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Norddeutschland Deponie Ihlenberg: Kiel und Lübeck wieder im Beirat
Nachrichten Norddeutschland Deponie Ihlenberg: Kiel und Lübeck wieder im Beirat
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18:15 24.04.2019
Die Giftmüll-Deponie Ihlenberg: Von hier sind es kaum zehn Kilometer bis in die Lübecker Innenstadt.
Die Giftmüll-Deponie Ihlenberg: Von hier sind es kaum zehn Kilometer bis in die Lübecker Innenstadt. Quelle: Voegele
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Lübeck/Kiel

Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Wirtschaftsminister Harry Glawe hat es in einem Brief an Kiels Grünen-Umweltminister Jan Philipp Albrecht zugesagt. Er wolle dessen „Wunsch nach einem angemessenen Informationsfluss“ nachkommen und biete die regelmäßige Teilnahme je eines Vertreters von Albrechts Ministerium sowie „des Bereichs Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutz der Hansestadt Lübeck“ an den Sitzungen an – „mit einem Gaststatus“.

Albrecht: Ein hart ertrotztes Zugeständnis

Mehr ist für Glawe offenbar nicht drin. Er wolle ansonsten an der „bewährten Verfahrensweise“ im Beirat „grundsätzlich festhalten“. Immerhin könnten auch die Gäste „an den Beratungen des Beirats aktiv teilnehmen“. Sie würden zudem alle Informationen erhalten. Nur mitstimmen, das dürften sie halt nicht.

Auch dieses Zugeständnis ist offenbar hart erstritten worden. So stellt es zumindest Albrecht dar. „Es hat gedauert, bis man auf uns zugegangen ist“, sagt der Kieler Minister. Tatsächlich hatte Albrecht schon im Herbst, nach Berichten über erneut erhöhte Messwerte des radioaktiven Tritiums im Sickerwasser der Deponie, schnellere und bessere Informationen aus Schwerin eingefordert.

Im Januar 2019 besuchte Kiels Grünen-Umweltminister Jan Philipp Albrecht (r., mit dem Technischen Geschäftsführer Norbert Jacobsen) die Deponie Ihlenberg. Zuvor war bekannt geworden, dass im Sickerwasser erhöhte Werte des radioaktiven Tritiums nachgewiesen worden sind. Quelle: Lutz Roeßler

Kein Wunder: Von der Spitze des über 60 Meter hohen Ihlenberger Müllbergs aus ist die Hansestadt klar zu sehen, so nah liegen sie beieinander. Experten sagen, das Sickerwasser würde aufgrund der Bodenstruktur im Zweifelsfall gen Osten fließen. In Lübeck sehen das manche Kritiker anders.

Lindenau: Deponie schnell schließen

Für Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau ist die Beteiligung im Beirat immerhin schon mal „ein Schritt in die richtige Richtung, der für mehr Transparenz sorgen wird“. Die Lübecker Interessen könnten dadurch noch direkter eingebracht werden, sagt der SPD-Politiker. Wer den Posten übernehmen wird, werde der Senat Anfang Mai beraten.

Man erwarte von der Jamaika-Landesregierung in Kiel darüber hinaus aber auch, dass gemeinsam mit den anderen norddeutschen Bundesländern nach einem neuen Standort für eine solche Deponie gesucht wird und Ihlenberg möglichst frühzeitig geschlossen werden kann, sagt Lindenau. An diesem Ziel hält auch Albrecht weiter fest. „Die Debatte über die Perspektiven muss weitergehen“, sagt der Minister. Und diese Debatte wolle er auch auf Minister-Ebene weiter bestreiten.

Wolfram Hammer