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Norddeutschland So nutzen Schleswig-Holsteins Politiker soziale Netzwerke
Nachrichten Norddeutschland So nutzen Schleswig-Holsteins Politiker soziale Netzwerke
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09:46 17.04.2014
Ralf Stegner (SPD, oben links) ist der Twitter-König unter den norddeutschen Politikern. Auf den Kurznachrichtendienst setzt auf Pirat Torge Schmidt (unten links). Ministerpräsident Torsten Albig (SPD, oben rechts) nutzt Facebook, genau wie Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Quelle: dpa (3), Roeßler (1) - Montage: Kilian Haller
Kiel/Hannover

Schleswig-Holsteins Politiker geben sich im Internet noch recht wortkarg. In sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook hinken sie im norddeutschen Vergleich insgesamt hinterher. Zwar haben nach Analyse des Hamburger Politikberaters und Social-Media-Experten Martin Fuchs gut Dreiviertel der Landtagsabgeordneten mindestens ein entsprechendes Profil. Im Norden sind aber nur die Politiker in Mecklenburg-Vorpommern weniger aktiv.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) nutzt Facebook und Twitter. Der letzte seiner 159 Tweets stammt allerdings aus dem vergangenen Sommer. Bei Facebook ist der Sozialdemokrat etwas aktiver. „Ich gehe aber sehr zurückhaltend damit um“, sagt er. Gleiches gilt für die meisten Mitglieder seines Kabinetts.

„Ich habe einen Twitter-Account, aber er schläft den Schlaf der Gerechten“, sagt der stellvertretende Ministerpräsident Robert Habeck (Grüne). „Die Tage sind so eng getaktet, dass sich ein Zwischendurch-Mitteilungsbedürfnis in engen Grenzen hält.“ Seine Facebook-Seite sehe er deshalb eher als „schwarzes Brett für Bürger, mit mir in Kontakt zu treten“.

Wesentlich aktiver ist hier Innenminister Andreas Breitner (SPD). Er versorgt seine Facebook-Freunde teilweise mehrmals täglich mit Infos und Bildern aus seinem Arbeitsalltag. „Ich nutze Facebook aber ausschließlich, um über die Inhalte meiner Arbeit zu informieren. Meine Familie und damit mein Privatleben halte ich raus.“ Die Resonanz seiner 5000 „Freunde“ sei sehr positiv. „Immer wieder höre ich: "Ich wusste gar nicht, was an dem Job alles dranhängt".“

Breitner sieht in Facebook eine „gute und direkte Form der Rückkoppelung“. Aktiver Twitterer sei er nicht. „Ist nicht mein Format. Ich lese bei anderen Berufspolitikern ständig verkürzte Botschaften, die nur so vor "Herausforderungen" und "Chancen" strotzen.“ Er könne zwar auch kurz, aber nicht immer und nur.

Ein Amtsvorgänger Breitners zwitschert auf Bundesliga-Niveau. Dem streitbaren SPD-Landeschef und Partei-Bundesvize Ralf Stegner folgen auf Twitter mehr als 15 800 Nutzer. Kein anderer Nord-Politiker hat so viele Follower. Auch im bundesweiten Vergleich lässt sich die Zahl sehen. Stegner kommt mit den auf 140 Zeichen begrenzten Tweets offenbar gut klar.

„Kurz und knapp, das verlangt einem etwas ab“, räumt er ein. Seine Tweets setze er meist aus dem Auto ab. „Ich mache natürlich viel über Ironie. Das geht bei Twitter wunderbar.“ Beim einstigen Koalitionspartner CDU kamen diese Botschaften zum Teil ganz schlecht an. Das Bündnis scheiterte 2009 kurz nach einem besonders umstrittenen Tweet Stegners - bei der CDU lief damit das Fass über.

Vielleicht deshalb sind die Fraktionschefs von CDU und FDP dort gar nicht erst aktiv. „Facebook und Twitter haben mir meine Mitarbeiter untersagt, weil ich sehr schnell reagiere und sie das dann nicht mehr kontrollieren können“, sagt FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki. Nach Ansicht von CDU-Kollege Johannes Callsen verleiten soziale Netzwerke dazu, Sachverhalte ohne ausreichende Faktenkenntnis zu kommentieren. „Das kann schnell zu falschen oder banalen Aussagen führen.“

„140 Zeichen können schnell für Missverständnisse sorgen“, sagt der Piraten-Fraktionschef und eifrige Twitter-User Torge Schmidt. Viel aktiver sind die Nachbarn in Niedersachsen, wie Social-Media-Experte Martin Fuchs herausfand. Mit einer Quote von mehr als 86 Prozent nutzen sie unter den norddeutschen Landespolitikern am aktivsten soziale Netzwerke. Auch Bremen (77,1 Prozent) und Hamburg (80,2 Prozent) liegen noch vor Schleswig-Holstein (75,4 Prozent). In Mecklenburg-Vorpommern sind sogar nur 52,1 Prozent der Schweriner Landtagsabgeordneten in den Netzwerken aktiv.

Nach Angaben von Fuchs sind im Bundestag sogar 95 Prozent und im Europaparlament 94 Prozent der Abgeordneten mit Kurzmitteilungen im Internet aktiv.