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Norddeutschland Schleswiger macht Abi mit 15 und ist Doktorand mit 21
Nachrichten Norddeutschland Schleswiger macht Abi mit 15 und ist Doktorand mit 21
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17:00 30.06.2019
Johan von Forstner (21) schreibt jetzt an seiner Doktorarbeit. Quelle: privat
Kiel/Peine

Sein Weg ist beachtlich: Johan von Forstner bestand im Alter von 15 Jahren sein Abitur an der Lornsenschule in Schleswig mit der Note 1,4. Danach studierte er an der Christian-Albrechts Universität zu Kiel (CAU) Physik. Seit Oktober hat er eine Stelle als Doktorand in der Arbeitsgruppe Extraterrestrische Physik. „Ich werte Messungen der kosmischen Strahlung von den beiden in Kiel gebauten Detektoren ,RAD’ auf dem NASA-Marsrover Curiosity und ,LND’ auf der chinesischen Mondmission Chang’E 4 aus“, erklärt der 21-Jährige. Damit verfolgt er unter anderem, wie sich Sonneneruptionen im Sonnensystem ausbreiten, welchen Einfluss sie auf die Strahlung auf Mars und Mond haben, und wie man sie in Zukunft vielleicht besser vorhersagen kann.

Test auf Hochbegabung ergab IQ von 135

Schon in der Grundschule war aufgefallen, dass Johan schneller lernen und verstehen konnte als andere. „Nicht unbedingt das stupide Auswendiglernen, aber alles was man sich über logische Zusammenhänge herleiten kann“, berichtet Johan von Forstner. In Absprache mit Klassenlehrerin, Schulleiter und Eltern übersprang er zunächst die dritte Klasse. Ein IQ-Test auf Hochbegabung zeigte einen Wert von 135. Zum Vergleich: Bei Erwachsenen liegt er im Schnitt bei etwa 100. Am Gymnasium machte Johan von Forstner dann gleich noch einmal einen Satz: Nach dem ersten Halbjahr der 6. Klasse wechselte er in die zweite Hälfte der 7. „In den Ferien habe ich dann jeweils die Inhalte nachgeholt“, erinnert er sich.

Insgesamt vier Klassen übersprungen

In der 10. Klasse schlug der Schulleiter vor, dass der Junge in den naturwissenschaftlichen Fächern, wo die Unterforderung am größten war, direkt in die 12. Klasse geht. „Das habe ich für einige Wochen ausprobiert“, erzählt Johan von Forstner. Doch weil die Stundenpläne nicht zusammenpassten, sei das ziemlich chaotisch gewesen. Kurze Zeit später wechselte er komplett in die 12. Klasse. „Insgesamt hatte ich damit vier Klassen übersprungen.“

Nach dem Abitur 2013 ging es direkt an der Uni in Kiel weiter, auch weil es „nicht wirklich andere Möglichkeiten gab“. Denn, so berichtet Johan von Forstner, beim Freiwilligen Sozialen Jahr gebe es meist Altersgrenzen von 16 oder 18 Jahren. Auch ein Schüleraustausch wäre schwierig geworden – schließlich sei er ja zu dem Zeitpunkt gar kein Schüler mehr gewesen.

Studierendenservice kann sich gut erinnern

Aber auch die Einschreibung an der CAU lief nicht ganz ohne Probleme: Das Online-Formular wollte sein Geburtsdatum nicht akzeptieren. „Da musste ich dann erstmal beim Studierendenservice anrufen und das Problem erklären“, erzählt Johan von Forstner. Man einigte sich darauf, ein falsches Geburtsdatum einzutragen, dass dann in allen Unterlagen von Hand korrigiert werden musste. An den Fall kann man sich beim Studierendenservice der CAU noch gut erinnern. Zwar gebe es zur Einschreibung meist 30 bis 40 Leute, die noch nicht volljährig seien, es aber innerhalb des ersten Semesters würden, so Liane Britting. Das hänge in der Regel mit dem vorübergehend auf acht Jahre verkürzten Weg zum Abitur zusammen. Doch 15-jährige Erstsemester sind eben sehr, sehr selten.

14-jähriges Mädchen macht Abitur mit 1,0 in Peine

So hatte 2011 an der Technischen Universität Braunschweig ein 15-Jähriger sein Studium begonnen. Nun fängt die 14-jährige Mandy Hoffmann aus Peine ebenfalls dort an. Sie war so schnell durchs Abitur gekommen wie nur wenige zuvor. Die Schülerin hat den Abschluss in Braunschweig in diesem Jahr mit 1,0 gemacht. Nach Angaben ihrer Schule dürfte sie damit eine der jüngsten Absolventinnen Deutschlands mit diesem Ergebnis sein. Zum Wintersemester wechselt sie zum Mathe- und Chemiestudium an die TU Braunschweig. „Die beiden Fächer interessieren mich am meisten.“ (Die LN berichteten.)

Niedersachsens jüngste Abiturientin Mandy Hoffmann (14) vor ihrer Schule. Quelle: Katrin Hoffmann/dpa

Für Johan von Forstner lief es von Anfang an gut an der Uni in Kiel. Sein jugendliches Alter sei dort kein Thema gewesen, erinnert er sich. „Viele haben das nicht wirklich bemerkt, bis ich es ihnen erzählt habe.“ Da es nicht möglich war, täglich von Schleswig nach Kiel zu pendeln, bezog er zusätzlich ein Zimmer in der WG von zwei Freunden. Sie waren zwar vier Jahre älter, aber schon in der 12. und 13. Klasse seine Klassenkameraden gewesen und studierten nun auch Physik in der Landeshauptstadt. „Das war eine große Hilfe, so musste ich nicht jeden Tag nach Hause fahren.“ Gemeinsam bearbeiteten sie Aufgaben und lernten für Prüfungen.

Inzwischen hat er bereits wissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht und Ergebnisse auf internationalen Konferenzen präsentiert. Außerdem betreut er gleichaltrige Bachelorstudenten im Praktikum.

Intelligenztest für besonders Begabte

2 bis 3 Prozent der Bevölkerung weltweit gilt als hochbegabt. Für die Diagnose wird meist ein Intelligenztest eingesetzt. Mit einem Intelligenzquotienten von 130 und mehr wird von einer Hochbegabung ausgegangen. Bei einem Quotienten zwischen 115 und 130 spricht man nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind (DGhK) von einer überdurchschnittliche Begabung. „Auch diese Kinder brauchen schon Förderung“, erklärt Gotje Köhler vom der DGhK-Regionalverein Schleswig-Holstein, in dem knapp 250 Eltern organisiert sind. Der Verein setzt sich an der Seite des Bildungsministeriums dafür ein, Projekte für Begabte anzuschieben oder zu unterstützen. Geboten werden zudem Beratung für Eltern, Lehrer und Erzieher sowie Vorträge und Fortbildungen.

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