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Norddeutschland Statt Fahrverbot: Kiel schickt Diesel auf die Überholspur
Nachrichten Norddeutschland Statt Fahrverbot: Kiel schickt Diesel auf die Überholspur
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16:05 18.12.2018
Wegen jahrelanger, zu hoher Belastung der Luft durch gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2) haben Gerichte bereits mehrere deutsche Städte zu Fahrverboten verdonnert – in Kiel ist der Theodor-Heuss-Ring betroffen. Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Kiel

„Wir müssen die Grenzwerte rasch einhalten und damit die Gesundheit der Anwohner schützen, gleichzeitig aber auch die Mobilität sichern“, sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) am Dienstag. An der Verkehrsachse werden seit Jahren die Grenzwerte für Schadstoffemissionen teils deutlich überschritten.

Am Montag hatte die Stadt ihre Pläne Schleswig-Holsteins Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) übermittelt, der an einem Luftreinhalteplan arbeitet. Auch er will Fahrverbote mit allen Mitteln vermeiden, zeigte sich nach der Stellungnahme aber zurückhaltend: „Inwiefern die von der Stadt vorgeschlagenen Maßnahmen am Ende tatsächlich geeignet sind, die Schadstoffbelastung kurzfristig ausreichend zu reduzieren, werden wir nun eingehend prüfen müssen.“ Die Luftqualität müsse dringend verbessert werden – zum Schutz der Gesundheit der am Theodor-Heuss-Ring lebenden Menschen.

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Zehn Schritte sind geplant

Die Kieler Stadtverwaltung will die Luft an der wichtigen Achse mit zehn Schritten erreichen. Bereits ab dem Frühjahr soll in beiden Richtungen Tempo 50 gelten. Bislang ist dort 70 erlaubt. In Richtung Waldwiesenkreisel dürfen Diesel-Fahrzeuge (einschließlich Euro 6) künftig nur noch die linke Spur – die Überholspur – befahren, damit sie deutlich weiter von den an der Straße gelegenen Wohnungen entfernt ihre Schadstoffe ausstoßen. Einige untergeordnete Zu- und Abfahrten zum Theodor-Heuss-Ring sollen gesperrt werden.

Durch neue Schilder will die Stadt ab dem Frühjahr zudem vor allem Lkw vom Schwedenkai künftig nicht mehr über die Route Bahnhofstraße und Theodor-Heuss-Ring zur Autobahn 215 führen, sondern über die Straßen Ziegelteich, Exerzierplatz und Schützenwall. Etwas später sollen 2019 die Geh- und Radwege am Theodor-Heuss-Ring photokatalytische Plattenbeläge, die Schadstoffe aus der Luft binden.

Hamburg hat schon Fahrverbote

Oberbürgermeister Kämpfer sagte, „Fahrverbote hätten viele Nachteile und könnten bei realistischer Betrachtung frühestens im Lauf des Jahres 2020 umgesetzt und kontrolliert werden“. Das Konzept der Stadt schütze die Gesundheit der Kieler besser als weitreichende Fahrverbote.

Wegen jahrelanger, zu hoher Belastung der Luft durch gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO2) haben Gerichte bereits mehrere deutsche Städte zu Fahrverboten verdonnert. Der europäische Grenzwert beträgt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. In Hamburg gelten seit dem 31. Mai auf Abschnitten zweier stark befahrener Straßen Durchfahrtsbeschränkungen für Diesel bis zur Euro-Norm 5. Bei Verstößen werden für Autofahrer 20, für Lkw-Fahrer 75 Euro fällig. Den Weg für Fahrverbote in Deutschland hatte im Februar das Bundesverwaltungsgericht bereitet.

Kiel will die Schadstoffbelastungen mit Hilfe der eigenen Pläne zusammen mit Soft- und Hardware-Nachrüstungen von Fahrzeugen schrittweise von 56 Mikrogramm im Jahresmittel 2017 auf unter 40 Mikrogramm im Jahresmittel 2021 senken. „Hier brauchen wir aber noch viel mehr Entschlossenheit bei der Autoindustrie und der Bundespolitik“, sagte Kämpfer.

RND/dpa