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12:25 19.09.2019
2300 Dräger-Mitarbeiter waren bei der Betriebsversammlung in der Lübecker Musik- und Kongresshalle dabei. Quelle: Holger Kröger
Lübeck

Die Musik- und Kongresshalle (MuK) war voll. Wegen der angekündigten Sparmaßnahmen des Medizin- und Sicherheitstechnik-Unternehmens waren viel mehr Dräger-Mitarbeiter zur jährlichen Betriebsversammlung gekommen als üblich. „Die Stimmung war angespannt“, berichtet Betriebsratsvorsitzender Sigfried Kasang. Schließlich gehe es um 150 Arbeitsplätze und um Entgeltverzicht.

„Alle wollen einen erfolgreichen Dräger-Konzern“, schilderte Daniel Friedrich, Geschäftsführer der IG Metall Lübeck-Wismar, seine Eindrücke. Doch die von der Geschäftsführung angepeilten Maßnahmen hätten nicht überzeugt.

Alle fünf Vorstände waren dabei

Zur Diskussion stehen ein Abbau von 150 Stellen über Restrukturierungen sowie ein Verzicht auf Tariferhöhungen in den kommenden drei Jahren. Zudem sollen Auszubildende künftig nicht mehr unbefristet übernommen werden.

„Der Vorstand hat sehr deutlich gemacht, dass 120 Millionen Euro netto eingespart werden müssen“, erklärte Melanie Kamann, Sprecherin des weltweit tätigen Unternehmens. „Da geht es um die Reduktion des Personalkostenanstiegs.“ Als letztes Mittel seien betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen.

Stefan Dräger ,Vorstandsvorsitzender von Dräger. Quelle: Lutz Roeßler

Neben dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Dräger stellten sich auch die Vorstände Gert-Hartwig Lescow (Finanzen), Rainer Klug (Produktion, Einkauf), Reiner Piske (Personal) und Anton Schrofner (Innovation) den Fragen der Belegschaft.

Geschäftsjahr 2018 enttäuschend

Mit einem Gewinnrückgang von 60 Prozent war das Geschäftsjahr 2018 für Dräger enttäuschend verlaufen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern ging auf 62,6 Millionen Euro zurück. Ein Jahr zuvor waren es noch 155,7 Euro gewesen. Vor allem der Bereich Medizintechnik sorgt für Probleme. Vor rund drei Wochen hatte der Konzern angekündigt, wegen der schlechten Ergebnisse die Personalkosten senken zu wollen.

IG Metall: Auch die Strukturen ändern

„Es ist allen Beteiligten klar geworden, dass wir eine Lösung brauchen, die die Probleme wirklich löst“, sagte Friedrich. Es dürfe nicht nur Personal abgebaut werden, auch die Strukturen müssten geändert werden. Schon vor drei Jahren waren im Rahmen eines Freiwilligenprogramms 200 Mitarbeiter freigesetzt worden.

2300 Dräger-Mitarbeiter kamen am Mittwoch zur Betriebsversammlung in der Musik- und Kongresshalle zusammen. Quelle: Holger Kröger

Er fordert mehr Entscheidungsspielraum für die Mitarbeiter in ihrem Tätigkeitsbereich und plädiert zudem für eine Überprüfung der insgesamt 6000 Prozesse bei Dräger. „Da gibt es interne Prozesse, die keinen Sinn mehr machen und die verhindern, dass die Leute effizienter arbeiten können.“

Dräger beschäftigt am Stammsitz in Lübeck 5000 und weltweit mehr als 14 000 Mitarbeiter. Die Betriebsversammlung war per Videoübertragung auch an 17 weiteren Unternehmensstandorten in Deutschland zu sehen.

Zweite Verhandlungsrunde

Wie geht es weiter? Am Nachmittag trafen sich Vertreter der Konzernführung und die Gewerkschaftsseite zur zweiten Verhandlungsrunde über die Sparmaßnahmen. „Betriebsbedingte Kündigungen wollen wir verhindern“, betont Friedrich. Auch habe man deutlich gemacht, dass die Mitarbeiter ihr Geld am Ende der Durststrecke zurückbekommen müssten. Ergebnisse gibt es noch nicht. In der nächsten Woche gehen die Gespräche weiter.

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Von Julia Paulat

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