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06:00 10.06.2019
Gärtnermeisterin Sabine Watzinger (39) zeigt auf dem Vorwerker Friedhof in Lübeck Raupen des Buchsbaumzünslers. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

Friedhofs-Gärtnerin Sabine Watzinger (39) ist geschockt. Schon wieder hat der Buchsbaumzünsler zugeschlagen. „Das ist die neue Gefahr, die dem Buchsbaum droht.“ In der Hand hält sie Reste eines Gespinstes, in dem kleine madenartige Raupen wimmeln. Die Schädlinge stammen aus einem Buchsbaum auf dem Vorwerker Friedhof in Lübeck, wo viele Gräber mit den beliebten Heckenpflanzen eingefasst sind.

Bereits im vorigen Jahr gab es die ersten befallenen Buchsbäume. „Wir mussten viele Altbestände entfernen, weil die Buchsbäume zuvor schon durch Pilzbefall geschädigt waren“, erklärt die Gärtnermeisterin. Ihr Betrieb, die Gärtnerei Hinze, betreue allein am Vorwerker Friedhof in Lübeck 1600 Gräber. „Neue Buchsbäume pflanzen wir nur noch auf ausdrücklichen Kundenwunsch. Aber wir weisen darauf hin, dass es Probleme geben kann.“

Die Raupen des Buchsbaumzünslers fressen die dichten Gehölze von innen kahl. Von außen entdeckt man sie oft erst, wenn die Blätter sich braun färben und die Büsche abzusterben beginnen.

Raupen Absammeln reicht nicht immer

Um den Zünsler zu bekämpfen, reiche auf Privatgrundstücken bei wenigen Pflanzen oft schon das Absammeln der Raupen und Zerstören der Gespinste. „Sie dürfen aber nicht auf den Kompost gebracht werden. Am besten, man packt sie in eine Plastiktüte und entsorgt sie im Hausmüll.“ Von Tipps wie dem Abspritzen der Hecke mit dem Hochdruckreiniger oder dem Absaugen der Raupen mit einem Staubsauger hält Watzinger nichts.

Die Raupe eines Buchsbaumzünslers (Cydalima perspectalis) kriecht durch einen Buchsbaum. Quelle: Peter Kneffel/dpa

Hecken-Schäden geht leicht in die Tausende

Vom Buchsbaumzünsler und den Folgen kann auch Anke Cosmus (58) von der Alten Gutsgärtnerei Sierhagen (Ostholstein) ein Lied singen. „Ich verkaufe keine Buchsbäume mehr“, sagt sie. Der Schädlinge – auch der Pilze – wegen mache dies keinen Sinn mehr, befallene Pflanzen seien „hochansteckend“, ein Risiko, das die Gärtnerin nicht eingehen will.

Aus Asien importiert

Der Buchsbaumzünsler (Cydalima perspectalis) wurde vermutlich mit Pflanzenimporten aus Asien nach Europa gebracht. Erstmals trat er vor einigen Jahren in Süddeutschland auf, von dort hat er sich nach Norden ausgebreitet.

Die Raupen sind grün mit schwarzen Streifen und Punkten, fünf bis sechs Zentimeter groß. Der Kopf ist schwarz. Die nachtaktive Motte (Flügelspannweite von 4,5 Zentimeter, weiße oder bräunlich gefärbte Flügel) legt im April ihre Eier auf den Unterseiten der Blätter ab. Vier bis fünf Wochen später schlüpft dann der Falter, der neue Eier legt. Die zweite Eiablage erfolgt meist im Juli.

Der Buchsbaum-Pilz (Cylindrocladium buxicola) breitet sich seit 2004 in Deutschland aus. Er befällt nur Buchsbaumgewächse. Die Krankheit ist auch unter dem Begriff Buchsbaum-Triebsterben bekannt. Bei hoher Luftfeuchtigkeit bildet sich an der Unterseite der Blätter ein weißer Belag. Über Wasserspritzer verteilen sich die Sporen des Pilzes auf weitere Teile der Pflanze.

Auf ihrem 1,5 Hektar großen Gelände hat sie jedoch auch einen idyllischen Gartenweg, der – eingerahmt von zwei alten Buchsbaumhecken und mit einem Buchsbaum-Rondell in der Mitte – hinaus zu den Feldern führt. „Hier hatte ich voriges Jahr den Zünsler massiv drin“, erklärt sie. Braune Blätter und Löcher im sonst dichten Buschwerk künden vom Werk des Zünslers. Mit beiden Händen zieht sie die Büsche auseinander – innen ist alles kahl gefressen. „In diesem Jahr sind wir bis jetzt verschont geblieben“, wundert sich Cosmus. „Vielleicht war es zu kalt und zu trocken.“

Schädlinge lieben feucht-warmes Klima

Beide Schädlinge, sowohl der Pilz als auch der Zünsler, gedeihen am besten in einem feucht-warmen Klima. Unternommen habe sie gegen die Gespinste und die Raupen nichts. Der Aufwand an beiden Seiten des mindestens 100 Meter langen Weges wäre zu groß gewesen. Und Insektizide mochte sie nicht verwenden. „Ich habe darauf gesetzt, dass die Büsche sich von selbst wieder erholen.“ Bis jetzt scheint ihre Rechnung aufzugehen. Würde die Hecke eingehen, wäre das auch materiell ein großer Schaden – Cosmus schätzt ihn auf bis zu 5000 Euro. Denn Buchsbäume sind teuer, sie wachsen langsam.

Auch in Klein- und Privatgärten kommt es immer wieder zu Schäden durch den Buchsbaumzünsler. „Im letzten Jahr ist der Schädling wohl im Kreise Pinneberg erstmalig in Schleswig-Holstein festgestellt worden und hier ist er als Passagier aus Süddeutschland mit einer Lieferung Buchsbäume eingeschleppt worden“, weiß Thomas Kleinworth vom Landesverband der Gartenfreunde. Berichte über Schäden habe er von den Mitgliedern bislang aber nicht erhalten.

Marcus Stöcklin

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