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Norddeutschland Sig Sauer: Prozess in Kiel um Pistolenlieferungen nach Kolumbien
Nachrichten Norddeutschland Sig Sauer: Prozess in Kiel um Pistolenlieferungen nach Kolumbien
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09:17 19.02.2019
Ermittler verlassen im Juli 2014 mit Kisten voller sichergestelltem Material die Waffenfirma Sig Sauer in Eckernförde. Nach Berichten über angeblich illegale Waffengeschäfte nach Kolumbien hatte die Staatsanwaltschaft Kiel die Firma damals durchsucht. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Lübeck/Kiel

In einer Woche, am 26. Februar, beginnt der Prozess gegen drei Verantwortliche der Firmengruppe Sig Sauer vor dem Kieler Landgericht. Es geht um mutmaßlich illegale Pistolenlieferungen von Deutschland über die USA nach Kolumbien. Den Männern drohen Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren oder Geldstrafen, Sig Sauer die Rückzahlung von zwölf Millionen Euro. Für den Waffenhersteller mit Stammsitz in Eckernförde steht aber noch viel mehr auf dem Spiel.

Experten sagen schwierigen Zeiten voraus

„Im Falle einer Verurteilung würden die Behörden künftig doppelt kritisch bei Sig Sauer draufgucken“, ist der Hamburger Waffen-Experte Lars Winkelsdorf sicher. Bei einem Exportantrag des Unternehmens würde eine Prüfung wesentlich intensiver ausfallen. „Der Ermessensspielraum der Behörde wird anders eingeschätzt“, glaubt Winkelsdorf. Konsequenz: Ausfuhren könnten länger dauern – oder in Einzelfällen auch untersagt werden. Arbeitsplätze bei Sig Sauer sieht er durch das Verfahren allerdings nicht in Gefahr.

Hans Scholzen, Vorsitzender vom Verband für Waffentechnik und -geschichte (VdW), geht noch einen Schritt weiter. „Es könnte sein, dass Sig Sauer nach einer Verurteilung bei einer Ausschreibungen seltener berücksichtigt wird. Nicht aus rechtlichen Gründen – sondern weil das Urteil im Hinterkopf spukt.“ Dabei war Sig Sauer gerade bei polizeilichen und militärischen Ausschreibungen im Ausland in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich.

Waffen nach Kolumbien

In dem Prozess geht es um die Ausfuhr von 47 000 Pistolen in die USA zwischen April 2009 und April 2011, von denen in der Folge mehr als 38 000 in das Bürgerkriegsland Kolumbien weiterveräußert wurden. Die Pistolen sollen einen Verkaufswert von insgesamt mehr als 16 Millionen US-Dollar gehabt haben. Dafür soll es keine Genehmigung vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gegeben haben.

Ein Angeklagter, der Geschäftsführer des US-Schwesterunternehmens von Sig Sauer, Ron Cohen, war im Oktober 2018 verhaftet worden und nach zwei Wochen gegen Zahlung einer Kaution von fünf Millionen Euro wieder aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Zunächst war gegen fünf Mitarbeiter Anklage erhoben worden, die Verfahren gegen zwei Angeklagte wurden aber abgetrennt.

Die Hauptverhandlung, die vor dem Kieler Landgericht stattfindet, weil Sig Sauer seinen Deutschland-Sitz in Eckernförde hat, soll sich über mehrere Wochen erstrecken. Sig Sauer selbst hatte nach der Anklageerhebung mitgeteilt, dass man sei nach wie vor davon überzeugt sei, „dass unsere Ausfuhren in die USA stets rechtskonform erfolgten“.

Gewinnrückgang um fast 50 Prozent

Der Konzern ist bereits angeschlagen. Im vor Kurzem im Bundesanzeiger veröffentlichten Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2017 wird ein operatives Ergebnis in Höhe von 32,7 Millionen Euro ausgewiesen. Ein Gewinnrückgang um fast 50 Prozent im Vergleich zu 2016, wo Sig Sauer 63,8 Millionen Euro erwirtschaftete. Der Waffenhersteller führt den Rückgang hauptsächlich auf einen freiwilligen Produktrückruf in den USA zurück. Hintergrund: Bei der P320, dem wichtigsten Pistolenmodell von Sig Sauer in den Staaten, war ein schwerer Mangel bei der Fallsicherheit bekannt geworden. Sobald die Waffe in einem bestimmten Winkel auf den Boden fiel, löste sich ein ungewollter Schuss.

Laut US-Fernsehsender CNN sollen dadurch mindestens drei Polizisten verletzt worden sein. Zwei haben gegen Sig Sauer bereits Klage eingereicht und das Unternehmen auf sechs und zehn Millionen Euro Schmerzensgeld verklagt. Die Verfahren laufen noch. Ob sich möglicherweise weitere Verletzte melden und klagen, ist aktuell unklar. Den massiven Image-Schaden hat der Waffenhersteller bereits jetzt.

Risiko für Sig Sauer „beherrschbar“

Zurück nach Kiel: Sig Sauer selbst führt den Prozess vor dem Landgericht in seinem Geschäftsbericht unter „Sonstige Risiken“ auf. Der Konzern bewertet es für die Unternehmensgruppe als „beherrschbar“ und geht in Zukunft wieder von einer deutlichen Erhöhung des Umsatzes und des Ergebnisses aus. Eine LN-Anfrage zum bevorstehenden Prozess hat das Unternehmen nicht beantwortet.

Jan Wulf

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