Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Norddeutschland Streit um Einsatzkosten: Klubs sollen für Randalierer zahlen
Nachrichten Norddeutschland Streit um Einsatzkosten: Klubs sollen für Randalierer zahlen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:17 23.02.2018
Ein Polizei-Einstaz beim VfB Lübeck Spiel.
Ein Polizei-Einsatz beim VfB Lübeck Spiel.  Quelle: Archiv
Anzeige

Das Urteil könnte Signalwirkung entfalten. Entsprechend engagiert reagierten Kieler Landeshauspolitiker. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) kündigte Revision gegen das Urteil an.

Die Fußballspiele seien auch aufgrund der Polizeieinsätze wirtschaftlich erfolgreich, begründete das Gericht seine Entscheidung. Eine Kostenbeteiligung sei nicht allein deshalb auszuschließen, weil die Sicherheit Kernaufgabe des Staates sei. Nach Angaben der schleswig-holsteinischen Landespolizei sind allein durch Begleitung der Heimspiele des KSV Holstein Kiel, dem höchstklassigsten Verein des Nordens, im vergangenen Kalenderjahr 34 000 Arbeitsstunden angefallen. Auf die Zweitliga-Zeit des Vereins entfallen bis heute 21 000 Stunden für Beamte. Der hohe Personaleinsatz für Fußballspiele gehe zu Lasten anderer Aufgaben, beklagt Susanne Rieckhof, Landesgeschäftsführerin der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

Die SPD-Fraktion im Landtag sieht weiterhin die Polizei in der Pflicht. Es könne nicht sein, dass sich der Staat immer weiter aus seinen originären Aufgaben zurückzieht, sagte Kathrin Wagner-Bockey. Im Ergebnis dürfe die Qualität der öffentlichen Sicherheit um ein Stadion herum nicht von der Finanzkraft der Heimvereine abhängen. Innerhalb der Stadien sind die Vereine schon heute für die Sicherheit zuständig.

Die Grünen sehen das ganz anders. Wenn die Kosten den üblichen Rahmen überstiegen, sollten sich Vereine und Verbände auch finanziell beteiligen, forderte Rasmus Andresen. Er erwarte, dass die Sportminister der Länder nun in einen Dialog mit Vereinen und Verbänden treten. Das Kieler Innenministerium erklärte, das Ende des Rechtsstreits abwarten zu wollen, „da der Ausgang richtungsweisenden Charakter haben wird“.

Der Steuerzahlerbund Schleswig-Holstein begrüßte das Urteil. Es gehe nicht darum, jede einzelne Polizeistunde abzurechnen, sondern um eine „angemessene Beteiligung“ an den Gesamtkosten der Polizei, betonte Geschäftsführer Rainer Kersten. „Es kann nicht sein, dass zig Millionen Euro im Fußball verdient und für Spielertransfers ausgegeben werden, der Steuerzahler aber allein für die Sicherheit des Sports aufkommen soll.“ Die DFL will das Urteil vorm Bundesverwaltungsgericht anfechten. DFB-Präsident Reinhard Grindel: „Der Kampf gegen Gewalt darf nicht privatisiert werden.“

Zweitligist Holstein Kiel verwies auf die Revision. „Wir warten ab“, sagte Geschäftsführer Wolfgang Schwenke. „Derzeit sehen wir keinen Handlungsbedarf.“ Bis zu fünf Partien pro Saison stuft Holstein als Hochrisikospiele ein, unter anderem wenn Fans aus Dresden und Magdeburg anreisen. Curd Tönnemann