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Norddeutschland Streit um Abstieg am Königsstuhl
Nachrichten Norddeutschland Streit um Abstieg am Königsstuhl
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20:10 27.03.2018
Der seit längerem gesperrte Abstieg im Nationalpark Jasmund soll zurückgebaut werden.
Der seit längerem gesperrte Abstieg im Nationalpark Jasmund soll zurückgebaut werden. Quelle: Foto: Sauer/dpa
Sassnitz

Weiße Felsen, azurblaue See und das satte Grün hundertjähriger Buchen: Jedes Jahr besuchen bis zu 800000 Gäste den Königsstuhl an der Kreideküste der Insel Rügen. Er eröffnet nicht nur einen spektakulären Ausblick auf die Ostsee. Von hier konnte man fast 200 Jahre lang – erst auf gewundenen Wegen, später über eine Treppe – zum 118 Meter tiefer gelegenen Ufer absteigen, um die Füße ins Wasser zu halten, Donnerkeile und Hühnergötter zu suchen und den Rückweg am Meer anzutreten.

Seit im Mai 2016 ein Baum auf den unteren Teil der Treppe fiel, ist der Abstieg am beliebtesten Ausflugziel der Insel gesperrt. Im Oktober 2017 verkündete das Umweltministerium den kompletten Abriss der Treppe. Erklärt wurde dies damit, dass ein Hangteil neben dem Wahrzeichen „als geologisch instabil und stark abbruchgefährdet“ gilt. „Der Schutz der Besucher hat oberste Priorität“, begründete Minister Till Backhaus (SPD) jetzt noch einmal den Verzicht auf eine Reparatur. An der Steilküste von Jasmund wurden laut Ministerium seit 2006 rund 300 Rutschungen nachgewiesen.

Seit mehreren Monaten macht eine Bürgerinitiative gegen den Abbau der Treppe mobil. Vor allem Einwohner der nördlich des Abstiegs gelegenen Gemeinde Lohme wollen, dass diese Touristenattraktion repariert und wieder geöffnet wird. „Wir leben vom Tourismus. Der Wandertourismus ist unser Alleinstellungsmerkmal“, sagt Torsten Rollin von der Touristik Lohme GmbH. Mehr als 3000 Unterschriften für die Wiederherstellung des Abstiegs wurden gesammelt. Am Ostersamstag ist eine Demonstration am Königsstuhl geplant.

Die Initiatoren hoffen, dass sich viele Urlauber an der Protestaktion beteiligen. „Ein zufällig umgestürzter Baum wird zum Anlass genommen, um ein touristisches Aushängeschild der Insel zu sperren“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative „Bewahrt Lohme“, Jörg Burwitz. Mit dem Rückbau der Treppe verdopple sich die Wanderstrecke auf dem Rundkurs an der Kreideküste auf 18 Kilometer. „Für ältere Leute ist das nicht mehr zu schaffen“, sagt Burwitz.

LN