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Norddeutschland Verband Deutscher Reeder: Fähren klimafreundlicher als ein Tunnel
Nachrichten Norddeutschland Verband Deutscher Reeder: Fähren klimafreundlicher als ein Tunnel
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11:40 07.10.2019
Die Scandlines-Fähre „Schleswig-Holstein“ ist eine Hybrid-Fähre. Die Reederei arbeitet am emissionsfreien Schiff. Quelle: Rehder/dpa
Lübeck

„Wir haben ein sehr gut funktionierendes Fährsystem. 50 Lkw auf der Fähre sind für die Umwelt erheblich besser als 50 Lkw im Tunnel“, sagt Ralf Nagel, geschäftsführendes Präsidiumsmitglied im Verband Deutscher Reeder (VDR). Die Fährreederei Scandlines plane zudem diverse Maßnahmen, um Emissionen zu reduzieren, unter anderem einen vollständigen Batteriebetrieb. Die Lastwagen auf Fähren zu bringen, sei im Übrigen auch eine gute Chance, die vorgeschriebenen Ruhezeiten einzuhalten.

Gegen „einseitige Subventionierung“

„Gemeinsam mit den Unternehmen schauen wir genau hin, dass die Fehmarnbeltquerung so finanziert wird, dass kein Wettbewerbsnachteil für die Fährreedereien entsteht“, erklärt der VDR-Chef. Fährunternehmen haben bei der EU erwirkt, dass ein förmliches Prüfverfahren eröffnet wird, damit Stellung zu dem jetzt aufgehobenen Finanzierungsmodell genommen werden kann.

Nagel: „Das unterstützen wir. Wir sagen nicht, dass wir auf keinen Fall den Tunnel wollen. Aber man darf den Fährlinien nicht durch einseitige staatliche Subventionierung das Geschäft kaputtmachen. Es geht hier um Fairness und Transparenz.“

Ralf Nagel, Geschäftsführendes Präsidiumsmitglied im Verband Deutscher Reeder (VDR). Quelle: Wolfgang Maxwitat

Nabu für saubere Fähren

Auch Daniel Rieger, Verkehrsexperte des Naturschutzbundes (Nabu), hält Fähren für besser als den Tunnel. „Der Verkehr kann wunderbar auch mit einer Fährverbindung abgewickelt werden, ohne Milliarden zu verbuddeln“, sagt er. Scandlines setze schon Hybrid-Schiffe ein und habe als Ziel die Null-Emissions-Fähre ausgegeben, erklärt der Nabu-Experte.

Er kenne das Projekt schon sehr lange, erklärt VDR-Chef Nagel, noch aus seiner Zeit im Bundesverkehrsministerium. „Für uns in Deutschland hat es nicht dieselbe Priorität wie für Dänemark. Dort ist das ein ganz wichtiges strategisches Projekt, hinter dem das ganze Land steht.“ Sollte es zum Tunnelbau kommen, werde das auf jeden Fall negative Auswirkungen auf das Umschlagsvolumen der Häfen und auf den Fährverkehr haben.

Auslagerung richtig

Eines der Hauptprobleme der deutschen Reeder sei das der finanzierenden Banken, sagt VDR-Chef Ralf Nagel. Im Zuge der Schifffahrtskrise seien die Schiffswerte in den Keller gegangen. Der Wert eines Schiffes jedoch sei die Absicherung des Kredits für dieses Schiff. „Stehen Wert und Kredit nicht mehr in einem balancierten Verhältnis, bekommen die Banken Probleme in ihrer Bilanz. Hamburg und Schleswig-Holstein haben einen Teil der Schiffskredite der HSH Nordbank in die HSH Portfolio Management ausgelagert. Das halten wir für einen klugen und richtigen Weg, das läuft auch gut“, sagt Nagel.

310 Schiffe unter deutscher Flagge

508 Schiffe unter deutscher Flagge gab es nach Angaben des Verbandes Deutscher Reeder noch vor einigen Jahren, aktuell sind es 310. Der Anteil der Schiffe unter deutscher oder anderer europäischer Flagge habe aber auf 46 Prozent gesteigert werden können.

Die Bedrohung durch Piraterie sei nach wie vor erheblich. „Der Hotspot ist nicht mehr Ostafrika, da ist durch die Sicherungsmaßnahmen weitestgehend Ruhe eingekehrt. Unser Problem liegt jetzt stärker vor Westafrika, speziell Nigeria“, sagt VDR-Chef Ralf Nagel. Die Staaten ließen dort nicht zu, dass bewaffnete Kräfte zur Sicherung an Bord von Handelsschiffen gehen. „Uns fehlt dort ein Lagebild, die Versicherungsprämien sind entsprechend kräftig gestiegen.“

Die Sicherheit der Schiffe in der Straße von Hormus könnte nur gemeinsam mit den Anrainerstaaten geregelt werden. „Wir hoffen, dass die iranische Initiative, die Anrainerstaaten zusammenzuholen, auch fruchtet. Ich halte das für den richtigen Weg“, sagt Nagel. Seeleute und Schiffe in politische Geiselhaft zu nehmen, sei völlig inakzeptabel.

Die NordLB habe das bisher nicht getan, da werde mit aller Konsequenz versucht, Schiffspakete zu verkaufen, egal zu welchem Preis. „Dadurch werden leider erhebliche Verluste realisiert und der Schifffahrtsstandort wird zudem massiv beschädigt.“ Auf den nominalen Kreditwert würden Abschläge von 40 bis 50 Prozent gewährt, das sei am Ende Steuergeld. „Wir sind schon überrascht, wie das neben Hamburg für die Schifffahrt wichtigste Bundesland Niedersachsen sich nicht in der Lage sieht, aus dem Schnellverwertungsdruck zumindest teilweise auszusteigen.“

Zuversicht trotz Problemen

Man brauche in der Schifffahrt heute andere Geldgeber, das versuche der VDR der Politik deutlich zu machen. Das Geschäft habe sich fundamental geändert. Die deutsche Handelsschifffahrt kämpfe dafür, weiter von hier aus Schifffahrt global organisieren zu können und erfolgreich zu sein. „Insgesamt sind wir trotz aller Probleme zuversichtlich. Wir haben in Deutschland jahrhundertelange Erfahrungen. Qualität ist eine unserer Stärken. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können wir es schaffen“, erklärt Nagel.

Nur auf Schiffe, die im deutschen Register eingetragen sind, habe die Bundesregierung Zugriff, wenn in einem Krisenfall die Versorgung des Landes zu regeln sei. „Wenn wir das alles weggeben, geben wir unsere Eigenständigkeit auf. Wir wollen aber nicht abhängig sein“, erklärt Nagel.

Hohe Steuerlast

Gemeinsam mit der Politik sei es den Reedern gelungen, ausreichend qualifiziertes Personal zu halten. Obwohl die deutsche Handelsflotte 1800 Schiffe aus dem Register verloren habe, habe man die Zahl der Seeleute fast konstant halten können, weil die Lohnnebenkosten wie auch in anderen europäischen Staaten teilweise von der öffentlichen Hand getragen würden. Wer nicht ausbildet, zahlt einen Ablösebetrag, der in die Stiftung Schifffahrtsstandort Deutschland fließt.

„Beim Thema Versicherungsteuer passiert leider nichts. Nicht nur, dass wir generell eine höhere Steuerlast als andere Standorte zu stemmen haben – in Deutschland soll jetzt nach Auffassung der Finanzverwaltung von Schiffsmanagern 19 Prozent Versicherungsteuer fällig werden, auch wenn die Seeschiffe nicht in deutschen Registern eingetragen sind.“ Das klinge nach einem Detailproblem. Aber es treffe einen wichtigen Nerv der deutschen Schifffahrt, die vermehrt Schiffe anderer managt, und macht ihr erneut das Leben schwer. Nagel: „Die internationale Konkurrenz kennt solche Regeln nicht.“

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