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Norddeutschland Mit Hein Lüth durch Lütjenburg
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16:22 01.07.2019
Mit blauem Uniformrock und Pickelhaube: Jochen Sauvant führt Touristen als Hein Lüth durch seine Stadt. Quelle: FOTOs: Saskia Hassink
Lütjenburg

Bim, Bim, Bimmelbim“ läutet es über den Lütjenburger Marktplatz. „Die Stadtführung beginnt“, ruft Hein Lüth. „Bim, Bim, Bimmelbim“. Heinrich Lüth ist der Polizeisergant der Stadt. Mit seinem blauen Uniformrock und der zweireihigen Knopfleiste, dem roten Kragen, der Pickelhaube – einem schwarzen Helm der preußischen Armee – und den vielen silbernen Orden an seiner Brust, flößt der Mann auf den ersten Blick Respekt ein. Doch während er seine Glocke läutet, ruft er lächelnd: „Kommen Sie ruhig näher!“

Stadtführung zu den historischen Plätzen Lütjenburgs

Hein Lüth ist 1850 in Lütjenburg geboren. Nach der Lehre zum Schuhmacher wurde er 1890 zum Nachwächter und Polizeiserganten berufen und sorgte auf den Straßen für Recht und Ordnung. „Aber auf eine ganz nette Art und Weise“, sagt Jochen Sauvant. Sauvant ist eigentlich der Chef beim Lütjenburger Bauhof. Zum Schützenfest der Lütjenburger Schützengilde schlüpft er aber in die Rolle des Hein Lüths – er ist bereits der neunte, der diese Aufgabe übernimmt.

Auch bei den Stadtführungen trägt Sauvant den Uniformrock. Als Hein Lüth führt er zusammen mit Stadtarchivarin Marion Griepentrog, die in eine traditionelle Bauerntracht geschlüpft ist, Urlauber zu den historischen Plätzen der Stadt. Das Geläut mit der Glocke hat heute sechs Feriengäste angelockt.

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Los geht’s auf dem Marktplatz, wo früher einmal das alte Rathaus gestanden hat. Heute ist auf dem Platz mit Kopfsteinpflaster nur noch ein Parkplatz. Denn das alte Rathaus war so baufällig, dass es letztendlich sogar abgerissen werden musste.„Da gibt es einen passenden Spruch“, sagt Sauvant. „In Lütjenburg, da machen sie Korn. Zu Bett gehen sie um sieben, am anderen Tag stehen sie auf um acht und auf den Kopf fällt das Rathausdach.“ Die Teilnehmer der Tour lachen.

Passend: Denn der nächste Stopp ist die ehemalige Schnapsfabrik der Familie Hinrich Boll. Lütjenburg ist für seine „Kornspezialitäten“ bekannt. Früher soll es in der Stadt nur so von Kneipen und Brennereien gewimmelt haben, erzählt Sauvant. „Zu Spitzenzeiten sind in dieser Brennerei 120 000 Liter Schnaps pro Jahr hergestellt worden“, ergänzt Marion Griepentrog. „Und es gab elf Brennereien in der Stadt.“ Die Urlauber machen große Augen. „Wahnsinn“, sagt einer leise.

Die Stadt Lütjenburg überzeugt mit seinem Marktplatz, dem Rathaus und der Backsteinkirche. Jochen Sauvant alias Hein Lüth und Marion Griepentrog als Milchmädchen führen Urlauber durch die Stadt.

Kein Wunder also, dass der damalige Bürgermeister einen Polizeiserganten ernennen musste, der für Ordnung sorgte. „Hein Lüth war in der ganzen Stadt hoch angesehen“, sagt Sauvant. „Er hatte immer ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen.“ Und das sollen auch seine Nachfolger haben. Außerdem sollen sie „Lütjenburger Originale“ sein – also fest verankert in der Stadt. Deswegen sei die Wahl vor zehn Jahren auch auf Jochen Sauvant gefallen, sagt Marion Griepentrog. „Er nimmt am öffentlichen Leben teil. Es gibt keinen Besseren.“

Zwar erfahren die Stadtrundgänger viele Fakten über das Rathaus, den Posthof und die St.-Michaelis-Kirche, Hein Lüth und Marion Griepentrog sind aber auch immer im Gespräch mit den Lütjenburgern. So führen sie die Teilnehmer in ein altes Wohnhaus und zeigen die aufwendigen Malereien an der Wand oder erzählen, in welchem Lokal es leckeres Essen gibt.

Die Stadtführung durch Lütjenburg

Jeden Mittwochstartet die Führung zu den historischen Gebäuden um 11 Uhr. Die letzte Führung findet am 11. September statt. Los geht es an der Tourist-Information am Markt.

Etwa 1,5 Stunden sollten Teilnehmer für den Rundgang einplanen. Es geht unter anderem zu dem ältesten Wohnhaus, dem neuen Rathaus und zur St.-Michaelis-Kirche.

Die Führung kostet für Erwachsene 4 Euro. Kinder bis zwölf Jahre sind frei.

Weitere Informationenunter www.stadt-luetjenburg.de.

„Es gab viele kleine Tipps während der Führung“, sagt Henning Kämpf aus Siegen. Zusammen mit seiner Frau Christa hat er an dem Stadtrundgang teilgenommen. „Das hat man nicht, wenn man die Stadt selbst besichtig.“ Auch Jutta Ehemann aus Niederbayern ist begeistert. „Eigentlich wohnen wir in Hohwacht und kannten Lütjenburg nur wegen des Supermarktes“, erzählt sie. „Ich bin begeistert, was das kleine Städtchen zu bieten hat – und es wurde mit Herz präsentiert.“

Und genau das wollen Sauvant und Griepentrog: Ihre Stadt so präsentieren, wie die beiden sie kennen.

Saskia Hassink

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