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Norddeutschland Streit um Homöopathie: Sollen die Kassen für Globuli und Co. bezahlen?
Nachrichten Norddeutschland Streit um Homöopathie: Sollen die Kassen für Globuli und Co. bezahlen?
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17:09 11.07.2019
Die weißen Globuli-Kügelchen kommen besonders in der Homöopathie zum Einsatz. Welche homöopathischen Leistungen die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen soll, ist umstritten. Quelle: Maxwitat
Kiel/Lübeck

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) Andreas Gassen fordert, Krankenkassen sollten homöopathische Leistungen künftig nicht unterstützen. Es gebe keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für die Wirksamkeit von Homöopathie. „Wer homöopathische Mittel haben möchte, soll sie auch bekommen, aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft“, erklärte Gassen.

Auch der SPD-GesundheitspolitikerKarl Lauterbach hat sich Anfang des Monats gegen die Kostenerstattung von Homöopathie durch gesetzliche Krankenkassen ausgesprochen. Freiwillige Leistungen der Kassen sollen wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll sein.

In Deutschland ist Homöopathie keine feste Leistung der gesetzlichen Krankenkassen – es kommt auf die einzelne Kasse an, ob homöopathische Mittel oder Behandlungen übernommen werden. Allerdings erstatten viele Krankenversicherungen die Kosten teilweise oder ganz, weil es eine Nachfrage dafür gibt.

Politiker im Norden nicht einig

Die Politiker in Schleswig-Holstein sind sich nicht einig, ob Homöopathie nun finanziell unterstützt werden soll oder nicht. Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Hans Hinrich Neve, sagte, im Gesundheitswesen spiele auch Homöopathie eine Rolle: „Die Schulmedizin kann nicht alles lösen.“ Neve wirft der KBV vor, der Vorschlag sei reine Klientelpolitik. Auch Flemming Meyer, gesundheitspolitischer Sprecher des SSW, findet, die Kassen müssten auch weiterhin für Homöopathie zahlen. Es gebe Menschen, denen Homöopathie besser helfe als Schulmedizin: „Es geht darum, die beste Lösung für den Einzelnen zu finden.“

Auch die Grünen-Fraktion stellt sich hinter den Patienten: „Auch wenn die Wirksamkeit der Homöopathie klinisch nicht nachgewiesen ist, scheint sie vielen Menschen zu helfen.“ Die Fraktionsvorsitzende Eka von Kalben sieht keine Notwendigkeit, in das Satzungsrecht der Krankenkassen einzugreifen. Im Gegenteil: Im Wettbewerb zwischen den Krankenkassen könne es für Versicherte relevant sein, ob eine Kasse homöopathische Mittel anteilig finanziert.

FDP und SPD gegen finanzielle Unterstützung

Kontra kommt unter anderem von der FDP. Deren gesundheitspolitischer Sprecher Dennys Bornhöft sieht es kritisch, dass Kassen die Behandlungskosten als freiwillige Leistungen anbieten: „Das spiegelt sich in den Kassenbeiträgen wider und kann somit zu Lasten anderer Versicherter gehen.“ Stattdessen wirbt er für homöopathische Behandlungen auf Selbstzahlerbasis oder über freiwillige Zusatzversicherungen: „Dann entscheidet nämlich der Versicherte, ob er homöopathische Behandlungen mitfinanzieren möchte oder nicht.“

Für Bernd Heinemann, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, steht die Qualität im Vordergrund: Finanzielle Mittel sollten medizinisch sinnvoll eingesetzt werden, Behandlungen nur von schulmedizinisch ausgebildetem Personal angewendet werden. „Überall dort, wo das nicht der Fall ist, sollte die Gemeinschaft die Kosten für die Behandlung nicht erstatten.“

Frankreich zahlt nicht mehr für Homöopathie

Auslöser der Debatte ist eine Entscheidung aus Frankreich: Die Kosten für Homöopathie werden künftig nicht mehr von den Krankenkassen übernommen, weil das Gesundheitsministerium keinen Beleg für die Wirksamkeit von Homöopathie sieht. Aktuell werden homöopathische Mittel mit 30 Prozent bezuschusst, ab dem 1. Januar 2020 soll der Zuschuss halbiert werden. Ab 2021 wollen die Kassen gar keine Kosten mehr tragen.

Auch in Österreich wird Homöopathie nicht von den Krankenkassen übernommen. Wer solche Leistungen in Anspruch nehmen will, muss eine private Zusatzversicherung abschließen.

In der Schweiz hingegen werden homöopathische Medikamente von der obligatorischen Krankenversicherung übernommen. Grund hierfür ist eine Volksinitiative von 2009. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist, dass Arzt, der das Medikament verschreibt, eine Weiterbildung in Homöopathie hat.

Annabell Brockhues

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