Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Rostock macht’s vor: Freie Fahrt für alle Schüler
Nachrichten Norddeutschland Rostock macht’s vor: Freie Fahrt für alle Schüler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:00 18.10.2018
In Schleswig-Holstein ist nicht einmal die Kostenbeteiligung an der Schulbusbeförderung einheitlich. Debattiert wird nun schon über den nächsten Schritt: Eine freie Fahrt für alle jungen Leute. Quelle: hfr
Anzeige
Lübeck/Kiel

Überall wird darüber diskutiert, wie teuer Nahverkehr sein muss – insbesondere in Lübeck mit seinen bundesweiten Spitzenpreisen. Jetzt geht die Rostocker Bürgerschaft voran. Angesichts sprudelnder Steuereinnahmen hat sie beschlossen, dass einheimische Schüler ab 2020 auch in ihrer Freizeit kostenfrei Bus und Bahn fahren dürfen. Der ostholsteinische Kreistag hatte erst jüngst beschlossen, die umstrittene Elternbeteiligung an der Schülerbeförderung ab dem nächsten Schuljahr zu streichen. Jetzt denkt die Eutiner Verwaltung sogar darüber nach, dem Rostocker Modell zu folgen.

Auf 3,3 Millionen Euro an jährlichen Einnahmen verzichten die Rostocker Stadtväter, um 20 000 Kindern und Jugendlichen ab 2020 freie Fahrt im öffentlichen Nahverkehr zu erlauben. Die Politiker versprechen sich davon, dass vor allem die Zahl der „Eltern-Taxis“ abnimmt, der private Verkehr vor den Schulen eingedämmt wird. Die Bürgerschaft versteht es als ersten Schritt, Busse und Bahnen in Rostock komplett gratis zu machen.

Anzeige

Theoretisch wäre so ein Beschluss auch in Lübeck denkbar, sagt Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). „Allerdings wäre dies eine neue freiwillige Aufgabe.“ Als Konsolidierungskommune müsste das hoch verschuldete Lübeck eine Kompensation beschließen –also woanders kürzen.

Anders in Ostholstein. Die Verwaltung soll prüfen, ob dem ersten Schritt, die Elternbeteiligung an der Schülerbeförderung zu streichen, nicht ein zweiter folgen kann: Den Busverkehr künftig für alle jungen Leute im Kreis – ob Schüler oder Azubis – rund um die Uhr kostengünstiger oder sogar kostenfrei zu machen. „Mobilität ist für junge Menschen in einem Flächenkreis ganz wichtig“, sagt Landrat Reinhard Sager (CDU). Dazu zähle der Weg in die Schule, an den Arbeitsplatz genauso wie der abendliche Weg ins Kino.

Die Grünen im Kieler Landtag streben langfristig einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr für alle an. „Aktuell haben wir uns erfolgreich für ein Semesterticket eingesetzt und haben Sympathien für das Modell einer Ganzjahres-Flatrate für Schüler“, sagt Andreas Tietze. Dieses Ticket solle auch in den Schulferien gültig und bis nach Hamburg rein einsetzbar sein. „Wir müssen dringend über alternative Tarifangebote nachdenken.“

Unterdessen herrscht in Schleswig-Holstein bei der Elternbeteiligung an der Schülerbeförderung weiterhin ein „Flickenteppich“, seitdem das Schulgesetz dahingehend geändert worden war, dass Kreise die Eltern an der Schulbusförderung beteiligen können, aber nicht müssen. In den Kreisen Lauenburg und Segeberg werden die Eltern zur Kasse gebeten, in Stormarn sind sie befreit, in Ostholstein zahlen sie ab dem nächsten Schuljahr nicht mehr. Gespräche im Bildungsausschuss des Landtags seien trotz einer „Erinnerung“ des Kinderschutzbundes noch ohne Resultat, bedauert Martin Habersaat (SPD). „Land und Kreise müssen hier bald eine Lösung finden.“ Schüler und Eltern müssten einheitlich von Beförderungskosten entlastet werden.

Curd Tönnemann