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Norddeutschland So liefen die Klima-Proteste in SH und Hamburg
Nachrichten Norddeutschland So liefen die Klima-Proteste in SH und Hamburg
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17:26 20.09.2019
Hamburg: Teilnehmer einer Demonstration füllen den Jungfernstieg. Quelle: Citynews/dpa
Kiel/Lübeck/Flensburg

Tausende Schüler und Erwachsene in ganz Schleswig-Holstein haben sich am globalen Klimastreik der Fridays for Future-Bewegung beteiligt. Zur landesweit größten Demonstration kamen am Freitag nach Angaben der Polizei in Kiel etwa 10 000 bis 15 000 Menschen. In Lübeck waren es laut Polizei 4000 Demonstranten, in Flensburg 3000.

In insgesamt 30 Orten im Norden hatten die Veranstalter zu Demos, aber auch zu Aktionen wie Clean-up (Müllsammeln), Radfahrer-Protesten (critical mass) oder Picknicks aufgerufen. Die Proteste verliefen friedlich, in Kiel kam es zu Verkehrsbehinderungen, aber nicht zu Sitzblockaden.

100 000 vor dem Brandenburger Tor

Bundesweit gab es 500 Aktionen, am Brandenburger Tor in Berlin versammelten sich nach Veranstalterangaben mehr als 100 000 Menschen – wenige Stunden bevor die große Koalition nach einem nächtlichen Verhandlungsmarathon ihr Klimaschutz-Paket vorstellte.

Klicken Sie hier, um die besten Bilder von den Klima-Demos am 20. September in den Städten Schleswig-Holsteins und in Hamburg zu sehen.

Aktivisten blockieren Verkehrsachsen in Hamburg

In Hamburg gingen rund 70.000 Menschen für den Klimaschutz auf die Straße. Der bunte Demonstrationszug setzte sich am Mittag am Jungfernstieg in Bewegung und zog in einem etwa vier Kilometer langen Bogen um die Binnenalster. Auf einer Bühne vor der Europapassage fand die Abschlusskundgebung statt.

Im Anschluss an den Protestzug besetzten Klimaaktivisten zentrale Verkehrsachsen wie den Stephansplatz und die Lombardsbrücke. Den genauen Ort gaben sie erst zu Beginn der Blockade über Twitter bekannt. Ziel von „Sitzenbleiben“ sei, ein Verkehrschaos zu verursachen, teilte die Interventionistische Linke vorab mit. „Die Politik hat versagt, sie muss sitzenbleiben!“ Durch die vorherigen Sperrungen aufgrund der angemeldeten Demo herrschte an diesen Verkehrspunkten im Anschluss überdurchschnittlich viel Verkehr.

In Kiel ging es um 5 vor 12 Uhr los

Symbolträchtig 5 vor 12 Uhr begann in Kiel auf dem überfüllten Rathausplatz die Kundgebung. „Das ist supergeil, wie viele Leute hier am Start sind“, sagte eine Sprecherin von Fridays for Future. Die Sängerin Marianne Neumann von der Berliner Band Berge sang einen Klima-Protestsong. Eine Vertreterin der Bürgerinitiative Klimanotstand Kiel forderte einen radikalen Politikwechsel, um die Erde noch zu retten.

Hauptachsen in Kiel mussten gesperrt werden

Der Protestzug führte am Theodor Heuss Ring vorbei, der wegen überhöhter Stickoxidwerte ein Hauptproblem in Kiel ist. Ein Abschnitt der Straße war wegen des vielen Demonstranten für Autos zeitweise nicht nutzbar. Zu Sitzblockaden wie bei einer Demo im April kam es aber nicht.

Eine weitere Hauptachse, der Schützenwall, musste zeitweise sogar voll gesperrt werden. In der City gab es Staus. Um 15.20 Uhr twitterte die Polizei, alle Straßensperrungen seien aufgehoben, es könne aber weiterhin zu Verkehrsbehinderungen kommen. „Weiterhin alles friedlich“, endete der Polizei-Tweet.

Unterschiedlichste Organisationen unterstützten den Protest, darunter Bürgerinitiativen oder Gewerkschaften. Slogans auf Fahnen, Plakaten und Transparenten illustrierten die Vielfalt. „Atomkraft Nein danke!“ „Omas gegen Rechts“, „Aufstand gegen das Artensterben“ war zu lesen.

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„Eure Klimapolitik ist ein Witz! Doch keiner lacht“

Ein Mitarbeiter des insolventen Windkraftanlagenherstellers Senvion protestierte mit einem Sarg und einem Plakat „Windenergie wird abgewürgt – wir trauern um Senvion, Danke Herr Altmaier“. Der Wirtschaftsminister trage eine Mitschuld daran, dass die Vergütung der Windenergie zu drastisch gekappt wurde und die Branche am Stock gehe, meinte der Mitarbeiter. Auf einem anderen Plakat stand: „Eure Klimapolitik ist ein Witz! Doch keiner lacht“. Tenor des Protests: „Handeln statt reden!“

In Lübeck zogen Tausende von der Musik- und Kongresshalle aus durch die Innenstadt. Zwischenfälle gab es nach Polizeiangaben nicht. In Bad Segeberg waren rund 400 Menschen unterwegs, in Eutin kamen rund 420. Im Kreis Stormarn gab es gleich drei Aktionen, unter anderem einen „Parking Day“ in der Bargteheider Innenstadt.

Clean-up auf Hallig Hooge

„Wow, Flensburg !“, twitterte der Grünen-Europaabgeordnete Rasmus Andresen. „Bestimmt 5000 Menschen beim Klimastreik. Eine der größten Demos in der Stadtgeschichte.“

Friedlich verliefen die Proteste laut Polizei auch in Eckernförde (1500 Demonstranten), in Neumünster (1000) und in Rendsburg (500). Auf Hallig Hooge hatten Umweltschützer zu einem Clean-up aufgerufen, auch auf Sylt und Helgoland gab es Aktionen.

Von RND/dpa

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