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Norddeutschland Schlimmer Verdacht: Rind stirbt an giftigem Jakobskreuzkraut
Nachrichten Norddeutschland Schlimmer Verdacht: Rind stirbt an giftigem Jakobskreuzkraut
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09:03 14.06.2015
Auf den Salzwiesen in Neustadt stehen Schottische Hochlandrinder – inmitten von Jakobskreuzkraut (vorn). Quelle: privat
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Neustadt

Das teilte Neustadts Bürgermeisterin Tordis Batscheider (SPD) im Tourismus-Ausschuss der Gemeinde mit.

Im Abstand von nur acht Tagen fand Rinderhalter Bernd Deckert aus Süsel zwei Kühe seiner Herde von Schottischen Hochlandrindern tot auf den von der Stiftung gepachteten Salzwiesen. Weil ihm das seltsam vorkam, ließ er das zweite Tier von einem Tierarzt untersuchen. „Der Befund spricht für eine chronische Vergiftung durch Jakobskreuzkraut“, zitiert Deckert aus dem Untersuchungsbericht. Den Schaden kann er nicht beziffern. „Ich habe bisher zwei tote Tiere und eine Fläche, die nicht zu bewirtschaften ist“, sagt er betroffen. Die Herde ist jetzt auf einer weniger belasteten Fläche untergebracht. Seiner Ansicht nach sind die Probleme mit dem Jakobskreuzkraut „jahrelang heruntergespielt“ worden.
Tatsächlich enthält die heimische Wildpflanze, die sich in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet hat, in allen Teilen Pyrrolizidinalkaloide (PA). Sie schädigen die Leber; gefährdet sind vor allem Pferde und Rinder. Im Herbst war das Gift auch in Honigproben aus Ostholstein in erhöhter Konzentration nachgewiesen worden.

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Trotzdem ist der Naturschutz bemüht, die Pflanze zu dulden, da sie einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz leistet. So sind laut einer Broschüre des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) mehr als 170 Arten bekannt, die am Jakobskreuzkraut leben. Auf Naturschutzflächen war es bislang nur in Einzelfällen erlaubt, das Jakobskreuzkraut zu mähen oder zu mulchen – was Deckert im vergangenen Jahr in Absprache mit der Stiftung erstmals getan hat.

Mehr zum Thema: Tote Kuh - auf der Suche nach der Ursache

Meinung: Umdenken!

Im Umweltministerium nimmt man die Nachricht sehr ernst. „Die Gesundheitsvorsorge und der Tierschutz müssen immer gewährleistet sein“, betont Minister Robert Habeck (Grüne). Bisher sei man davon ausgegangen, dass Rinder das Kraut nicht freiwillig fressen. Nun werde geprüft, ob das falsch war. Auch müsse geklärt werden, ob die Leberschäden der Kuh andere Ursachen haben könnten – wie etwa Würmer. Dazu sollen weitere Untersuchungen gemacht werden. Die stark mit Jakobskreuzkraut bewachsenen Flächen in Neustadt sollen nach Auskunft des Ministeriums umgebrochen und neu angesät werden, um ein erneutes Aufwachsen des giftigen Krautes zu unterbinden. In der kommenden Woche soll es ein Treffen mit allen Beteiligten geben.

Der Bauernverband forderte das Land gestern erneut auf, das Kraut intensiver zu bekämpfen. „Es kann nicht angehen, dass die Rinder, die unter Naturschutzgesichtspunkten eingesetzt werden, derart verenden“, sagt Neustadts Bürgermeisterin Tordis Batscheider.

In allen Pflanzenteilen giftig

Das Jakobskreuzkraut (Senecio jacobaea), auch Jakobsgreiskraut genannt, hat sich seit Mitte der 90er Jahre in Schleswig-Holstein stark ausgebreitet. Es wird bis zu 100 Zentimeter hoch und blüht von Juni bis in den Oktober hinein gelb. Das Kraut erhält in allen Teilen giftige Pyrrolizidinalkaloide – sie wirken auch in Heu und Silage. Ursprünglich kam es im Norden vor allem an den Steilufern der Ostsee und an der Untertrave vor. Die Pflanze ist in Europa, in Asien, Sibirien und in Nordafrika zu finden.

Von Julia Paulat