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Norddeutschland Raupenplage: Bund will Gifteinsatz genehmigen
Nachrichten Norddeutschland Raupenplage: Bund will Gifteinsatz genehmigen
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22:00 09.04.2013
Von Jörn Kießler
Ein Hinweisschild warnt im Kreis Lüneburg Spaziergänger vor der Allergiegefahr durch den Eichenprozessionsspinner. Seit zwei Jahren gibt es die gefährlichen Larven des Nachtfalters auch im Norden.
Ein Hinweisschild warnt im Kreis Lüneburg Spaziergänger vor der Allergiegefahr durch den Eichenprozessionsspinner. Seit zwei Jahren gibt es die gefährlichen Larven des Nachtfalters auch im Norden. Quelle: dpa
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Kiel

Das Mittel, das bisher nur im Agrarbereich eingesetzt werden darf, soll auch als Biozid zugelassen werden. Das heißt, dass es beispielsweise auch auf Schulgeländen oder in Parks versprüht werden darf, um Menschen vor der Larve zu schützen.

„Wir haben einen Zulassungsantrag vorliegen“, sagt Markus Schulte, Sprecher der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA), die für die Zulassung von Bioziden verantwortlich ist. „Wir wissen auch, dass das Zeitfenster für den Einsatz des Mittels begrenzt ist, und arbeiten so schnell wir können.“ Jedoch müsse die Prüfung der Wirkstoffe von „Dipel ES“ mit Sorgfalt geschehen, um mögliche Beeinträchtigungen von Tier und Mensch ausschließen zu können. Die Rechtsgrundlage, um den Schädling aus der Luft und vom Boden aus zu bekämpfen, wurde schon im Februar geschaffen. Damals verständigten sich mehrere Bundesbehörden mit den betroffenen Ländern und Kommunen.

Die Gefahr, die von der etwa fünf Zentimeter langen Raupe ausgeht, ist schon länger bekannt. Die Haare des Eichenprozessionsspinners können Allergien sowie starken Juckreiz auslösen. Werden die Härchen, deren Widerhaken das Nesselgift Thaumetopoein enthalten, eingeatmet, können sie zu Atemwegsreizungen oder sogar Bronchitis führen. Eine besondere Gefahr stellen sie für Menschen dar, die unter Asthma leiden.

Seit zwei Jahren gibt es die gefährlichen Larven des Nachtfalters auch im Norden. Nachdem 2011 nach Angaben des Umweltministeriums in Kiel nur einige Bäume befallen waren, kehrten die Tiere vergangenes Jahr in größerer Anzahl zurück. „Eine weitere Ausbreitung kann nicht ausgeschlossen werden“, sagt Mareike Rehse, Sprecherin des Umweltministeriums.

Auch Jens-Birger Bosse von der Abteilung für Waldschutz bei den Landesforsten Schleswig-Holstein begrüßt die geplante Zulassung des Insektengifts. „So kann das Ministerium in Schleswig-Holstein im Notfall entscheiden und wir haben die Erlaubnis, das Mittel zeitnah zu versprühen“, sagt Bosse.

„Wir sind dagegen, dass das Insektizid im Wald eingesetzt wird“, sagt jedoch Birte Pankau, Diplom-Biologin beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Schleswig-Holstein. Dort gebe es die Möglichkeit, Wege zu sperren oder mit einer Art Sauger die gefährlichen Raupen von den Bäumen zu holen und unschädlich zu machen. Schließlich bekämpfe das Insektizid nicht nur die Larven des Eichenprozessionsspinners, sondern schade auch anderen Raupen und Vögeln, so Pankau.

Jörn Kießler