Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Norddeutschland Schleswig-Holstein: Impfstoff Astrazeneca nur noch für über 60-Jährige
Nachrichten Norddeutschland

SH folgt Impfkommission: Astrazeneca nur für über 60-Jährige

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:30 30.03.2021
Wieder ist der Corona-Impfstoff von Astrazeneca wegen Nebenwirkungen in die Kritik geraten.
Wieder ist der Corona-Impfstoff von Astrazeneca wegen Nebenwirkungen in die Kritik geraten. Quelle: Nicolas Armer
Anzeige
Berlin/Kiel

Wie die am Robert Koch-Institut angesiedelte Expertengruppe der Stiko am Dienstag mitteilte, habe man sich auch unter Hinzuziehung externer Experten „mehrheitlich“ für diese Empfehlung entschieden. Grundlage seien die derzeit verfügbaren Daten zum Auftreten „seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen“. Diese seien 4 bis 16 Tage nach der Impfung ganz überwiegend bei Personen im Alter unter 60 Jahren aufgetreten.

ich.du.wir. // Der LN-Familien-Newsletter

News, Infos und Tipps rund um das Thema Familie – immer donnerstags um 8 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Empfehlung zur Zweitimpfung bis Ende April

Zur Zweitimpfung von Menschen, die bereits die erste Dosis Astrazeneca erhalten haben, will die Stiko bis Ende April eine Empfehlung abgeben. Nach dem Impfstart mit dem Vakzin Anfang Februar und bei einem empfohlenen Abstand von 12 Wochen zur ersten Impfung seien die ersten Zweitimpfungen Anfang Mai vorgesehen, hieß es weiter.

Aussetzung der Impfung mit Astranzeneca zunächst bis zum 11. April

Am Dienstagabend haben die Gesundheitsminister der Länder entschieden, ab Mittwoch, 31. März, nur noch über 60-Jährige mit Astrazeneca zu impfen. Hintergrund der Diskussionen sind Hirnvenenthrombosen, die zuletzt im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen aufgetreten waren, vorwiegend bei Frauen unter 55.

In Schleswig-Holstein werden keine Impftermine abgesagt

Was heißt das konkret? Alle Schleswig-Holsteiner, die 60 Jahre und älter sind, die Termine mit Astrazeneca zunächst bis zum 11. April gebucht haben, werden nach Angaben des Kieler Gesundheitsministeriums per E-Mail informiert, dass sie ihren Termin wie geplant wahrnehmen können. Auch Impfberechtigte, die 59 Jahre und jünger sind, können ihren Termin wie geplant wahrnehmen – sie werden dann mit einem mRNA-Impfstoff geimpft, also mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer oder Moderna. Das Gesundheitsministerium bittet darum, den entsprechenden Aufklärungsbogen (mRNA oder Vektor) zum Impftermin mitzubringen.

Vorgehen ab dem 12. April wird geprüft

Wie es ab dem 12. April weitergeht, wird geprüft. Das Gesundheitsministerium wird zeitnah darüber informieren, wie es mit anstehenden Zweitimpfungsterminen weitergeht, insbesondere für Personen, die 59 Jahre alt und jünger sind und bereits einmal mit AstraZeneca geimpft wurden. Hier wird es vor allem auch darauf ankommen, welche Empfehlung die zuständigen nationalen Behörden/Fachgremien zu einer Zweitimpfung abgeben.

Grüne: Herber Rückschlag für Impfstrategie

„Das ist bitter für die Patientinnen und Patienten, die betroffen sind. Außerdem ist es ein erneuter herber Rückschlag für die Impfstrategie“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, Marret Bohn. „Wir erwarten, dass hier lückenlos aufgeklärt und dieses Mal sorgfältig informiert wird.“

Marret Bohn hat viele Fragen

Viele offene Fragen stünden im Raum, sagt Bohn: Stimmen die Gerüchte, dass die Firma Biontech ihre Produktionskapazitäten noch weiter erhöhen könnte? Dazu würden allerdings Substanzen gebraucht, die auf dem Markt nur begrenzt zur Verfügung stehen würden. Weiter heiße es, dass die Firma Curevac in Tübingen über diese Substanzen verfügt, sie aber für die eigene Produktion benötigt. Bohn will es genau wissen: Gibt es eine Möglichkeit, über ein Prämiensystem diese Hürde zu überwinden, in dem die Interessen beider Firmen aufgegriffen werden? Ist Minister Spahn hier in Gesprächen, um diese aus dem Weg zu räumen? Gibt es Möglichkeiten, andere Impfstoffe wie beispielsweise Sputnik V nach sorgfältiger Prüfung zuzulassen?“

Neuer Impfgipfel notwendig

Und außerdem: Welche anderen Möglichkeiten gibt es, die Produktionskapazitäten von Biontech Pfizer und anderer Impfstoff-Hersteller auszubauen? Gibt es Möglichkeiten, über andere deutsche Pharmafirmen zusätzliche Kapazitäten in Lizenz herzustellen? Ist Minister Spahn mit ihnen im Gespräch? „Fragen über Fragen, so kann es nicht weitergehen. Wir Grüne erwarten Antworten, und dass umgehend ein erneuter Impfgipfel einberufen wird“, erklärt Bohn.

Von cri