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Norddeutschland Eine Hilfe für Patienten und Angehörige: Startschuss für Pflege-TÜV im Norden
Nachrichten Norddeutschland Eine Hilfe für Patienten und Angehörige: Startschuss für Pflege-TÜV im Norden
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09:47 02.10.2019
Eine Betreuerin schiebt eine ältere Frau im Rollstuhl durch einen Gang in einer Pflegeeinrichtung. Quelle: imago images/photothek
Lübeck/Kiel/Berlin

Der neue Pflege-TÜV versetzt Heime im Norden derzeit in Aufregung. Ab sofort wird ein neues Bewertungssystem eingeführt: Wie steht es um Mobilität und Selbstversorgung, wie gut werden die Bewohner beim Essen, trinken, Waschen und dem Toilettengang unterstützt? Nur ein Ausschnitt aus dem internen Prüfungskatalog mit insgesamt 15 Indikatoren, dessen Ergebnisse 2020 für jedermann im Internet einsehbar sein sollen.

Der Weg: Halbjährlich sollen die Heime sich selbst bewerten. Schon ab November kommen zudem einmal im Jahr die Qualitätsprüfer vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). Doch der MDK-Nord gab sich, ebenso wie einzelne Kassensprecher, gestern noch überrascht: „Wir können dazu derzeit keine Stellungnahme abgeben“, war dort zu hören.

Meiste Pflegebedürftige über 80 Jahre alt

In Schleswig-Holstein gibt es 692 stationäre Pflegeeinrichtungen. Dort arbeiten rund 31 600 Mitarbeiter, 18 800 von ihnen in Teilzeit. Sie versorgen 35 500 Pflegebedürftige. 24 300 davon sind Frauen. Die meisten Pflegebedürftigen (14 500) sind zwischen 80 und 90 Jahre alt. 90 Jahre und älter sind 8700 Männer und Frauen. Mehr als 7000 sind zwischen 70 und 80 Jahre alt. 11 400 Bewohner haben Pflegegrad drei, 9600 Pflegegrad vier und 8600 Pflegegrad 2.

73 647 Personen im Land werden zu Hause versorgt, 26 197 davon durch ambulante Dienste. Landesweit gibt es 475 ambulante Dienste mit 12 831 Beschäftigten.

Angaben: Statistikamt Nord

Hilfreich für die Angehörigen

Das Echo im Norden ist dennoch insgesamt gut. „Wir begrüßen das neue System, weil es dazu beitragen kann, die Pflegequalität zu verbessern“, erklärte Florian Unger vom Verband der Ersatzkassen (vdek) in Schleswig-Holstein. „Es wird den Menschen helfen, die – für sich oder für ihre Angehörigen – ein Pflegeheim suchen.“

Auch Tom Ackermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Nordwest verspricht sich mehr Transparenz und dadurch eine Verbesserung der Pflegequalität. Wichtig für den Erfolg des neuen Pflege-TÜVs wird es sein, dass die internen und externen Qualitätsprüfungen ineinandergreifen und entsprechend transparent gemacht werden.“ Die Ergebnisse würden ab 2020 von den Landesverbänden der Pflegekassen veröffentlicht. „Zum Beispiel auf: www.aok-pflegeheimnavigator.de.“

Für die Heime bedeutet die Umstellung auf das neue Prüf-System indes zunächst einen Mehraufwand, wie Andreas Hinz, stellvertretender Heimleiter des Senioren- und Pflegeheims Groß in Pansdorf (Ostholstein) ausführt. „Wir mussten unsere Mitarbeiter zur Schulung schicken, damit sie wissen, was wie dokumentiert und gemeldet werden muss.“ Die Meldungen würden elektronisch abgesetzt. An den Abläufen und der Qualität der Pflege ändere sich nichts. „Da halten wir unseren Standard.“ Die erste Meldung werde das Unternehmen mit 83 Bewohnern und 81 Mitarbeitern im Mai 2020 absetzen. „Danach wird sich der MDK ankündigen, um zu kontrollieren, ob unsere Meldung stimmt.“ Zuvor habe der MDK immer unangemeldet geprüft. Dennoch seien die Noten meist zu positiv gewesen. Das soll sich nun ändern.

Heime kritisieren lange Fragebögen

„Das neue System geht auf Kosten der Pflegezeit“, kritisiert Doreen Boniakowski, Geschäftsbereichsleiterin Seniorenpflege bei der Vorwerker Diakonie. „Schließlich müssen 98 Fragen für jeden Bewohner und jede Bewohnerin beantwortet werden, was viel Zeit in Anspruch nimmt.“ Ein Problem sei auch der neu eingeführte bundesweite Vergleich. „Der Personalschlüssel liegt beispielsweise in Baden-Württemberg höher als bei uns“, sagt Boniakowski. „Der Vergleich hinkt also.“ Für das interne Qualitätsmanagement seien die Bewertungen letztlich aber hilfreich.

Das Kieler Gesundheitsministerium ließ wissen, es begrüße das Ziel, eine größere Transparenz und mehr Aussagekraft der Bewertungen herzustellen. "Inwieweit damit in der Praxis eine bessere Vergleichbarkeit erreicht werden kann, muss die tatsächliche Umsetzung zeigen“, sagte Sprecher Christian Kohl.

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Von Marcus Stöcklin

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