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Norddeutschland Rekord: Dieser Winter ist der Düsterste
Nachrichten Norddeutschland Rekord: Dieser Winter ist der Düsterste
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02:27 27.02.2013
Trotz des Namens: In Dunkelsdorf ist es nicht dunkler als im Rest Deutschlands. Außerdem hätten die Anwohner ein besonders sonniges Gemüt, sagt Ulrike Schmadtke. Quelle: Fotos: Olaf Malzahn

Dunkelsdorf— Um 7 Uhr und 13 Minuten hätte die Sonne hinter dem dichten Wald des da noch verschlafenen Örtchens Dunkelsdorf (Kreis Ostholstein) aufgehen sollen. Felder und Wiesen hätte sie in sanftes goldenes Licht getaucht, Sonnenstrahlen hätten sich im Schwinkenrader Mühlenbach gespiegelt. Aber auch gestern gab es keine einzige Sonnenstunde. Dunkel blieb‘s in Dunkelsdorf. Eine dicke graue Wolkenschicht verdeckte die Sicht auf die lang ersehnte Sonne. „Seit Oktober ist es schon so grau“, klagt die Dunkelsdorferin Ursula Schwartz. Doch nicht nur in dem kleinen Dorf mit dem passenden Namen in der Nähe von Ahrensbök wird sie vermisst. Ganz Deutschland fragt sich in diesen Tagen: Wo ist sie? Die Sonne?

„Dieser Winter ist der dunkelste seit Beginn der ersten Messungen im Jahr 1951“, bestätigt Meteorologe Thomas Deutschländer vom Deutschen Wetterdienst. Der meteorologische Winter dauere vom 1.

Dezember bis 1. März. Hochrechnungen zufolge erwarte man für diese Saison einen Mittelwert der Sonnenstunden in Deutschland von etwa 95 Stunden. „Normalerweise liegt dieser Mittelwert aber bei 160 Stunden und für Schleswig-Holstein bei 140 Stunden. Folglich haben wir diesen Winter nur 60 Prozent der normalen Sonnenstundenzahl erreicht“, erklärt er.

In Dunkelsdorf nimmt man das „Schietwetter“ mit Humor. „Für uns ist es immer sonnig. Wir haben ein sonniges Gemüt“, sagt Ulrike Schmadtke lachend. Trotzdem sehnt die stellvertretende Dorfvorsteherin den Frühling herbei: „Im Dezember wird es den ganzen Tag nicht richtig hell, und jetzt zieht sich der Winter so lange hin. Ich kenne die Sonne gar nicht mehr.“

„Dieses Gefühl ist nicht nur subjektiv“, meint Meteorologe Deutschländer. „Im Kreis Ostholstein haben die Klimastationen in diesem Winter nur etwa 80 bis 90 Sonnenstunden gemessen.“ Angesichts dieses andauernden trüb- grauen Winters mit seinen unliebsamen Folgen — seien es die Grippewelle oder kalte Füße — resigniert so mancher. Das ertrage doch kein Mensch.

Doch. Die Dunkelsdofer trotzen Wind und Wetter. Obgleich die nasskalten Temperaturen nur kurz über null Grad liegen und ein strammer Wind über die Wiesen und Felder des Dorfes fegt, treibt es die Bewohner an die frische Luft.

„Ich nehme das Wetter so, wie es kommt. Daraus muss man das Beste machen“, sagt Ernst Schulze gelassen. Der 88-Jährige macht jeden Tag einen Spaziergang. Schlechtes Wetter gebe es nicht, nur falsche Kleidung.

„Komm, Anka“, ruft Karin Kohlcheen ihre Hündin. Die 55-Jährige spaziert ebenfalls durch das Dorf. „Mit ihr muss ich bei Wind und Wetter raus. Hellere Tage wären da toll“, sagt sie. Auch Anke Schramm und ihre Freundinnen vertreiben sich die Zeit. „Wir turnen und knobeln “, erzählt die 60-Jährige. An diesem Nachmittag geht es gut gelaunt zum Kaffee trinken.„Gemeinsam aktiv sein“ sei ihr Geheimrezept in der dunklen Jahreszeit.

Ob es gerade in dem Dörfchen mit dem passenden Namen besonders dunkel sei? „Nein“, erklärt Ulrike Schmadtke. „Der Name stammt von dem Ritter Tidericus Dunker. Dunkelsdorf hieß ursprünglich Dunkerstope“. Zudem gebe es im Winter natürlich Straßenbeleuchtung. Dann sei es in Dunkelsdorf sogar bis 23 Uhr hell.

Die meiste Sonne gab‘s an der Nordsee
141 Sonnenstunden wurden in diesem Winter in St. Peter-Ording an der Nordsee gemessen. Die niedrigste Sonnenstundenzahl in diesem Winter in Schleswig-Holstein wurde von der Messstation in Dörnick nahe Plön registriert. Dort schien die Sonne nur 69 Stunden. Die restlichen Stationen des Deutschen Wetterdienstes in Schleswig-Holstein meldeten Zahlen unter 80 Prozent der normalen Sonnenstundenzahl. Fünf Stationen, dazu zählt auch die in Lübeck, haben damit Rekord-Tiefstwerte erreicht. Der normale Mittelwert für Schleswig- Holstein liegt bei 140 Sonnenstunden im meteorologischen Winter von Anfang Dezember bis Anfang März.

25 Klimastationen des Deutschen Wetterdienstes befinden sich in Schleswig-Holstein. Seit 1951 werden dort die Wetterdaten festgehalten.

Kim Meyer