Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland So verändert der Belttunnelbau Fehmarn
Nachrichten Norddeutschland So verändert der Belttunnelbau Fehmarn
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:21 15.09.2018
Diese Karte zeigt, wo auf Fehmarn wegen der Tunnel-Hinterlandanbindung gebaut wird (blau gekennzeichnet). Quelle: Femern A/S
Kopenhagen/Puttgarden

Erst sorgten die Tunnelgegner im Frühjahr mit einer spektakulären Computer-Simulation für Aufregung, dann konterten die dänischen Bauherren von Femern A/S mit einer eigenen Darstellung. Es geht um die Frage, wie sich die Bauphase für den Belttunnel  auf die Insel Fehmarn und ihre Bewohner tatsächlich auswirkt. Jetzt präsentieren die Deutsche Bahn (DB), der Landesbetriebs für Straßenbau und Verkehr (LBV) und Femern A/S erstmals eine gemeinsame interaktive Karte im Netz. Ziel: die Bevölkerung zu beruhigen. Denn der Protest gegen das Milliardenprojekt ist vor allem auf Fehmarn nach wie vor groß.

Die letzte Karte der Tunnelplaner hatte lediglich die Beeinträchtigungen im Fährhafen Puttgarden und seinem unmittelbaren Hinterland abgebildet. Die neue Karte zeigt nun auch, wo auf ganz Fehmarn zusätzlich mit Beeinträchtigungen durch Bauarbeiten der Bahn und des Landesstraßenbaubetriebs zu rechnen ist, etwa bis ins Burger Stadtgebiet hinein. Denn sowohl Schiene als auch die Bundesstraße 207 werden für den geplanten Tunnel erweitert. „Mithilfe der hochauflösenden Karte können sich interessierte Bürger genau über die Grenzen der Baustelle informieren“, teilen die drei Vorhabenträger mit.

Dieses Bild schlug Anfang März überregional wie eine Bombe ein. „Fehmarn vor dem Kollaps“ warnten die „Beltretter“ mit einer Computersimulation vor Nordeuropas größter Baustelle. Das Echo war sehr geteilt. Inzwischen hat Femern A/S mit einer „dynamischen Karte“ reagiert.

Minister Buchholz begrüßt das Projekt

Das Kieler Verkehrsministerium stellt die Karte auf seiner Homepage zur Verfügung. „Ich begrüße die gemeinsame Informationsarbeit“, sagt FDP-Minister Bernd Buchholz. Auch wenn die Vorhaben von unterschiedlichen Trägern geplant werden, würden die Bürger vor Ort sie oft als ein Projekt wahrnehmen. Die Karte stelle die Planungen transparent dar und erleichtere es den Menschen, sich zu informieren.

Mehr zum Thema

Verzögerung beim Bau des Fehmarnbelttunnels könnte Millionen kosten.

Kopenhagen: Fehmarnbelttunnel nicht in Gefahr.

Dänische Tunnelplaner gehen in die Offensive.

Fehmarn bleibt Bollwerk gegen die feste Beltquerung.

„Mit der dynamischen Karte können wir den Bürgern die tatsächlichen Projektgrenzen in einer leicht verständlichen Darstellung präsentieren statt auf nicht immer leicht zu lesenden Planungsunterlagen“, unterstreicht Bernd Homfeldt, Projektleiter der DB Netz AG. LBV-Direktor Torsten Conrad betont, für ein so großes Projekt mit wirtschaftlicher Strahlkraft für die ganze Region seien die Eingriffe in die Landschaft „doch recht gering“. Lars Friis Cornett, Deutschland-Direktor der Tunnel-Projektgesellschaft Femern A/S, wirbt erneut für einen Dialog mit den Kritikern. „Gemeinsam mit Bahn und LBV sind wir präsent und ansprechbar.“

Beltretter bleiben skeptisch

Karin Neumann, Sprecherin der tunnelkritischen Beltretter, würde die neue Karte, die sie noch nicht kennt, nur begrüßen, „wenn sie ehrliche Ausmaße der Beeinträchtigungen“ zeigt. Vorerst bleibt sie skeptisch. Femern A/S hatte die Computer-Simulation der Beltretter ein nicht zutreffendes „Schreckenszenario“ genannt. Die Darstellung berücksichtige nicht, dass Baumaßnahmen zeitlich versetzt durchgeführt würden.

Nächster Schritt auf deutscher Seite ist der Planfeststellungsbeschluss für den Tunnel. Er soll noch in diesem Jahr ergehen. Er entspricht dem dänischen Baugesetz, das vom Kopenhagener Parlament längst verabschiedet ist. Dementsprechend sind die Dänen mit den Vorarbeiten auf Lolland deutlich weiter.

Curd Tönnemann

Hier können Sie die Karte sehen:

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!