Schleswig-Holstein: Nur jede fünfte Schule macht mit beim Lernsommer
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Schleswig-Holstein: Nur jede fünfte Schule macht mit beim Lernsommer

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16:17 11.06.2020
Die meisten Schulen in Schleswig-Holstein bleiben in den Sommerferien leer. Der „Lernsommer“, den Bildungsminister Prien wegen der Corona-Lernlücken ausgerufen hat, droht zu floppen. Quelle: Marijan Murat/dpa
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Kiel

Gerade einmal 139 von 800 Schulen im Land wollen ihren Schülern in den Sommerferien Lernangebote machen – das ist nicht einmal jede fünfte. Das musste die Ministerin jetzt eingestehen.

Prien gibt sich dennoch unverdrossen: „Es ist gar nicht nötig, dass jeder Lehrer daran teilnimmt“, sagte sie am Donnerstag, einen Tag vor Ablauf der Anmeldefrist, in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit CDU-Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. Sie sei mit der Beteiligung zufrieden. Man halte am Ziel fest, vor allem den schwachen Schülern mit dem Zeugnis zu empfehlen, die Angebote zu nutzen.

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Lübeck wird Lernsommer-Spitzenreiter im Land – weit vor Kiel

So könnten sie Lernrückstände, die durch den digitalen Unterricht während der Coronazeit entstanden seien, ausgleichen, sagt Prien – vor allem durch Angebote in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch. Die Frage, wie das ansatzweise flächendeckend etwa in Kiel gehen soll, wo gerade mal sechs Prozent der Schulen am „Lernsommer“ teilnehmen wollen, lässt die Ministerin allerdings offen.

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In Lübeck immerhin ist die Chance für schwache Schüler größer. Hier wollen 24 von 50 Schulen beim „Lernsommer“ mitnehmen, heißt es aus dem Bildungsministerium. Darunter seien ein Gymnasium und rund 70 Prozent der Grundschulen. Damit liege die Hansestadt in der Spitzengruppe bei der Lernsommer-Beteiligung im Land.

GEW fordert Coaching-Phase zu Schuljahresbeginn

Die Chefin der Lehrergewerkschaft GEW, Astrid Henke, sieht sich durch die Zahlen in ihrer Ablehnung des Lernsommers bestätigt. „Das Konzept ist nicht überzeugend, es kommt viel zu kurzfristig“, sagt Henke. Die Angebote könnten bestenfalls eine Art Nachhilfe sein. Dadurch, dass nur wenige Schüler daran teilnehmen können, vertiefe der Lernsommer am Ende die Lernunterschiede im Land noch.

Stattdessen müssten die Schulen direkt nach den Sommerferien zusätzliche Förderstunden bekommen, fordert Henke. Es müsse ein Coaching für alle Schüler geben, um Lernrückstände aufholen zu können. Außerdem sollte den Schülern in Lernbüros das eigenständige Lernen beigebracht werden, damit sie fürs verstärkte digitale Lernen im Falle einer zweiten Coronawelle besser gerüstet seien.

SPD: 80 bis 85 Prozent der Schüler werden gar nicht erreicht

Auch die SPD-Opposition übt scharfe Kritik an Prien. „Offenbar verweigern sich 80 bis 85 Prozent der Schulen in Schleswig-Holstein dem sogenannten Lernsommer 2020“, sagt der SPD-Bildungspolitiker Martin Habersaat. Und auch an den teilnehmenden Schulen werde es Angebote nur für einen Bruchteil der Schülerinnen und Schüler geben. „Ob die Teilnehmenden dann die sein werden, die zu Hause nicht die besten Voraussetzungen zum Lernen und zum digitalen Unterricht vorfinden, steht in den Sternen“, sagt Habersaat.

Sicher sei aber: Die Schülerinnen und Schüler, die Hilfe am nötigsten hätten, würden in ihrer übergroßen Mehrzahl nicht erreicht werden, warnt der Sozialdemokrat. Und das heiße: „Wir brauchen dringend Lösungen, um mit vorhandenen Defiziten in der Anfangsphase des nächsten Schuljahres umzugehen.“

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Von Wolfram Hammer