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Norddeutschland „2021 haben alle Schulen schnelles Netz“
Nachrichten Norddeutschland „2021 haben alle Schulen schnelles Netz“
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07:50 12.11.2018
Lernen mit Tablet: Auch dafür brauchen Schulen eine Verbindung zum schnellen Internet. In Schleswig-Holstein sollen 2021 alle Schulen daran angeschlossen sein, verspricht CDU-Bildungsministerin Karin Prien. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
Lübeck/Kiel

Von 2021 an sollen alle 830 öffentlichen Schulen in Schleswig-Holstein ans schnelle Internet angeschlossen sein. Das verspricht Kiels CDU-Bildungsministerin Karin Prien. „Wir müssen das schaffen, denn wir wissen natürlich, dass es ohne diese technische Voraussetzung schwierig wird mit der Digitalisierung an den Schulen.“ Allein 2018 würden dafür 15 Millionen Euro Landesgeld in die Schulen fließen. Außerdem setzt man in Kiel auf schnelle finanzielle Hilfen des Bundes.

Ohne schnelles Internet keine Digitalisierung des Unterrichts

Derzeit hätten bereits 51 Prozent der Schulen eine Verbindung ins schnelle Netz, sagt Karin Prien. Das ist etwa Voraussetzung dafür, dass die Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer im Unterricht mit Tablets arbeiten, Anwendungen online nutzen oder zum Beispiel im Internet zügig nach Informationen suchen können. Erledigt werden die Arbeiten von Privatfirmen. Die Kommunen als Schulträger führen dabei Regie.

In der Gemeinschaftsschule Stecknitz am Standort Krummesse arbeiten einige Schüler im Rahmen eines Pilotprojekts bereits mit iPads im Unterricht. Quelle: LB

Stephan Cosmus, Schulleiter der Lübecker Friedrich-List-Schule, teilt die Einschätzung der Ministerin. Es gäbe viele Lehrer, die Smartphones und Co. schon jetzt gern mehr im Unterricht nutzen würden, sagt Cosmus. „Unser Problem ist die notwendige Infrastruktur.“ Die EDV-Ausstattung sei sehr gut, „wo es hakt, das ist der Internetanschluss“. Das Land müsse die Versorgung damit noch stärker vorantreiben. Cosmus: „Das Glasfaserkabel liegt im Keller, aber während das Schulverwaltungsnetz angeschlossen ist, ist es das pädagogische Netz nicht. Und es ist auch nicht absehbar, wann in dem Bereich was passiert.“

Schleswig-Holsteins CDU-Bildungsministerin Karin Prien verspricht: 2021 sind alle Schulen im Land mit einem Zugang zum schnellen Internet ausgestattet. Quelle: dpa

An der Oldesloer Masurenwegschule fordert Lehrerin Andrea Westensee, dass das Land dringend auch mehr externe Computerfachleute finanzieren müsse, die die Schulen unterstützen. An ihrer Schule etwa kümmere sich ein Kollege um die Digitalisierung, aber es koste ihn viel Zeit, „das nebenbei zu machen“. Bad Segeberg hat wegen ähnlicher Probleme an seinen Schulen schon anderthalb zusätzliche Stellen geschaffen, berichtet Stephan Hartung, Amtsleiter Bildung in der Stadtverwaltung. Wartungsverträge für die Hardware der Segeberger Schulen seien zudem bereits öffentlich ausgeschrieben worden. Private Firmen können sich bewerben.

Aus der Bürgerschaft ins Ministeramt

Karin Prien ist seit dem 28. Juni 2017 Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein. Die 53-Jährige wurde in Amsterdam geboren, machte in Rheinland-Pfalz Abitur, studierte Jura in Bonn. Seit 1994 ist sie selbstständige Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Wirtschafts- und Insolvenzrecht in Hamburg. Dort saß sie von 2011 an als Abgeordnete in der Bürgerschaft, wurde Fraktions-Vizechefin. In die CDU war sie bereits 1981 eingetreten. Karin Prien ist verheiratet und hat drei Kinder.

Derweil streiten Bund und Länder noch über die genaue Ausgestaltung ihres „Digitalpaktes“. Fünf Milliarden Euro sollen daraus ab 2019 an die Schulträger-Kommunen fließen, um eben jenen Anschluss ans schnelle Internet mit zu unterstützen, zu beschleunigen und auch den Kauf von Endgeräten für die Schülerinnen und Schüler zu finanzieren. Prien mahnt eine schnelle Grundgesetzänderung an, die für diese direkte Bundesförderung der Schulen notwendig wäre. Und auch Bernd Schauer von der Lehrergewerkschaft GEW macht Druck. Es sei inakzeptabel, „dass im politischen Fingerhakeln zwischen Bund und Ländern noch mehr Zeit verstreicht“, sagt der Gewerkschafter.

Die Kommunen fordern wartungsarme und bezahlbare Geräte

Marc Ziertmann vom Städteverband mahnt derweil, die schulische Medienausstattung müsse „praxistauglich, möglichst wartungsarm, bezahlbar und zukunftsorientiert“ sein. Es gebe dafür aber noch nicht mal ein einheitliches Konzept im Land. Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) kündigt dennoch schon mal an, alle 68 Schulen der Stadt sogar bis Sommer 2019 mit WLan ausstatten zu wollen – vorausgesetzt allerdings, dass das Bundesgeld fließe.

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