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12:00 04.03.2019
Leonie von Rüxleben war eine Kauffrau und bedeutende Kunstsammlerin. 1400 Selbstbildnisse trug sie zusammen – viele sind jetzt in Lübeck zu sehen. Quelle: Julia Pechstein
Lübeck

Ihr Leben ist filmreif. Aber es gibt ja noch nicht mal eine Biografie, an der sich ein Regisseur orientieren könnte. Erinnerungen an den außergewöhnlichen Lebensweg der Freifrau Leonie von Rüxleben bewahrt ihre langjährige Freundin, Julia Pechstein, auf. Die Enkelin des deutschen Expressionisten Max Pechstein (1881-1955), mit dessen Familie Leonie seit Kindertagen bekannt war, lebt in Hamburg und hat die Geschichte ihrer inspirierenden Vertrauten aufgearbeitet.

Nach der Schule nach Paris

Diese Geschichte beginnt in Berlin, beide Familien wohnten in der Kurfürstenstraße. Leonie, 1920 in einer intellektuellen Familie geboren, lernte die Pechsteins kennen. Der Sohn des Malers, Max Konrad Pechstein, war nur sechs Jahre jünger als sie. Nach der mittleren Reife ging Leonie nach Belgien und Frankreich, lernte französisch und ließ sich als Dolmetscherin ausbilden. Sie arbeitete zunächst in Paris bei einer deutschen Firma, heiratete Wilhelm Harberts, zog mit ihm nach Thüringen und brachte 1944 ihren Sohn Hans Otto zur Welt. Nach Kriegsende 1945 ging sie mit dem Sohn nach Bensheim, ihr Mann war in Gefangenschaft.

Rasante Karriere

Die folgenden Jahre waren von rasanten Veränderungen geprägt: Arbeit als Dolmetscherin für die Amerikaner in Bensheim, Scheidung 1946, Arbeit als Dolmetscherin im Frankfurter Polizeipräsidium, dann stellvertretende Geschäftsführerin einer Im- und Exportfirma, 1949 Hochzeit mit Udo von Rüxleben, Direktionssekretärin bei einer amerikanischen Filmgesellschaft, Prokuristin einer großen Getreidefirma, 1957 Scheidung. Nach einer TBC-Erkrankung zog sie nach Hamburg und erhielt in den 1970er Jahren als erste Frau in der 300-jährigen Geschichte der Getreidebörse die Zulassung als Getreidemaklerin. „Das zeigt, wie stark und durchsetzungsfähig sie war“, sagt Julia Pechstein.

Kunst gegen Stress

Als Ausgleich zu diesem stressigen Job habe sie sich mit Kunst beschäftigt. „Jeden Sonnabend ist sie los und hat Ausstellungen besichtigt. Es gab keine Vernissage, bei der Leonie nicht war“, erinnert sich Julia Pechstein. Sie habe überhaupt keine Scheu gehabt, die Künstler direkt anzusprechen und über die Bilder zu reden. Besonders fasziniert sei sie von Selbstbildnissen gewesen und so sei die Idee entstanden, darauf den Fokus zu legen. „Aber ihre Mittel reichten natürlich nicht aus für Gemälde. So hat sie sich auf grafische Blätter spezialisiert. Sie hat auch in der renommierten Galerie Riemenschneider mitgeholfen beim Schriftverkehr und sich mit Kunst bezahlen lassen.“

Immer zwei verschiedene Socken

In den 1970er Jahren habe sich der Kontakt zur Familie Pechstein wieder intensiviert, und seit ihrer Pensionierung 1980 hat Leonie von Rüxleben Max Konrad Pechstein geholfen, den Nachlass des Vaters zu verwalten. „Das war ein Fulltime-Job, und Leonie hat immer von ihrem Unruhestand gesprochen. Sie passte einfach sehr gut in unsere Familie, hat präzise und verlässlich gearbeitet“, sagt Julia Pechstein, die damals als Apothekerin gearbeitet hat und sich heute um das Erbe ihres Großvaters kümmert. „Ich habe viel von Leonie gelernt, organisiertes Arbeiten, selbstbewusstes Auftreten.“ Man spürt Wärme und Respekt, wenn Julia Pechstein von ihrer Freundin erzählt. „Sie war eine bemerkenswerte Frau und eine Feministin, auch wenn sie dieses Wort niemals in den Mund genommen hätte.“ Auf ihren Adelstitel hätte sie keinen Wert gelegt, habe keine Klassenunterschiede gekannt. „Sie war sehr bodenständig und hat gerne diskutiert.“ Sie habe sich von der Kauffrau zur Kunstfrau entwickelt, habe ihr Sohn mal gesagt.

Auch ihr Äußeres war ungewöhnlich. „Sie trug generell nur Hosen und stets zwei verschiedenfarbige Socken, zum Schluss sogar unterschiedliche Ringelstrümpfe.“ Pippi Langstrumpf in alt.

1400 Selbstporträts gesammelt

2005 ist Leonie von Rüxleben im Alter von 85 Jahren gestorben, sie hatte insgesamt 1400 grafische Blätter und Plakate mit Selbstdarstellungen. Was diese Sammlung neben ihrem Umfang so besonders macht: Sie wurde von einer Frau zusammengetragen – meist sind Männer oder Ehepaare Kunstsammler. 2004 hatte Leonie von Rüxleben die Sammlung der Lübecker Kunsthalle St. Annen vermacht, dort ist sie derzeit zu sehen.

Führung und Vortrag

Am Mittwoch, 6. März, führt Julia Pechstein durch die Ausstellung in der Kunsthalle St. Annen mit Selbstbildnissen aus der Sammlung von Leonie von Rüxleben und spricht danach über ihre Freundin. Beginn ist 18 Uhr. In der Sammlungbefinden sich Zeichnungen berühmter Künstler wie Max Liebermann, Otto Dix, George Grosz, Max Beckmann, Käthe Kollwitz, René Magritte, Salvador Dali, Günther Uecker.

Bis zum 10. März ist die Ausstellung noch zu sehen.

Petra Haase

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