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Norddeutschland Stau auf Elbe-Seiten-Kanal: 80 Binnenschiffe liegen vor Hebewerk fest
Nachrichten Norddeutschland Stau auf Elbe-Seiten-Kanal: 80 Binnenschiffe liegen vor Hebewerk fest
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12:56 07.08.2019
Binnenschiffe stauen sich auf dem Elbe-Seitenkanal vor dem Schiffshebewerk Scharnebeck. Quelle: Bodo Marks/dpa
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Scharnebeck

 Für die „BCF Glückauf“ geht es weder vor noch zurück. „Wir sind hier eingesperrt“, sagt Kapitän Zbigniew Wicher. Seit dem vergangenen Freitag steckt sein Container-Binnenschiff fest im Elbe-Seiten-Kanal vor dem Schiffshebewerk Scharnebeck nahe Lüneburg in Niedersachsen fest.

Am Dienstag teilten etwa 80 Binnenschiffe das Schicksal der „BCF Glückauf“, wie Tilman Treber vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt in Lauenburg schätzte. Verursacht hat den Stau vor fünf Tagen ein unterspültes Wehr bei Geesthacht (Schleswig-Holstein) an der Elbe. An dem Wehr musste Wasser abgelassen werden, um den Damm zu entlasten. Damit sank der Pegelstand auch im Kanal und das Schiffshebewerk musste den Betrieb einstellen.

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Fahrplan gerät durcheinander

„Das ist ein riesiges Problem für meine Firma“, klagt der polnische Kapitän Wicher. Sein Schiff ist mit Containern unterwegs von Hamburg nach Haldensleben und Magdeburg. Nun wird die Fracht zu spät zum Empfänger kommen: „Der ganze Fahrplan gerät durcheinander.“ Was immer auf dem 100 Meter langen Frachter zu streichen und auszubessern war, haben die drei Mann Besatzung in der erzwungenen Liegezeit längst erledigt. „Wir warten darauf, dass das Wasser wieder steigt.“

Die gute Nachricht: Die Ausbesserungsarbeiten an dem Wehr in Geesthacht gehen dem Ende zu. Mit 4600 Tonnen Sand und Kies sei der Damm seit dem vergangenen Wochenende stabilisiert worden, sagte Treber. Für Mittwochvormittag sei eine Sitzung aller Beteiligten geplant, um die Arbeiten abzunehmen.

Bildergalerie: Stauwehr in Geesthacht beschädigt

Verheerende Situation an der Oberelbe: Das Wasser fließt massiv ab, die Hinterlandanbindung des Hamburger Hafens ist unterbrochen. Grund ist ein Schaden am Stauwehr bei Geesthacht.

Niedrigwasser erschwert Schifffahrt

Wenn alles in Ordnung sei, könne vorsichtig das Wiederaufstauen des Elbewassers beginnen. „Wir wollen leicht um 20 Zentimeter anheben“, sagte Treber. Zuvor war der Wasserstand um etwa 50 Zentimeter gesunken. Das Niedrigwasser hat auch die Schifffahrt auf der Elbe selbst und im Elbe-Lübeck-Kanal erschwert.

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Voraussichtlich ab Donnerstagmorgen könne das Schiffshebewerk wieder den Betrieb aufnehmen, erwartet Kai Römer vom zuständigen Schifffahrtsamt in Uelzen. Bis zu 38 Meter hoch werden Schiffe aus der Elbmarsch auf das Niveau der Geest angehoben. Scharnebeck war bei Fertigstellung 1974 das größte Schiffshebewerk der Welt. Der Elbe-Seitenkanal verbindet die Elbe über 115 Kilometer mit dem Mittellandkanal nahe Wolfsburg.

Auflösung des Staus wird Tage dauern

Die schlechte Nachricht für die Schiffer: Das Auflösen des Staus wird Tage dauern. Allein 64 Schiffe warten in Scharnebeck auf die Fahrt talwärts zur Elbe. „Wir schaffen gut ein Schiff pro Stunde“, rechnet Römer vor. Das Schleusen werde sich bis ins Wochenende hinziehen.

Umgekehrt trotz des Staus sind die wenigsten Schiffe. Das Wenden im engen Kanal ist kaum möglich. Zu den Kapitänen, von denen weiterhin Geduld verlangt wird, gehört auch Pascal van der Padt. Kurz bevor sein Tankschiff „Asterode“ am vergangenen Freitag geschleust werden sollte, machte das Hebewerk dicht.

Van der Padt kommt aus Hannover und will nach Brunsbüttel, um dort eine Ladung für Rotterdam aufzunehmen. Der Niederländer fährt mit dem eigenen Schiff. „Das wird jetzt teuer“, sagt er. Etwa 5000 Euro pro Tag koste ihn das Warten im Stau. Versichern könne man sich gegen so etwas nicht. Er hofft, dass er am Freitag weiterfahren kann.

Von dpa/RND