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Norddeutschland Käufer muss 380 000 Euro für Siegerhengst „Kaiser Milton“ zahlen
Nachrichten Norddeutschland Käufer muss 380 000 Euro für Siegerhengst „Kaiser Milton“ zahlen
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15:55 22.11.2018
„Kaiser Milton“, der Siegerhengst des internationalen Trakehner Hengstmarktes in Neumünster. Quelle: Bauernschmitt/dpa
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Kiel

Ob der im Oktober 2017 auf dem Trakehner-Herbstmarkt in Neumünster gekörte Siegerhengst „Kaiser Milton“ bei seiner Versteigerung lahm und herzkrank war, spielte im Zivilprozess um den bis heute nicht gezahlten Kaufpreis keine Rolle mehr: Nach dem am Donnerstag verkündeten Urteil des Kieler Landgerichts (AZ 12 O 34/18) muss der Käufer des Tiers den vollen Preis in Höhe von 381 692 Euro unverzüglich bezahlen – wegen eines simplen juristischen Formfehlers.

Laut Urteilsbegründung von Zivilrichter Ulf Müller hatte es der Beklagte versäumt, dem Trakehner-Verband als Veranstalter der Auktion in den Holstenhallen eine Frist zur Nacherfüllung des Kaufvertrags einzuräumen. Für den beklagten Pferdezüchter aus Niedersachsen, der in dem Verfahren anwaltlich beraten war, ein teurer Patzer: Das Urteil ist nicht rechtskräftig aber vorläufig vollstreckbar.

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Käufer hätte Möglichkeit zur Nacherfüllung einräumen müssen

Wie Richter Ulf Müller erklärte, hätte der Käufer dem Trakehner-Verband beispielsweise die Möglichkeit geben müssen, ihm ein gleichwertiges Ersatzpferd zur Verfügung zu stellen – etwa innerhalb von ein oder zwei Wochen. Die Gewährung einer Frist zur Nacherfüllung sei zwingend erforderlich, zitierte Müller eine BGH-Entscheidung, in der es um ein unheilbar krankes Pferd ging.

Die klare Entscheidung des Gerichts fiel überraschend. Nach dem Scheitern eines Gütetermins im Oktober hatte Richter Müller noch den Einstieg in die Beweisaufnahme in Betracht gezogen. Dazu hatte er bereits Kontakt mit dem renommierten Spezialisten für Pferdekrankheiten an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, Professor Peter Stadler, aufgenommen. Der Sachverständige war bereit, ein Gutachten über den Gesundheitszustand des Trakehners zu erstellen.

Zustand des Tieres spielte im Prozess keine Rolle

Dazu könnte es immer noch kommen, wenn der jetzt zur Zahlung verurteilte Käufer erfolgreich Berufung beim Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgericht einlegt. Anschließend bliebe ihm noch das Rechtsmittel der Revision beim Bundesgerichtshof.

Ungeklärt ist bis heute, warum „Kaiser Milton“, der bei der Körung vor großen Fachpublikum in Neumünster quicklebendig auftrat, nach dem Transport auf dem Hof des Käufers plötzlich lahmte. Die Beweglichkeit des umjubelten Siegerhengstes beim „weltweit wichtigsten Jahresereignis für Trakehner“ war durch Videoaufnahmen dokumentiert worden.

„Der dunkelbraune Strahlemann“, hieß es in einem Verbandsbericht, „bewegte sich nicht nur mit besonderer Qualität, locker, losgelassen und kraftvoll abfußend, er machte auch einen guten Sprung“. Der niederländische Verkäufer und der Verband erklärten später übereinstimmend, die Fitness des Siegerhengstes zum Zeitpunkt der Auktion stehe außer Zweifel.

Thomas Geyer

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