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Norddeutschland Schwimmunterricht an Grundschulen: Große Unterschiede in Schleswig-Holstein
Nachrichten Norddeutschland Schwimmunterricht an Grundschulen: Große Unterschiede in Schleswig-Holstein
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11:06 11.02.2019
Schwimmunterricht für Grundschüler, wie hier im Lübecker Sportbad Ziegelstraße, ist in Schleswig-Holstein keine Selbstverständlichkeit. Quelle: Wolfgang Maxwitat
Lübeck

Ob Kinder in der Grundschule Schwimmen lernen, ist in Schleswig-Holstein stark davon abhängig, ob sie in den Städten oder auf dem Land eine Einrichtung besuchen. Während in Lübeck, Kiel, Neumünster oder Flensburg an allen 92 Grundschulen Schwimmunterricht auf dem Stundenplan steht, kann alleine im Kreis Segeberg fast jede zweite Schule (23 von 47) dieses Angebot nicht bieten. Es ist die schlechteste Quote im ganzen Land. Im Herzogtum Lauenburg ist jede dritte Grundschule (8 von 25) betroffen. In Stormarn wird an 8 von 35 und in Ostholstein an 5 von 26 kein Schwimmunterricht gegeben. Das geht aus aktuellen Zahlen des Kieler Bildungsministeriums hervor.

Die Gründe warum kein Schwimmunterricht erteilt wird, sind demnach vielseitig. Mal ist schlicht kein Schwimmbad in erreichbarerer Nähe, mal sind die Transportkosten zu hoch, Kollegen warten auf einen Fortbildungsplatz oder es gibt gar keinen Lehrer mit einer Schwimmlehrbefähigung. Mal ist die einzige Schwimmlehrkraft in Mutterschutz, es fehlen Haushaltsmittel oder die Schule hat keine Hallenzeiten bekommen.

Jeder fünfte Sechstklässler kann nicht schwimmen

Laut aktuellen Zahlen des Ministeriums sind mindestens 19 Prozent aller Kinder bis zum Ende der sechsten Klasse noch keine sicheren Schwimmer. Am Ende der Grundschulzeit nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind sogar 50 bis 60 Prozent noch Nichtschwimmer. Der Anspruch der Regierungsfraktionen aus CDU, FDP und Grüne ist allerdings, dass jedes Kind in Schleswig-Holstein im Sportunterrichts bis zum Ende der Grundschule schwimmen lernt. Ein entsprechender Antrag zur „Stärkung des Zugangs zum Schwimmunterricht“ soll daher in der nächsten Landtagssitzung verabschiedet werden.

Schwimmunterricht in Schleswig-Holstein

87 Prozent aller Grund-, Regional- und Gemeinschaftsschulen sowie der Gymnasien in Schleswig-Holstein bieten laut einer Umfrage in mindestens einer Klassenstufe Schwimmunterricht an. Wenn eine Schule keinen Schwimmunterricht anbietet, dann liegen die Ursache nach Angaben des Bildungsministeriums zu 82 Prozent nicht im Verantwortungsbereich der Schule. Dazu zählt zum Beispiel, wenn keine Schwimmstätte in der Nähe ist oder es keine verfügbaren Hallenzeiten gibt.

Dieser sieht unter anderem vor, dass geprüft werden soll, inwiefern Externe, wie zum Beispiel Bademeister oder andere Fachlehrkräfte, bei einem Mangel an Sportlehrern eingesetzt werden können, um einen Ausfall von Schwimmunterricht zu verhindern. Zudem soll ein Fonds unter dem Titel „Schleswig-Holstein lernt Schwimmen“ mit einem jährlichen Volumen von 50 000 Euro für 2019 bis 2021 eingerichtet werden. Auch ob die Rahmenbedingungen für den Betrieb und die Errichtung von Schwimmbädern verbessert werden kann, soll geprüft werden.

Zusammenarbeit mit DLRG und Schwimmverband

Darüber hinaus hat das Ministerium eigene Ansätze, wie die Zahl der schwimmfähigen Kinder erhöht werden soll. So steht die Aus- und Fortbildung von Lehrern weit oben auf der Prioritätenliste, außerdem sind die Schulleiter angehalten, ausreichend Sportlehrer einzustellen. Die Schulaufsichten sollen zudem das Gespräch mit den Grundschulen aufnehmen und über mögliche Kooperationen mit anderen Schulen, einen intensiveren Austausch mit den Schwimmhallenbetreibern sowie über eine Zusammenarbeit mit DLRG, Schwimmverband oder Kinderschutzbund reden.

Die drei Organisationen sitzen bereits mit Vertretern des Bildungs- und Innenministeriums, des Landessportverbands, der Landesschüler- und Landeselternvertretung sowie des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein regelmäßig an einem Runden Tisch, um die Schwimmausbildung im Land fördern. Eine jährliche Bestandsaufnahme soll klären, inwieweit die geplanten Maßnahmen auch tatsächlich fruchten.

DLRG: Schwimmkurse teilweise überbucht

Schleswig-Holsteins DLRG-Landesgeschäftsführer Thies O. Wolfhagen findet es gut, dass das Thema jetzt intensiver angegangen wird, sagt aber auch: „Der Fonds ist nicht das Allheilmittel. Das Geld ist schnell ausgegeben.“ Schwimmunterricht sei ein verpflichtender Bestandteil der Lehrpläne, was an den Schulen nicht stattfände, könnten Organisationen wir die DLRG nicht auffangen. Bereits jetzt seien die wöchentlichen Schwimmkurse der Rettungsschwimmer im Land stets schnell ausgebucht, teilweise überbucht. Wer sein Kind anmelden möchte, müsse mit längeren Wartezeiten rechnen. „Unser Ansatz mit Mittel aus dem Fonds wäre es, zusätzliche Angebote wie zum Beispiel Ferienschwimmkurse anzubieten. In der Zeit ist es einfacher, Wasserflächen und Ehrenamtler zu bekommen.“ Schulen sollten in diesem Fall als Vermittler zwischen Nichtschwimmern und DLRG fungieren.

Jan Wulf

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