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Norddeutschland Rentner hereingelegt: Immer mehr Betrugsversuche durch falsche Polizisten
Nachrichten Norddeutschland Rentner hereingelegt: Immer mehr Betrugsversuche durch falsche Polizisten
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18:38 03.04.2019
Eindringliche Warnung: Mit Kampagnen wie dieser warnt die Polizei vor Betrügern, die sich als Ordnungshüter ausgeben. Quelle: Martin Gerten/dpa-tmn
Kiel

Die Täter fordern ihre Opfer auf, ihnen Geld und Wertgegenstände auszuhändigen, erfinden dazu Schock-Geschichten, etwa von einer akut drohenden Einbruchsgefahr.

Manche Schock-Anrufe dauern Stunden

In der Nachbarschaft habe man zwei bewaffnete Bulgaren aus einer Bande festgenommen, sagt etwa ein Täter in einem Mitschnitt der Polizei aus einer Telefonüberwachung zu einer alten Dame. Die hätten ihren Namen auf einem Zettel vermerkt und dass man bei ihr nach 24 Uhr gut einbrechen könnte. Woher die denn wohl wüssten, dass es bei ihr Münzen und Geld zu holen gebe. Sie solle doch mal nachsehen, ob noch alles da sei. Und dann käme in Kürze eine „Kollege“ und bringe die Sachen in Sicherheit. Im Display der Opfer erscheint dabei eine falsche Nummer, die einen Anruf aus demselben Ort vortäuscht. Manche Gespräche dauerten drei Stunden, heißt es. Manchmal klopften die Täter ihre Opfer über Wochen in immer neuen Telefonaten weich.

425 200 Euro Beute in nur zwei Monaten

31 Mal hatten die Täter 2019 mit dieser Masche in Schleswig-Holstein am Ende schon Erfolg, erbeuteten zusammen 425 200 Euro, berichtet Ermittler Henrik Greve vom Landeskriminalamt in Kiel. 2018 hatten die Täter 31 Mal Erfolg. Beute: über 1,5 Millionen Euro. „Perfide“ nennt der Kieler Staatsanwalt Michael Bimler diese Verbrecher. Sie griffen vor allem alte Menschen an, sogar Demente. „Und dann bringen sie sie um ihr ganzes Erspartes, um ihr finanzielles Lebenswerk.“ Das sei „eine Welle, die da gerade über Deutschland hinweg geht“.

2017 hatte es im Norden nicht einmal 650 Fälle gegeben. Die Landgerichte Lübeck und Kiel brachten kürzlich die ersten Täter hinter Gitter. In Kiel etwa kassierte ein 26-Jähriger vier Jahre und vier Monate Haft und 200 000 Euro Geldstrafe. „Wir versuchen notfalls über Jahre hinweg, so viel Geld wie möglich von ihnen zurückzuholen, um den materiellen Schaden wieder gut zu machen“, sagt Bimler.

Die Ermittlungsgruppe „Recall“ kämpft gegen die Betrüger

Solche Erfolge kommen nicht von ungefähr. Die Polizei hält in den Kripo-Dienststellen vor Ort und mit einer bis zu zehnköpfigen Ermittlungsgruppe „Recall“ im Landeskriminalamt dagegen. Auch die Staatsanwaltschaften haben spezielle Ermittler-Teams gebildet. Allein im Bezirk Kiel laufen Verfahren gegen 20 Tatverdächtige, sagt Michael Bimler. Das Problem: Die Drahtzieher sitzen in der Türkei. Sie rufen von dort als sogenannte „Keiler“ bei den alten Leuten an.

Hohe Strafen für gewerbsmäßigen Bandenbetrug

Bis zu zehn Jahre Haft drohen den Tätern, die sich fälschlicherweise als Polizisten oder Staatsanwälte ausgeben und dann vornehmlich ältere Menschen um ihr Erspartes und Wertgegenstände bringen. Die Tat wird als gewerbsmäßiger Bandenbetrug gewertet. „Auch die Abholer gelten als Mittäter“, warnt der Kieler Staatsanwalt Michael Bimler. Auch hier drohten hohe Haftstrafen und Schadensersatzforderungen. Die Masche zu behaupten, man habe ja gar nicht gewusst, was man da abholen solle, ziehe nicht.

Erst wenn die „Keiler“ ein Opfer überrumpeln konnten, kommt ein „Logistiker“ in Deutschland ins Spiel. Er hat die „Abholer“ angeworben, die er zu den Opfern dirigiert. Mehrere von ihnen konnte die Polizei schon schnappen – zum Beispiel, nachdem ein aufmerksamer Passant in Kiel gemeldet hatte, dass eine alte Dame gerade einen Briefumschlag umständlich auf einem Reifen eines geparkten Autos abgelegt und sich wieder entfernt habe. Die Täter hatten sie tatsächlich dort hin dirigiert.

Auflegen, wenn einem ein Anruf komisch vorkommt

Die Polizei kam noch rechtzeitig, um den Abholer festzunehmen. „Abholer“ und „Logistiker“ behalten ansonsten einen kleinen Teil der Beute, überweisen den Rest auf verschlungen Wegen an die Auftraggeber in der Türkei weiter. Von den türkischen Behörden würde man sich bei deren Bekämpfung noch deutlich mehr Engagement wünschen, ist bei den Kieler Ermittlern herauszuhören.

Bis es so weit ist, sollten sich alte Menschen auch selber schützen, sagen Bimler und Greve. Der wichtigste Rat: Auflegen, wenn einem ein Anruf komisch vorkommt. Danach selber die Polizei unter den bekannten Nummern anrufen. Und nachfragen, ob es einen solchen Anruf wirklich gegeben hat, sagen die Ermittler.

Wolfram Hammer

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