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Norddeutschland Schleswig-Holsteins Studenten bekommen landesweites Semesterticket
Nachrichten Norddeutschland Schleswig-Holsteins Studenten bekommen landesweites Semesterticket
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17:19 26.02.2019
Sogar die Ringe des HVV sind im neuen landesweiten Semesterticket enthalten.
Sogar die Ringe des HVV sind im neuen landesweiten Semesterticket enthalten. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Lübeck/Kiel

Zum Schluss war es noch einmal ein echter Krimi, jetzt kann’s aber losgehen: Nach einer rund 15 Jahre währenden Debatte ist das landesweite Semesterticket auf den Weg gebracht worden. Zünglein an der Waage war das Studierendenparlament (Stupa) der Uni Kiel, das am späten Montagabend mit 18 Zustimmungen, einer Gegenstimme und zwei Enthaltungen für die Einführung der Studenten-Fahrkarte stimmte.

Start noch in diesem Jahr

„Das ist eine erfreuliche Entscheidung. Wir gehen davon aus, dass das Ticket zum kommenden Wintersemester an den Start gehen kann“, sagt Dennis Fiedel vom koordinierenden Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein (Nah SH).

Ohne die Zustimmung des Kieler Parlaments, dass mit rund 27 000 Studenten den größten Hochschulstandort in Schleswig-Holstein vertritt, wäre das Projekt gescheitert. Denn während unter anderem alle Stupas der drei Lübecker Hochschulen bereits ihr Okay gegeben hatte, verweigerten die Studentenvertretungen aus Heide und der Hochschule Flensburg dem vorgelegten Vertragswerk ihre Zustimmung.

Start mit 124 Euro zusätzlich pro Semester

Auch beim Kieler Stupa kam man daraufhin ins Zögern, eine erste Abstimmung Anfang Februar war nach einer sechsstündigen Diskussion verschoben worden. Die Kieler Studierenden hatten sich Ende Januar bei einer Umfrage mit 53,61 Prozent für eine Einführung ausgesprochen. Das Votum war für das Stupa aber nicht bindend. Auch in Flensburg hatte die Pro-Fraktion unter den Studenten knapp die Nase vorn gehabt – das Stupa der Hochschule setzte sich wegen „juristischer Bedenken“ aber über die Abstimmung der Studierenden hinweg.

So funktioniert das Ticket

Das Ticket gilt laut Nah SH für den gesamten Tag, an allen Tagen im Jahr im ÖPNV im ganzen Land und in Hamburg – es gibt keine zeitliche Begrenzung; bis zu drei Kinder unter sechs Jahren können mitgenommen werden. Weitere Kinder brauchen eine eigene Fahrkarte. Auch für weitere Mitfahrer, Hunde und Fahrräder ist eine zusätzliche Fahrkarte nötig. Das Semesterticket ist als Handy-Ticket geplant. Alternativ gibt es aber die Möglichkeit, kostenfrei ein Papierticket anzufordern. Das Semesterticket gilt nicht in Fernverkehrszügen und Fernbussen. Auch der Sylt-Bus ist nicht mit drin. Eine Ausnahme besteht bei den Fähren im HVV. Diese sind inklusive.

Einer der größten Kritikpunkte war und ist immer noch der Preis: Pro Semester sollen zum Start 124 Euro zusätzlich zum Semesterbeitrag fällig werden. Im Wintersemester 2021/22 wird der Beitrag aller Voraussicht nach aber bereits 148 Euro betragen. Die Kosten für das regionale Semesterticket fallen damit aber nicht weg. In Lübeck zum Beispiel müssen Studenten auch trotz landesweitem Semesterticket weiter zusätzlich die 54,60 Euro für den Stadtverkehr zahlen.

Flensburg und Heide könnten 2020 einsteigen

Schleswig-Holsteins Verkehrs-Staatssekretär Thilo Rohlfs (FDP) freut sich unterdessen: „Das ist ein guter und wichtiger Schritt für das Semesterticket, für das wir als Land immerhin eine Anschub-Finanzierung von rund neun Millionen Euro zur Verfügung stellen. Ich möchte auch die Studentenparlamente in Flensburg und Heide nochmals ermutigen, auf das Angebot des Landes einzugehen und mitzumachen.“

Das ist nach jetzigem Stand dann aber erst zum Sommersemester 2020 möglich. „Sollten sich die beiden Stupas noch umentscheiden, können sie noch später einsteigen“, betont Nah-SH-Sprecher Fiedel. Die beiden Hochschulstandorte machen rund zehn Prozent der 55 000 Studenten im Norden aus.

Laut Fiedel werde aktuell nun noch an den finalen Vertragsformulierungen gefeilt, anschließend werde ein Vertriebsdienstleister mit dem operativen Geschäft wie Abrechnung und Versand für das landesweite Semesterticket beginnen.

Hochschulstandort wird attraktiver

Positiv wurde die Entscheidung aus Kiel auch in der Landespolitik aufgenommen. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Kay Richert, erklärte: „Damit ist der Weg frei für ein landesweites Semesterticket, durch das die Studierenden ein großes Stück umweltfreundliche Mobilität hinzugewinnen. Außerdem wird der Hochschulstandort Schleswig-Holstein noch attraktiver.“ Neben Spitzenforschung und -bildung könnten die Studierenden unser schönes Land zudem jetzt noch besser erkunden.

Mehr zum landesweiten Semester-Ticket: hier

Jan Wulf