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Norddeutschland So jagte man früher einen Wolf
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15:55 05.03.2019
Lothar Graf Hoensbroech mit einem von ihm erlegten Karpatenwolf. Quelle: SCAN/BUCH
Kiel/Pinneberg

Seit etwa fünf Wochen versuchen vom Kieler Umweltministerium beauftragte Wolfsbetreuer mit Jagdschein, Problemwolf GW924m zur Strecke zu bringen. Der Rüde hat im Grenzbereich der Kreise Pinneberg, Steinburg und Segeberg wiederholt Schafe und Rinder angefallen. Bis gestern blieb die Jagd ohne Erfolg. Jetzt soll die „Task Force“ daher aufgerüstet werden: „Wir sind in der Absprache, ob weitere Ausrüstung, zum Beispiel Nachtjagd-Wärmebildtechnik, zur Verfügung gestellt werden kann“, sagte Ministeriumssprecher Joschka Touré gestern den LN. Nachtsichtgeräte dürfen normalerweise nicht benutzt werden, sie gelten als unwaidmännisch.

Laut Umweltministerium nutzen die Wolfsjäger unter anderem Wild-Überwachungskameras. Laut Landesjagdverband fehlen bei der Wolfsjagd aber aktuelle Erfahrungen, da das Wildtier unter Naturschutz steht und bereits vor 100 Jahren in Deutschland als weitgehend ausgerottet galt.

Hasenklage“ als Lockmittel

Es gibt jedoch in der Jagdliteratur vielfältige Berichte über erfolgreiche Wolfsjagden aus vergangenen Tagen, aus denen moderne Jäger nützliche Erkenntnisse ziehen könnten. So beschreibt Lothar Graf Hoensbroech (1889-1951) in seinem 1935 erschienenen Buch „Wanderjahre eines Jägers“, wie er während des Ersten Weltkriegs Wölfe jagte. Mit seinem Freund, dem Rittmeister v. F. und einem „geschickten Kürassier als Oberjägermeister“ war er damals nach eigenen Angaben im Wald von Olschewo an der Stratscha auf weißrussischem Gebiet unterwegs. Mit der „Hasenklage“, einer Pfeife, mit der sich der Laut eines sterbenden Hasen nachahmen lässt, versucht er zunächst Füchse anzulocken. Zu seiner Überraschung erscheint jedoch ein Wolf: „So groß, wie eine Hyäne, ein Hund, ein riesiger Hund mit kurzem, in den Schultern steckendem Hals und hohem Widerrist – nein! Ein Wolf! Herrgott, ein Wolf!“

Es wird beschlossen, es mit einem Nachtansitz bei Dreiviertelmond zu versuchen. „Der Rittmeister war Besitzer eines halbwüchsigen Schweines, ich eines Lammes geworden.“ Die Tiere werden als Köder vor den Ansitzen an einen Pflock gebunden, ihre Rufe sollen den Wolf locken. Das gelingt nicht. Im Hause eines ortsansässigen Försters hören die Jäger, dass die Einheimischen mit dieser Methode immer wieder Erfolg hatten.

Tote Pferde als Köder

Hoensbroech versucht es dann erneut mit der Hasenklage. Und der Wolf kommt – ein Exemplar „von der Größe eines starken Bernhardiners“. Er müsse die Hasenklage „auf unglaublich weite Entfernung vernommen“ haben, mutmaßt der Graf, der den Wolf verfehlt und seiner Spur über die gefrorene Stratscha folgt.

Im kilikischen Taurus, an der Grenze zu Syrien, hat er später doch Jagdglück. Mit einem Imam und dessen sechs Hunden hetzt er einen Wolf, der schließlich von den Hunden gestellt wird. Ein Hund wird vom Wolf getötet, doch der Graf kann einen tödlichen Schuss anbringen.

Im „Urwald der Marmaros“ in den Karpaten jagt Hoensbroech ebenfalls, diesmal Bären. Tote Pferde werden als Köder benutzt. Das „Luder“ lockt auch Wölfe an, deren Spuren die Jäger mehrmals kreuzen.

Auch der preußische Forstmeister Ferdinand von Raesfeld (1855-1929) widmet in seinem Standard-Lehrbuch „Das deutsche Waidwerk“ 1914 ein Kapitel der Wolfsjagd. Nach seinen Erfahrungen mache diese nur bei Schnee Sinn, da man das Tier aufgrund seiner Spuren so lokalisieren und einkreisen könne. Die Treiber müssten sich dann auf einer Seite aufstellen und Lärm machen. „Denn die Wölfe pflegen... mit fast mathematischer Sicherheit die Richtung zu nehmen, die sie auf dem kürzesten Weg aus dem Bereich des Lärms bringt.“ Dort müssten dann die Schützen warten. Zu führen seien „recht grobe Schrote“.

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