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Norddeutschland Schleswig-Holstein weit vorn: Jetzt wird mit Holz gebaut!
Nachrichten Norddeutschland Schleswig-Holstein weit vorn: Jetzt wird mit Holz gebaut!
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19:00 03.11.2019
Das Verwaltungsgebäude der Stadtwerke Lübeck gehört zu den größten europäischen Bürogebäuden in Holzbauweise. Quelle: Lutz Roeßler
Kiel/Lübeck

„Da tut sich schon sehr viel, seit der politische Wille da ist, Holzbau zu fördern“, sagt Erik Preuß, Leiter des Holzbauzentrums Nord, einer unabhängigen Beratungsstelle mit Sitz in Kiel. Es würden Bauvorhaben realisiert, die vor zehn Jahren nicht denkbar gewesen seien.

So arbeiten die Stadtwerke Lübeck inzwischen in einem Verwaltungsgebäude mit einer schmucken Holzhaut. Am Bungsberg (Kreis Ostholstein) gibt es ein kühn geschwungenes Gebäude, das Bildungsangebote für Grundschulen und Kindergärten bietet – hinter einer Holzfassade. In Kiel wird in diesen Tagen ein Studentenwohnheim in Holz-Hybrid-Bauweise fertiggestellt. Hamburg hat besonders hochtrabende Pläne: Bis 2021 soll dort Deutschlands höchstes Holzgebäude entstehen – mit 18 Geschossen.

Der Norden führend im Holzbau bei Bürogebäuden

Nach dem Lagebericht des Bundes Deutscher Zimmermeister war Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr beim sogenannten Nichtwohnungsbau (Verwaltungsgebäude, Kindergärten, Schulen) mit Holz sogar führend unter den Bundesländern. Mit 23 Prozent lag der Anteil der Baugenehmigungen mit dem überwiegend verwendeten Baustoff Holz im nördlichsten Bundesland deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 17,8 Prozent.

Kosten für Einfamilienhäuser sind höher

Beim Wohnbau ist der Anteil der Holzgebäude bisher noch geringer: 14,4 Prozent weist der Lagebericht für das Jahr 2018 für Schleswig-Holstein aus. Die meisten hölzernen Wohnbauten entstehen in Baden-Württemberg (29,9 Prozent) und Hessen (22,5 Prozent). Deutschlandweit aber steigt die Zahl der genehmigten Bauten in Holzbauweise kontinuierlich an. Allerdings liegen die Kosten im Einfamilienbereich nach Einschätzung des Holzbauzentrums Nord zehn bis zwölf Prozent höher als in Steinbauweise.

Erste Privatleute haben sich dennoch getraut. So wurde ein im Bauhausstil konstruiertes Haus mit Lärchenfassade in Reinbek (Kreis Stormarn) vor einigen Jahren von der Zeitschrift „Schöner Wohnen“ zum drittschönsten Domizil gekürt. Der Preis des 334 Quadratmeter großen Hauses: 738 000 Euro. In Mölln wurde ein Einfamilienhaus aus den 1930er Jahren um zwei hölzerne Giebelbauten erweitert.

Brandschutz-Regelungen geändert

„Das Thema Brandschutz hat lange blockiert“, erklärt Preuß. Jetzt aber werden die Gesetze in den Bundesländern nach und nach geändert. So auch in Schleswig-Holstein. Vor einer Woche ist hier die neue Landesbauordnung in Kraft getreten. Vorgesehen ist etwa, die Verwendung von Holz künftig in Fassaden bis zu 22 Metern zuzulassen (bisher bis sieben Meter Höhe). Um das bisherige Sicherheitsniveau zu halten, sind ausreichend Brandsperren in den Fassaden vorgeschrieben, heißt es aus dem Innenministerium. Brandwände und Wände von Treppenräumen (Rettungswege) sind von den Erleichterungen ausgenommen. Entsprechende Regelungen werden derzeit länderübergreifend mit der sogenannten Muster-Holzbaurichtlinie erarbeitet.

Der natürliche Baustoff hat viele Vorteile

Preuß nennt die Vorteile des Materials: Mit Holz könne schnell gebaut werden, es habe ein geringes Gewicht, was Aufstockungen auf ältere Gebäude erst möglich mache. Holz schaffe ein gesundes Raumklima, habe gute Dämmeigenschaften und sei überdies recycelbar. Für das Studentenwohnheim in Kiel sind nach Auskunft der Hermann-Ehlers-Stiftung als Bauherrin 700 Kubikmeter Holz verbaut worden. „Dies entspricht einer CO2-Speicherkapazität von rund 600 Tonnen“, berichtet Marcia Jankwitz, Geschäftsführerin der Stiftung. Damit vermeide das Gebäude nicht nur CO2 durch eine nachhaltige Energieproduktion und eine höhere Energieeffizienz, sondern trage auch aktiv zu einer Kompensation von verbrauchtem CO2 bei.

Holz hilft dem Klima

Holz gilt als CO2-Speicher – und kann damit zum Erreichen der Klimaziele beitragen. Und das gleich doppelt: Zum einen bindet das Material langfristig CO2 . Zum anderen ließen sich klimaschädliche Treibhausgase von Beton- und Stahlbauten verhindern. Nach den Worten von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) könnten durch den Bau von Holzhäusern Treibhausgasemissionen bis zu 56 Prozent gegenüber herkömmlichen Hausbauten eingespart werden. Sie sagt: „Bauen mit Holz ist die Zukunft.“

Verwendet würden in der Regel heimische Arten. „Das sind zu 99 Prozent Nadelhölzer“, sagt Preuß. Für Flächen, die nicht behandelt werden sollen, stehen Lärche und Douglasie hoch im Kurs. In der Tragstruktur wird meist Fichte oder Tanne verbaut, ebenso bei Außenverkleidungen, die ohnehin gestrichen werden sollen. Das ist aber kein Muss: „Man kann das Holz ganz natürlich vergrauen lassen. Dann hat man jahrzehntelang keine Arbeit damit.“

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Von Julia Paulat

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