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Norddeutschland Ein Mann kämpft gegen 1,1 Kilometer Radweg
Nachrichten Norddeutschland Ein Mann kämpft gegen 1,1 Kilometer Radweg
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08:57 22.02.2019
Zwischen Bobitz und Schönhof fehlt noch entlang der B 208 das letzte Stück Radweg auf einer Länge von 2,9 Kilometern. Anwohner Fred Waschtowitz ist gegen den Radweg.
Zwischen Bobitz und Schönhof fehlt noch entlang der B 208 das letzte Stück Radweg auf einer Länge von 2,9 Kilometern. Anwohner Fred Waschtowitz ist gegen den Radweg. Quelle: Heiko Hoffmann
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Bobitz

Der 45 Kilometer lange Radweg entlang der Bundesstraße 208 von Wismar bis zur Landesgrenze Schleswig-Holstein ist fast fertig. Nur das 2,9 Kilometer lange Teilstück von Bobitz nach Schönhof fehlt noch. Bis Jahresende soll der 1,8 Kilometer lange Teilabschnitt von Bobitz bis Dalliendorf Ziegelei hinzukommen.

Online-Petition läuft

Um die letzten 1,1 Kilometer von Dalliendorf Ziegelei bis Schönhof wird kräftig gerungen. Fred Waschtowitz wohnt direkt an der B 208 im Bereich der früheren Ziegelei. Er will verhindern, dass der Radweg nördlich der Bundesstraße gebaut wird, also auf der Straßenseite vor seinem Grundstück. Waschtowitz: „Für mich würde das die Aufgabe der biologischen Landwirtschaft bedeuten.“ Der Landverlust sei zu groß. „Man entzieht mir die Existenzgrundlage“, so Waschtowitz, der als Energieberater tätig sei und versucht, sich auch mit einer Online-Petition zu wehren. Gerichtet ist diese an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD).

Anwohner Fred Waschtowitz ist gegen den Radweg nördlich der B 208. Quelle: Heiko Hoffmann

In der Begründung der Petition steht unter anderem, dass das Land „zu Lasten der seit über 60 Jahren bestehenden Kleinbauern- und Kleinsiedlerstellen überbaut werden“ soll. Zu den Forderungen zählen ein Planfeststellungsverfahren und „keine Enteigung ohne Alternativen“.

Die Karte zeigt den bestehenden Radweg an der B 208 und das noch fehlende Teilstück. Quelle: Arno Zill

Land prüft weiteres Vorgehen

Das Land macht Druck. Renate Gundlach, Sprecherin des Schweriner Verkehrsministeriums: „Um das Vorhaben schnellstmöglich umzusetzen, wurde das Teilstück in zwei Teilabschnitte aufgeteilt.“ Der Abschnitt ab Bobitz soll Ende 2019 fertiggestellt sein. Dafür gebe es Baurecht. Wann der zweite Teilabschnitt gebaut werden kann, sei „abhängig von der noch ausstehenden Entscheidung, ob dafür ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden muss“, so die Sprecherin. Für diesen Abschnitt sind Grundstücke erforderlich. „Ein Grundeigentümer möchte die für den Bau erforderlichen Flächen nicht abgeben. Sollten auch die letzten Versuche einer gütlichen Einigung mit dem Grundstückseigentümer scheitern, entscheidet das Straßenbauamt Schwerin, ob ein solches Planfeststellungsverfahren durchzuführen ist“, sagt Gundlach zum weiteren Verfahren.

Bürgermeisterin für Radweg

Stefanie Kirsch, Bürgermeisterin der Gemeinde Bobitz, ist für den Bau des Radweges. Lieber früher als später. „Für die Bevölkerung ist er wichtig, die Straße ist zu gefährlich.“ Sie sieht in erster Linie das Gemeinwohl und bedauert, dass es bisher zu keiner Einigung gekommen ist. Es habe mehrere Versuche vom Land gegeben.

Aus Wismar kommend endet der Radweg am Ortsausgang von Bobitz. Quelle: Heiko Hoffmann

Der rund elf Kilometer lange Radweg von Wismar bis Bobitz verläuft südlich der B 208. Ab Schönhof in Richtung Mühlen Eichsen dann nördlich. Das Land möchte das fehlende Zwischenstück nördlich der Bundesstraße bauen. Waschtowitz will dagegen den südlichen Verlauf.

Das Verkehrsministerium sagt, dass Varianten auf der Nord- und der Südseite der B 208 untersucht worden sind. In Auswertung der Kriterien (Verkehr, Umwelt, Wirtschaftlichkeit, Grunderwerb) „wird seitdem die gewählte Trasse nördlich der B 208 weiter verfolgt“, so die Sprecherin.

Waschtowitz sagt, dass beim südlichen Verlauf das Land landwirtschaftliche Flächen aus dem eigenen Besitz zur Verfügung stellen könnte. Nördlich sei er betroffen. Auf OZ-Nachfrage teilt das Land wiederum mit: „Nach Aussage des Amtlichen Liegenschaftskatasters ist der vorhandene Flächenanteil landeseigener Flächen nördlich der Bundesstraße größer als auf der südlichen Seite.“

Der Lückenschluss hat bereits den Landtag von MV beschäftigt. 2017 gab es eine Kleine Anfrage der AfD zum Verlauf des Radweges. Damals fiel die Begründung ähnlich wie heute aus. Eine Frage lautete, ob durch den Bau des Radweges auf der Nordseite der B 208 die Gefahr besteht, dass ansässige Landwirte/Kleinsiedler ihr Geschäft aufgeben müssen. „Nein“, lautete die Antwort.

Das sieht Fred Waschtowitz anders. „Ich halte hier durch, und wenn ich der letzte Krieger bin.“ Seine Petition hat er im September 2018 gestartet. Bisher gibt es 144 Unterzeichner. 1000 sollen es werden. Die Frist wurde zwischenzeitlich bis Ende März verlängert. Eine grundsätzliche Kritik von Waschtowitz lautet, dass der Radweg mehrmals die Straßenseite wechselt. „So sieht kein durchgängig geplantes Konzept aus.“

Fakten zum Radweg

Von Wismar bis zur Landesgrenze Schleswig-Holstein sind es entlang der B 208 rund 45 Kilometer. Beim Radweg fehlen noch 2,9 Kilometer von Bobitz bis Schönhof.

Rund elf Kilometer sind es von Wismar bis Bobitz. Ende 2015 wurde der vorerst letzte Abschnitt (2,8 km) von Bobitz bis Beidendorf übergeben.

Der Verlauf: Von Wismar bis Bobitz verläuft der Radweg südlich der B 208. Von Bobitz bis Schönhof ist er nördlich geplant. Von Schönhof bis Mühlen Eichsen verläuft er nördlich. Dann geht es erst südlich und dann wieder nördlich der B 208 weiter.

Heiko Hoffmann