Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Schul- und Kitaöffnung: Eltern in Schleswig-Holstein bleiben verunsichert
Nachrichten Norddeutschland

Schul- und Kitaöffnung: Eltern in SH verunsichert

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 11.02.2021
Inzidenzbasierte Regelung zu Schul- und Kitaöffnungen in Schleswig-Holstein: Ab dem 22. Februar sollen Grundschulen und Kitas wieder öffnen.
Inzidenzbasierte Regelung zu Schul- und Kitaöffnungen in Schleswig-Holstein: Ab dem 22. Februar sollen Grundschulen und Kitas wieder öffnen. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa
Anzeige
Lübeck

Hoffnung für Eltern und Kinder in Schleswig-Holstein: Nach der Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch stellt Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Öffnung von Grundschulen und Kitas ab dem 22. Februar in Aussicht – aber nur, wenn der Inzidenzwert dies zulässt. „Das ist ein gutes Signal und eröffnet endlich eine Perspektive“, sagt Bildungsministerin Karin Prien (CDU) zu den Plänen des Ministerpräsidenten.

LN-Update – der Newsletter

Alle wichtigen Nachrichten aus Lübeck und dem Norden dienstags bis samstags gegen 7 Uhr in Ihrem E-Mail-Postfach

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Vorsichtige Öffnung: So geht an Schulen und Kitas in SH weiter

Aber nicht für alle. Denn die Öffnung der Grundschulen und Kitas orientiert sich an dem Inzidenzwert des jeweiligen Landkreises: Liegt der nicht stabil unter 100, wird nicht geöffnet. „Eine Ausnahme gilt für die Grundschulen in den Kreisen und kreisfreien Städte mit diffusem, höheren Infektionsgeschehen oder Verbreitung einer Virusvariante“, sagt Prien. „Hier wird in einer gesonderten Lagebewertung gemeinsam mit den lokalen Gesundheitsämtern am 15. Februar über die Verlängerung der Notbetreuung zunächst um eine Woche entschieden werden.“

Nach jetzigem Stand könnten die kreisfreien Städte Flensburg und Lübeck sowie die Kreise Pinneberg und Herzogtum Lauenburg betroffen sein. Denn in der Hansestadt liegt der Inzidenzwert bei 111,3 (Stand: 11. Februar), im Kreis Herzogtum Lauenburg ist die Inzidenz am Mittwoch knapp über 100 gestiegen. „Aktuell entwickeln sich die Infektionszahlen insgesamt rückläufig“, sagt Prien. „Dennoch ist weiterhin Vorsicht geboten. Wir dürfen die erreichten Erfolge nicht gefährden und müssen auch das Infektionsgeschehen weiter eindämmen.“

Kita-Elternvertreter in SH: Regelung gut, aber verspätet

Die Landeselternvertretung der Kitas in Schleswig-Holstein begrüßt die Entscheidung der Landesregierung. „Die beschlossene Rückkehr zu individuellen Öffnungsstrategien auf Landesebene für Bildungseinrichtungen stellt mitnichten eine Niederlage dar“, heißt es in einer Mitteilung. „So sehr in vielen Bereichen eine bundeseinheitliche Regelung zu begrüßen ist, so wenig ist sie im Bereich der frühkindlichen Bildung als zielführend anzusehen.“

Allerdings hätten die Elternvertreter diesen Stufenplan zur Lockerung, der sich an der Inzidenz in Landkreisen orientiert, gern früher gehabt – sie hätten schon im März vergangenen Jahres eine Landkreis-Inzidenz-basierte Regelung gefordert. „Es wird Zeit, dass endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden“ sagt Axel Briege, Co-Vorsitzender der Landeselternvertretung. „Nur ein sicherer Kita-Betrieb ist auch verlässlich.“

„ElternStimme“ Lübeck: „Es ist wahnsinnig vage“

Für den Verein ElternStimme aus Lübeck machen die Regelungen „im Großen und Ganzen“ Sinn, auch wenn die Kinder in der Hansestadt wahrscheinlich noch länger zu Hause bleiben müssen. „Es ist nachvollziehbar, dass sich die Schul- und Kitaöffnung am Inzidenzwert orientiert“, sagt Anna Sondermann, Vorstandsmitglied des Vereins, aber: „Wir haben nicht das Gefühl, dass die Öffnung der Schulen vorbereitet wird.“ So seien beispielsweise keine Luftfilteranlagen in den Klassenräumen eingebaut worden, und das Lüftungskonzept sei bei diesen Temperaturen unmöglich einzuhalten.

Die meisten Eltern in Lübeck wollen unbedingt, dass die Schulen wieder öffnen – der finanzielle Druck nehme zu, genauso wie die Probleme mit dem Homeschooling und die Belastung der Kinder wegen fehlender Kontakte. „Planungssicherheit gibt es durch die neuen Beschlüsse für uns auch nicht. Wann genau geöffnet wird und unter welchen Umständen – das ist alles wahnsinnig vage! Wir Eltern in Lübeck müssen weiterhin von Woche zu Woche schauen.“

Anna Sondermann begrüßt hingegen ausdrücklich das von Ministerpräsident Günther angekündigte Konzept zur regelmäßigen Testung von Lehrkräften und Erziehern. „Aber ich bin etwas skeptisch, wie das in der Realität dann tatsächlich umgesetzt werden soll.“

Diakonie SH: „Wer öffnen will, muss auch impfen und testen!“

Auch die Diakonie Schleswig-Holstein und der Verband Evangelischer Kindertageseinrichtungen (VEK) im Land fordern umfangreiche Corona-Tests in den Schulen und Kitas. „Die Öffnungen sind zu früh, wenn wir noch keine ausreichenden anlasslosen Testungen und keine höhere Impfpriorisierung der pädagogischen Fachkräfte haben“, sagt VEK-Geschäftsführer Markus Potten. „Wir sehen die Not der Eltern und den Bedarf der Kinder. Daher ist es unser gemeinsames Ziel, möglichst schnell wieder einen schrittweisen Regelbetrieb in den Kitas zum Wohl der Kinder und Familien herzustellen. Das geht aber nur, wenn Kitas sichere Orte sind.“

Solange das Kita-Personal noch keine Impfmöglichkeit habe, müsse laut Markus Potten der Fokus auf regelmäßigen und anlasslosen Corona-Schnelltests liegen: „Das von Ministerpräsident Günther angekündigte Test-Regime muss liefern und den Fachkräften vor Ort die Sicherheit geben, die sie bei den aus unserer Sicht sehr schnellen Öffnungen dringend brauchen“, so Potten. „Ohne regelmäßige Schnelltests wäre eine solche vollständige Öffnung nicht verantwortbar. Kitas sind kein Versuchslabor für Lockerungsübungen.“

Von Hannes Lintschnig