Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Rothaarige feiern sich selbst
Nachrichten Norddeutschland Rothaarige feiern sich selbst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:51 08.09.2018
Rote Haare: Indra Stülcken mit Tochter Greta (9) aus Lübeck. Quelle: PRIVAT
Lübeck/Hamburg

Nicht immer war Gunnar Grebe glücklich mit seinen roten Haaren. Doch heute hadert er nicht mehr. „Ich stehe zu meiner Haarfarbe. Man sticht komplett aus der Masse heraus“, sagt der 46-jährige Lübecker. Am Sonnabend trafen sich Rothaarige aus ganz Europa in Hamburg zu den sogenannten Redhead Days.

Die Idee stammt von Tristan Rodgers. Der rothaarige Ire, der in Hamburg lebt, hatte schon im vergangenen Jahr zu einem Picknick am Hafen eingeladen. Er habe gemerkt, dass es in Hamburg viele Rothaarige gebe und das Interesse an einem Treffen vorhanden sei, erzählt er. Damals kamen rund einhundert Rothaarige und hatten „unfassbar viel Spaß“, erinnert sich Rodgers. Das Treffen sei witzig, und zeige, wie irrelevant äußere Eigenschaften sind, meint der Veranstalter.

150 Millionen Rothaarige auf der Welt

„Natürlich ist man im Alltag als Rothaariger immer in der Minderheit. Deshalb ist es so schön zu sehen, wie viele es von uns noch gibt“, sagt Teilnehmer Jan Meier. „Das hat ein bisschen was von einer Mottoparty, bei der man zusammen kommt, ohne sich verkleiden zu müssen.“ Meier ist einer von rund 150 Millionen Rothaarigen auf der Welt.

Doch naturrote Haare sind selten. Höchstens zwei Prozent der Weltbevölkerung sind echte Rotschöpfe; zu den prominentesten gehören Popstar Ed Sheeran und Prinz Harry. Die auffällige Haarfarbe ist das Resultat einer Mutation in dem Gen mc1r und wird nur vererbt, wenn beide Elternteile sie in sich tragen. Das Gen steuert die Bildung von Eumelanin und ist bei den meisten Rothaarigen funktionslos. Das führt dazu, dass bei ihnen in Haut, Haaren und Augen statt des dunklen Eumelanin das hellere Pigment Phäomelanin vorkommt.

Tage der Rothaarigen

Der bekannteste Rothaarigentag findet seit 2005 meist am ersten September-Wochenende im Städtchen Breda in den Niederlanden statt. Auch in England wurde vor fünf Jahren ein Redhead Day ins Leben gerufen. Im Mai 2012 gab es in Mailand das erste italienische Treffen mit dem Titel „Rossitalia“ _ dort trafen sich hundert rothaarige Italienerinnen und Italiener vor dem Mailänder Dom.

Rothaarige sind auf der ganzen Welt in der Minderheit und kämpfen mit Klischees, die ihre Wurzeln in der westlichen Kultur des Mittelalters haben und noch heute von Medien und Werbung teils aufrecht erhalten werden. „Die Leute assoziieren die Haarfarbe mit Problemen, was es dann eigentlich erst zu einem Problem macht“, erklärt Rodgers. Er ist Herausgeber des „MC1R“-Magazins für Rothaarige. Doch es gebe Gegenbewegungen. „Das Zeitalter der Probleme ist Vergangenheit“, sagt der 33-Jährige. Das Rothaarigentreffen in Hamburg ist nur ein Teil davon.

Hänseleien in der Kindheit

Beginnend in den Niederlanden gibt es inzwischen überall auf der Welt Redhead Days mit tausenden Teilnehmern. In Italien, Irland und Großbritannien zelebrieren sie ihre Haarfarbe. Während die einen schon immer ihre Einzigartigkeit mochten, litten andere unter der Kindheit als Karottenkopf. „In der Schule war es ganz schlimm“, erinnert sich Grebe. Schnell hatte man mit „Duracell“ oder „Kupferkopf“ seinen Spitznamen weg. „Man war anders als die anderen – und das hat man zu spüren bekommen.“ Diese Erfahrung musste auch Indra Stülcken (47) aus Lübeck machen. „Zora, Pippi Langstrumpf, Feuermelder, ja sogar „Hexe“ bekam sie in ihrer Kindheit zu hören. „Das war nicht schön.“ Inzwischen mag sie ihre roten Haare, „weil es etwas Besonderes ist“. Eine ihrer Töchter hat diese Besonderheit geerbt.

„Man fällt auf, lernt aber damit umzugehen“, sagt Rodgers. Am Sonnabend wurden allerdings keine Probleme diskutiert. Natürlich spiele man an diesem Tag mit seinen äußeren Eigenschaften. Die Aussage sei aber: „Es ist ungewöhnlich, aber lasst es uns einfach feiern und keine Vorurteile aufgrund körperlicher oder kultureller Merkmale haben.“

Julia Paulat

Zwei Organtransplantierte schildern ihren Leidens- und Heilungsweg vor dem Hintergrund der Debatte um Gesundheitsminister Jens Spahn und seine neuen Ideen für mehr Organspenden.

08.09.2018

Der neue Ikea-Katalog kommt ohne Bücher aus – Sind sie out?

08.09.2018

27 Lokführer fehlen der DB Region allein im Norden. Weil deshalb rund um Lübeck erste Züge gestrichen werden, droht das Land der Bahn Konsequenzen für künftige Ausschreibungen an.

08.09.2018