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Nachrichten Norddeutschland So frech sind die Möwen in Travemünde
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20:07 24.07.2019
Gefräßiger Vogel: Eine Möwe verschlingt Fischreste im Travemünder Fischereihafen. Quelle: 54° / Felix König
Travemünde

Die Urlauber haben keine Chance zu reagieren. Blitzschnell flitzt die Möwe unter ihren Tisch im Travemünder Fischereihafen. Mit ihrem großen, gelben Schnabel pickt sie hektisch nach den Zwiebelringen, die erst Sekunden zuvor aus dem Fischbrötchen gekullert sind. „Ich wusste nicht mal, dass die Zwiebeln mögen“, sagt Ute Untermann, „das ist unangenehm.“

Derartige Szenen beobachtet der Fischer Paul Ziepolt aus seinem Stand täglich. „Bei mir beschweren sich ständig Leute, die sich von den Möwen gestört fühlen“, sagt der 25-Jährige. Auch dass die Vögel den Kunden den frisch gekauften Fisch aus der Hand reißen, komme oft vor. Besonders angriffslustig seien die Tiere, wenn es um ihren Nachwuchs geht. Noch vor einigen Tagen habe ein Möwenpärchen in der Nähe des Fischereihafens gebrütet. „Wenn sich Besucher dem Nest genähert haben, sind sie denen auch mal mit ihren Klauen in die Haare gefahren“, sagt Ziepolt. Er könne den Ärger der Kunden verstehen, habe aber selbst kein Problem mit den Tieren. In dem Travemünder Fischereihafen habe jeder Stand eine „Hausmöwe“, die immer wieder komme.

Einheimische und Urlauber in Travemünde fühlen sich durch die Möwen gestört. Die LN haben gefragt, was sie von einer Geldstrafe für das Füttern von Möwen halten.

Möwen zu füttern kann teuer werden

Nicht nur der Fischgeruch lockt die Möwen an. Wenige Meter von Ziepolts Stand entfernt teilt eine Frau ihr Mittagessen mit den Vögeln. Zwei besonders große Exemplare streiten sich laut kreischend um ein Stück Weißbrot, das sie auf den Boden geworfen hat. „Ich finde die niedlich, vor allem wenn sie laufen“, sagt die Lübeckerin. Vermutlich ahnt sie jedoch, dass nicht jeder diese Zuneigung teilt, denn ihren Namen möchte sie lieber nicht verraten. Das Füttern könnte sie in anderen Küstenorten auch einiges kosten: Die Hansestadt Wismar hat ein Bußgeld von 5000 Euro verhängt.

„Das finde ich richtig“, sagt Ingrid Schöning, die auf einer Bank an der Travepromenade von einer dicken Möwe belagert wird. „Die werden durch das Anfüttern zu einer richtigen Plage“, stimmt ihr Sitznachbar Jürgen Wibbeler zu. Erst kürzlich habe er beobachtet, wie eine Möwe einem Kind das Eis aus der Hand geklaut habe. Fabian Eggers hält die in Wismar veranschlagte Summe dagegen für zu hoch. „Ein Bußgeld ist schon in Ordnung, aber ich fände eher 50 Euro angemessen“, sagt er.

„Es werden immer mehr“

Anja Lüdtke, Inhaberin des Restaurant Fisch Paul in Travemünde, versucht die Möwen mit einem Adler aus Gummi fernzuhalten. Jedoch ohne Erfolg. „Es werden immer mehr“, sagt sie. Es sei wirklich ärgerlich, wenn die Vögel bei ihren Gästen auf den Tisch springen. „Und die hinterlassen auch noch Dreck, die Markise bekomme ich gar nicht mehr sauber“, sagt sie. Ihr Mann Harry Lüdtke vermutet, dass die Zahl der Möwen in den touristischen Zonen wachse, weil es nicht mehr so viele Fischer gebe und daher auch nicht mehr so viele Fischabfälle, von denen sich die Tiere ernähren können. „Mittlerweile sind die Möwen nicht mehr nur an der Küste, die kommen bis in die Teutendorfer Siedlung“, sagt Anja Lüdtke.

Trotzdem gehört der Travemünder Strand zum Hauptrevier der Möwen. Bei strahlend blauem Himmel und 28 Grad kreisen sie unablässig über den Köpfen der Strandbesucher, jederzeit bereit, sich alles Essbare zu schnappen. Sobald sie ihre Chance wittern, lassen sie sich im Sturzflug in Richtung Sand fallen. Anne Koppeling musste sich bei dem Picknick am Strand mit ihren Freundinnen beeilen. „Also die zu füttern, muss echt nicht sein“, sagt die 28-Jährige aus Rickling. Anne Müller sorgt sich zudem um das Wohl der Tiere. „Ich weiß nicht, ob das Essen von Menschen für die gesund ist“, sagt sie, „ich würde den Möwen lieber nichts geben.“

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