Scoperty: Neues Immobilien-Portal verrät den Wert von jedem Haus in SH
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Scoperty: Neues Immobilien-Portal verrät den Wert von jedem Haus in SH

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09:49 17.02.2021
Die Firma Scoperty bietet auf ihrer Seite Schätzwerte für Immobilien an.
Die Firma Scoperty bietet auf ihrer Seite Schätzwerte für Immobilien an. Quelle: Scoperty
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Lübeck

Schon seit Ende vergangenen Jahres ist das neuartige Münchener Immobilienportal Scoperty auf dem Hamburger Markt aktiv gewesen, nun ist auch Schleswig-Holstein im Portfolio.

Große Von-bis-Spanne beim Wert

Die Preise seien eine Schätzung, betont Scoperty-Sprecherin Franziska Kegel bei der Pressekonferenz, die das Unternehmen zu seiner Markteinführung im Norden gab. Ein Algorithmus berechne den Wert der Häuser und Grundstücke anhand öffentlich zugänglicher Daten – wie geschätzte Wohnfläche, Grundstücksgröße, Baujahr, Anzahl der Privathaushalte und Transaktionsdaten, aus denen auch Bodenrichtwerte ermittelt würden. Das Ergebnis ist eine Von-bis-Spanne, wobei die Differenz nicht selten mehrere hunderttausend Euro betragen kann.

Fehleinschätzungen möglich

Oft ist das Schätzergebnis verwunderlich – so ergab beispielsweise eine LN-Prüfung des Preises bei einem Haus in Lübeck, das im Vergleich zu benachbarten Häusern weniger wert sein sollte, dass offensichtlich eine falsche Quadratmeterzahl zugrundegelegt war. Ein anderes Beispiel: Ein vor einigen Jahren für einen niedrigen fünfstelligen Betrag erworbenes, großes baufälliges Haus auf dem Land in Mecklenburg soll – nach wie vor renovierungsbedürftig und ohne Zentralheizung – laut Scoperty plötzlich um 300 000 bis 400 000 Euro wert sein.

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Verbraucherschützer üben Kritik

Wer solche Fehleinschätzungen als Eigentümer nicht hinnehmen will, kann nachbessern: einfach anmelden und die entsprechenden Informationen eingeben. So stieg zum Beispiel der Wert des besagten Lübecker Hauses nach Preisgabe entsprechender Daten flugs fast auf das Doppelte. Wer will, kann über das Portal auch signalisieren, ob Verkaufsbereitschaft besteht oder zumindest der Wunsch, Angebote für die Immobilie zu bekommen.

Verbraucher- und Datenschützer im Norden sehen die neue Internetplattform kritisch. „Viele Nutzer werden sich aufgrund falscher Daten herausgefordert fühlen, bei Scoperty einen Account anzulegen“, meint Landes-Datenschützerin Marit Hansen. „Das finde ich bedenklich.“ Es sei auch nicht auszuschließen, dass außer dem Eigentümer jemand anders aktiv werde, beispielsweise die Mieter. Es könne auch sein, dass über das Portal ein falscher Eindruck erweckt werde, was die Kreditwürdigkeit der Hausbesitzer angehe.

Kein Rechtsverstoß von Scoperty erkennbar

Ähnlich vorsichtig ist Michael Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein in Kiel. „Keiner weiß, wie es in den Häusern drinnen aussieht.“ So werde vielfach ein falscher Eindruck erweckt. „Es besteht die reelle Gefahr, dass unbedarfte Verbraucher in die Falle tappen, dass sie zu viel für Häuser ausgeben.“ Das Experten-Gutachten oder den seriösen Makler könne das Portal nicht ersetzen. Allerdings werden über das Portal auch Makler und bei Finanzierungsbedarf Finanzinstitute vermittelt. Herte: „Ein Rechtsverstoß ist für mich nicht erkennbar, aber ich mahne zu sensiblem Umgang.“

Keinen Rechtsverstoß sieht auch das für das Münchener Unternehmen zuständige bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht. Man habe wiederholt auf fragliche Punkte hingewiesen und es sei entsprechend nachgebessert worden. „Auf dieser Grundlage ergibt sich für uns in der gegenwärtigen Ausgestaltung des Internetdienstes kein Anlass für aufsichtliche Maßnahmen“, stellt Internet-Referentin Carolin Loy fest.

Immobilienpreise im Norden

Scoperty hat statistische Angaben zu den Immobilienpreisen im Norden veröffentlicht: Der Markt sei gekennzeichnet von einem knappen Angebot. Demnach stehen von 35 Millionen Immobilien in Deutschland nur etwa ein Prozent zum Verkauf. Ausgewertet wurden nun 2,2 Millionen Immobilien in Hamburg und Schleswig-Holstein.

Das durchschnittliche Einfamilienhaus in Schleswig-Holstein ist demnach 148 Quadratmeter groß, Baujahr 1969 und kostet 379 768 Euro. Die durchschnittliche Wohnung ist 64 Quadratmeter groß, Baujahr 1962 und kostet 162 688 Euro.

Die im Schnitt günstigsten Quadratmeterpreise gibt es in Dithmarschen (1648 Euro). In Lübeck liegt der Preis bei 2643, im Kreis Herzogtum Lauenburg bei 2469, in Stormarn bei 3180, in Segeberg bei 2759 und in Ostholstein bei 2791 Euro. die teuersten Quadratmeterpreise hat Sylt (10 606 Euro in List, 20 069 Euro in Kampen).

Auf Sylt gab es auch den geringsten Preisanstieg seit 2018 (19,8 Prozent), den höchsten in Warringholz (Kreis Steinburg) mit 35,79 Prozent. In Lübeck und dem Kreis Herzogtum Lauenburg stiegen die Preise jeweils um 29, in Stormarn und Segeberg um 27 und in Ostholstein um 31 Prozent. In Hamburg waren es 25 Prozent.

Makler loben innovative Darstellung

Lübecker Makler und Sachverständige reagierten auf LN-Nachfrage überrascht, das Portal sei ihnen nicht bekannt. „Immobilienbewertung ist immer individuell“, stellt Peter-Georg Wagner, Geschäftsführer des Immobilienverbandes IVD Nord, fest. Die Idee sei jedoch nicht schlecht. „Die visuelle Darstellung ist innovativ.“

Von Von Marcus Stöcklin