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Norddeutschland Suche nach Edelsteinen in Hohwachter Bucht
Nachrichten Norddeutschland Suche nach Edelsteinen in Hohwachter Bucht
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13:43 31.07.2019
Frank Schlemmer und seine Tochter Emmeline (5) sammeln oft Steine am Strand – bei der geologischen Strandwanderung lernen sie, was genau sie finden. Quelle: Saskia Hassink
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Hohwacht

Steine knirschen unter den Füßen, während Henning mit seinem gelben Eimer über den Hohwachter Strand läuft. Der Sechsjährige ist mit seinen Eltern auf Schatzsuche. Denn irgendwo zwischen den ganzen Sand- und Granitsteinen sollen echte Edelsteine versteckt sein.

Henning nimmt an der geologischen Strandwanderung mit Johannes Jannsen teil. Bei der zweistündigen Tour erfahren Teilnehmer, welche Steine, Fossilien und sogar Schätze an die Strände gespült werden. „Ich verspreche: Wir werden heute Edelsteine finden“, sagt der Geologe vor der Wanderung. Er steht mit Lederhut und dicken Wanderstiefeln an der Hohwachter Seebrücke „Flunder“. Vor ihm stehen 40 Feriengäste, die noch nicht ganz davon überzeugt sind, heute echte Schätze am Strand zu finden.

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Onyx, Opal und gelber Feuerstein: Diese Schätze finden Sie an den Stränden der Region. Bei der geologischen Strandwanderung in Hohwacht zeigt Geologe Johannes Jannsen, wonach Sie suchen müssen.

Doch bevor es auf die Suche geht, gibt es erst einmal einen Grundkurs zur Erde. Die ist nämlich vor 4,6 Milliarden Jahren als kochender Lavaball entstanden. Erstes Leben gab es etwa vor 300 Millionen Jahren. Die Ostsee ist dagegen gerade einmal 7000 Jahre alt. „Geologisch betrachtet ist sie heute Morgen erst entstanden“, sagt Jannsen.

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Gesteinskundekurs am Strand von Hohwacht

Dann geht’s an den Strand. Dahin, wo noch ordentlich Steine im Wasser liegen. Vor einem Haufen großer Brocken macht Jannsen Halt und scharrt die Strandwanderer zum „Gesteinskundekurs“ um sich. Sechs verschiedene Gesteinsarten liegen vor ihm. Jede stellt der Geologe vor und erzählt, woran man die Steine erkennen kann und wie man sie unterscheidet. Zum Beispiel müssen Feuersteine ganz verrückt aussehen und scharfe Splitterkanten haben. Granit und Gneise dagegen glitzern. „Wenn es in Steinen glitzert, dann hat man Kristalle gefunden“, erklärt Jannsen. Sind das also die Edelsteine? Nein. „Die Kristalle sind nicht besonders wertvoll.“

Bei der Strandwanderung müssen die Teilnehmer das erlernte Wissen direkt in der Praxis anwenden: Alle müssen die vorgestellten Steine am Strand suchen. „Wir wollen wissenschaftliche Inhalte präsentieren und die Leute gleichzeitig für die Urzeit und Steinzeit begeistern“, sagt Jannsen. Und das klappt: Eifrig suchen die Teilnehmer Feuersteine, Basalt und Sandsteine am Strand.

Geologische Strandwanderung

Die geologische Strandwanderung für Groß und Klein findet immer donnerstags um 11 Uhr statt. Es wird etwa ein Kilometer gelaufen, Ende ist gegen 13 Uhr. Treffpunkt ist der Platz vor der Seebrücke „Flunder“ neben dem DLRG-Häuschen.

Tickets können direkt vor Ort gekauft werden und kosten für Erwachsene 4 Euro, für Kinder 3 Euro und für Familien 10 Euro. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

So wie Karla. „Ich habe einen Feuerstein gefunden“, sagt die Fünfjährige. Stolz präsentiert sie den gezackten Stein und legt ihn auf den Haufen zu den anderen Feuersteinen. Auch Frank Schlemmer und seine Tochter Emmeline sind fleißig am Suchen. „Wir sammeln ganz oft Steine am Strand“, sagt Frank Schlemmer. „Und jetzt wollen wir auch wissen, was das ist.“

Da sind sie bei Jannsen genau richtig. Er erkennt jeden Stein an der Ostsee und bestimmt auch mitgebrachte Schätze. „Es gibt viele sensationelle Funde“, sagt er. Darunter auch Fossilien wie Seeigel, Donnerkeile oder Austern mit einer dicken Feuersteinkruste. „Man kann hier alles finden – selbst Dinoknochen.“

Epidot, Opal und Onyx: Edelsteine an der Ostsee

Und die Edelsteine? Dafür geht Jannsen mit seiner Gruppe zum Wasser. In einer kleinen Schatzkiste hat er viele der geschliffenen Edelsteine. „Was sollte ein Edelstein sein? Genau, hübsch!“ Schnell erklärt Jannsen, worauf die Schatzsucher achten müssen. Dann geht es ans Suchen. Im Spülsaum entdecken sie schwarze Feuersteine, auch Onyx genannt, weiße Opale, gelbe Feuersteine und grüne Epidote.

Natürlich sind die Steine alle ungeschliffen und sehen auf den ersten Blick gar nicht so besonders aus. Nass zeigen die Steine aber schon, wie sie später einmal glänzen können. Auch Henning wird fündig. Sein gelber Eimer füllt sich mit wertvollen Schätzen. Wie die anderen Teilnehmer darf er seine schönsten Funde mit nach Hause nehmen.

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Saskia Hassink